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2/18 Form und Struktur

Stil.Form

Gebaute Innovation

Der visionäre Informationspavillon weist den Besuchern schon von Weitem den Weg: Denn wer von der Bushaltestelle auf den Innovationspark Zürich in Dübendorf zugeht, dem offenbart sich bereits im Pavillon viel sichtbare Innovation. Zukunftsweisende Ideen und fortschrittliches Wissen über nachhaltiges Bauen prägen den innovativen Holzbau.

Text PD, SD | Fotos FAT Architects S.à.r.l. , Blumer Lehmann

Bis die Hallen und Hangars auf dem ehemaligen Flugplatz in Dübendorf wie geplant zur Denkfabrik umgebaut sind, dürfte es noch etwas dauern. Im Innovationspark Zürich stehen zu Beginn die Themen Mobilität in allen Dimensionen, Engineering und Materialwissenschaften im Fokus. Daneben werden die zukünftigen Projektteams aus Wissenschaft und Wirtschaft in den Bereichen Life Science, Lebensqualität sowie digitale Technologien und Kommunikation forschen. Die Stiftung Innovationspark Zürich will damit das Wissen und die Ideen der Zürcher Hoch- und Fachhochschulen mit den Visionen der Privatwirtschaft zusammenbringen. So sollen Innovationen vorangetrieben und Lösungen für die Welt von morgen entwickelt werden. Als erstes Gebäude des Innovationsparks feierte der Holzpavillon von der Blumer-Lehmann AG im März 2018 seine Eröffnung. Der Informationspavillon übernimmt im Park die zentrale Rolle von Eingangsportal und Begegnungsstätte.

 

Begegnung und Austausch

«Wir hatten die Idee, den Pavillon als eine Art offenes Stadtmöbel zu präsentieren», sagt Frank Stolz vom Architekturbüro FAT aus Luxemburg. «Dazu gestalteten wir eine Aussichtsplattform, die bewusst die Sicht auf das Areal und das Alpenpanorama in Szene setzt. Die Raummodule sind hochwertig und behaglich ausgebaut und laden die Besucher zum Verweilen ein.» Aussen wie innen stehen Begegnung und Austausch im Mittelpunkt. Dazu schaffen Büros, eine Cafébar, Ausstellungsflächen und die öffentliche Dachterrasse geeignete Treffpunkte. Ins Auge fallen auch die aus Holz gefertigten Stadtmöbel, die zur Gestaltung des Aussenbereichs eingesetzt sind. Produziert wurden diese ebenfalls vom Holzbauunternehmen aus Gossau (SG). Gleich mehrere Rollen vereinte Blumer Lehmann bei der Umsetzung des Pavillons auf sich: diejenige des Holzbauplaners, des Produzenten, des Generalunternehmers und schliesslich des Vermieters.

Der Pavillon nimmt mit seiner besonderen Form, der innovativen Verarbeitung von Holz und mit seiner nachhaltigen Bauweise eine zentrale Aufgabe im Innovationspark wahr: Er wirkt als Leuchtturm und als Magnet für nachfolgende Projekte auf dem Areal. Er fördert die Begegnung sowie den Wissens- und Ideenaustausch. Und er spannt durch seine modulare Bauweise schon heute die Brücke in die Zukunft. Denn nach der geplanten Laufzeit von acht Jahren kann der Pavillon demontiert und die einzelnen Raummodule sowie die Gebäudehülle können zu einhundert Prozent anderweitig eingesetzt werden.

 

Architektur für Funktion und Formensprache

Die Gebäudeform und die Grundrisse entwickelte das Architekturbüro FAT nach städtebaulich wichtigen Bezugsachsen und Blickrichtungen. Das waren Bauparameter auf dem Innovationspark selbst, der Blick Richtung Säntis oder nach der anliegenden Strasse. Das Gebäude fügt sich in das bestehende städtebauliche und denkmalgeschützte Ensemble harmonisch ein und bleibt zurückhaltend in seiner Erscheinung. Die Formensprache nimmt Bezug auf die umliegenden unterschiedlichen Giebelformen, und der spezielle Eingang macht auf die neue städtebauliche Veränderung aufmerksam.

Aufgeteilt ist der Pavillon in verschiedene private und öffentliche sowie in unterschiedliche wärme- und wettergeschützte Zonen. Die jeweiligen Funktions- und Arbeitsbereiche sind in Modulbauweise gefertigt. Im Erdgeschoss befinden sich die Ausstellung, das Büro, Meetingräumlichkeiten und die Cafeteria. Dieser Bereich ist wärmegedämmt und wettergeschützt. Die Ausstellungsfläche zieht sich ins Obergeschoss, wo weitere öffentliche Flächen zur Verfügung stehen. Auf dem Dach ist die Aussichtsplattform, die in dem offenen Bereich einen freien Blick auf die umliegenden Gebäude des Innovationsparks und den Säntis gibt. Die Aussichtsplattform auf dem Dach für maximal 50 Personen ist durch eine repräsentative, aussenliegende Treppe auf der Hauptzugangsseite begehbar.

 

Innovative Bauweise und Materialverwendung

Die Gesamtbauzeit inklusive Baumeisterarbeiten, Haustechnik und Innenausbau dauerte von Oktober 2017 bis Februar 2018. Im Werk von Blumer Lehmann in Gossau wurden die einzelnen Raummodule des Pavillons produziert und bereits dort für den jetzigen Verwendungszweck ausgebaut.

Nach der Montage im Innovationspark erhielten die vorgefertigten Holzmodule vor Ort ein primäres Haupttragwerk aus Holz. Die zusätzliche Fassade in Freiformgeometrie wurde übergestülpt. Das Haupttragwerk bildet sich aus einem Primär- und Sekundärtragwerk und wird als Hüllkonstruktion über die vorgefertigten Holzmodule gestellt. Die Konstruktion besteht aus zwei Längsträgern, die über die Gesamtlänge gespannt sind. An diese werden Brettschichtholzträger mit nicht sichtbaren Stahlteilen befestigt. Zur Aussteifung befinden sich Stahlzugsysteme zwischen den Bogenträgern. Die Verbindung der Stahlzugseile und die Seile sind sichtbar.

Zwischen dem Haupttragwerk und der Lattenverkleidung der Fassade ist eine transparente, lichtdurchlässige Membran als Wetterschutzhülle befestigt. Das Tragwerk besteht aus naturbelassener Fichte, die aussenliegende Holzlattenkonstruktion ist mit einer silbergrauen Lasur ausgeführt. Durch die offen gestaltete Fassade wirkt der Pavillon bei Tageslicht sowie bei nächtlicher Illumination leicht und durchlässig. Das Architektenbüro FAT schuf dadurch ein interessantes und gezieltes Spannungsfeld zwischen Innen und Aussen. fat.lu, switzerland-innovation.com/zurich, blumer-lehmann.ch

Das Projekt – die Fakten

Objekt: Informationspavillon, Temporärbau
Standort: Innovationspark Zürich, Dübendorf (CH)
Fertigstellung: 2018
Totalunternehmer und Bauherr: Blumer Lehmann, Gossau (CH)
Architektur: FAT Architects S.à.r.l. (LU)
Mieter: Stiftung Innovationspark Zürich, Dübendorf
Bruttogeschossvolumen: 2300 m3
Bruttogeschossfläche: EG 490 m2; OG Ausstellung 60 m2
Holz, Tragwerk: 104 m³ BSH Gl24h
Holz, Fassade: 17,7 m³ (Fassadenlattung 10,7 m³; UK-Treppe 1,1 m³, Fassade 5,9 m³)
Holz, Module: BSH Gl24h und Duoholz C24 42,3 m³, Plattenmaterial 44 m³ (3-SP, Fermacell)

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