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Stand.punkt

Heute schon an morgen Gedacht?

Ein Gebäude muss heutzutage nicht nur die momentanen Bedürfnisse des Bauherrn erfüllen. Der Planer sollte bereits an den Gebäudenutzer von morgen denken. Das führt nicht nur in der Gebäudeentwicklung, sondern auch in der Gestaltung der bauwirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu neuen Herausforderungen.

Ob Freiform, vorfabrizierter Modulbau, eine grosse Wohnüberbauung, ein Hochhaus oder ein neues Einfamilienhaus: Holzbau bietet für jede erdenkliche Nutzung eine individuelle Lösung. Individualisierung ist das Schlagwort der Stunde. Doch was heute immer wichtiger wird: Das Gebäude soll im Kontext des Gebäudelebenszyklus nicht nur die momentanen Bedürfnisse eines Bauherrn stillen, sondern auch die Individualität künftiger Nutzer einer ganz anderen Generation zulassen. Weil die Anforderungen an die Gebäude, in denen Menschen künftig wohnen oder arbeiten möchten, noch nicht bekannt sind, sollte die Raumstruktur so flexibel wie möglich gebaut sein.

Bauen berücksichtigt die Anforderungen der Gesellschaft und der Umwelt. Schauen wir uns die Bestandsbauten an: Sie werden heutzutage eher abgerissen als umgebaut. Es fällt auf, dass die bestehenden Baustrukturen Anpassungen an aktuelle Bedürfnisse der Nutzer oft nicht wirtschaftlich erfüllen. Schnell ersichtlich ist das beispielsweise an einer unflexiblen und starren Struktur, die eine räumliche Umgestaltung der Gebäudegrundrisse stark einschränkt. Das Ziel ist mehr Flexibilität: ein Bauen, das barrierefrei, behindertengerecht, digital und ökologisch ist sowie zur Generationenverantwortung beiträgt. Das kann Holzbau leisten. Heute schon.

Tragend oder nicht tragend: Das ist hier die Frage

Moderner Holzbau ist prädestiniert dafür, individuelle Wünsche zu erfüllen. Flexibilität bietet allein schon die Bauweise. Die strukturierte Konstruktion ermöglicht es, auch zu einem späteren Zeitpunkt das Raumprogramm im Inneren neu zu gestalten. Grund dafür ist, dass im Holzbausystem ganz klar ist, welche Wand eine tragende Funktion übernimmt und welche nicht. Darüber hinaus handelt es sich beim Holzbau bekanntermassen um eine Leichtbauweise. Das vereinfacht die Veränderbarkeit im Innenraum enorm, da eine nicht tragende Wand schnell und unkompliziert entfernt werden kann. Individuelle Gestaltungswünsche treffen im modernen Holzbau auf einen Werkstoff, der formbar ist. Beeindruckende Freiformen in der Architektur zeigen, dass der Kreativität kaum Grenzen gesetzt sind.

Bei alledem darf die ökonomische Seite nicht vergessen werden. Die Objekte müssen bezahlbar bleiben. Möglich macht das die moderne Fertigungstechnologie, bei der traditionelles Handwerk mit automatisierter Fertigung verschmilzt und individuelle Lösungen rationell gefertigt werden können. Nicht nur im Neubau bietet der Holzbau spannende Individualisierungsmöglichkeiten. Auch ein bestehendes Gebäude lässt sich unkompliziert verändern: Zusätzlicher Raum kann durch Aufstockungen oder Anbauten in Holzbauweise entstehen.

Individuell und rationell – das sind keine Gegensätze, sondern das hervorstechende Merkmal der Holzbauweise. Die intelligente Fertigungstechnologie nimmt in der Planung und Ausführung eine Schlüsselfunktion ein. Dahinter steckt auch der ganzheitliche Denkansatz als ein wesentlicher Teil des Holzbaus. Das zeigen die geplanten und vorproduzieren integralen Bausysteme deutlich: Hier werden die anderen Gewerke, die entsprechenden Fachplaner und der spätere Nutzer im Planungsprozess des Holzbauers berücksichtigt.

Dem Handwerk kommt nach wie vor eine besondere Rolle zu: Es ist der Ursprung und bleibt für die moderne Fertigungstechnologie essenziell, während die Prozesse automatisiert und digitalisiert ablaufen. Digitalisierung und Handwerk schliessen sich nicht gegenseitig aus, ganz im Gegenteil: Dank Digitalisierung bleibt mehr Zeit für das Handwerk.

Bauen dreht sich im Kreis: Kreislaufwirtschaft ist die Zukunft

Zwei zukunftsweisende Trends in der Baubranche werfen ihre Schatten voraus: Individualisierung und Kreislaufwirtschaft. Der Wunsch nach Individualisierung nimmt immer mehr zu. Und das Planen im Lebenszyklus wird immer wichtiger – das Gebäude soll vom Anfang bis zum Ende seiner Lebensdauer betrachtet werden: von der Planung über die Realisierung bis hin zur Nutzung und schliesslich zum Rückbau. Der Rückbau stellt zudem Anforderungen an eine hohe Wertschöpfung der vorhandenen Bausubstanz.

Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft wird wohl die grösste Herausforderung in der Zukunft sein. Sie erfordert mehr als nur eine individualisierbare Architektur. Das bedeutet ein Kulturwechsel, der uns bevorsteht – sowohl auf der privaten als auch auf der öffentlichen Ebene. Die Holzbauweise ermöglicht es, ganzheitlich zu bauen, und kann eine Lösung für die Anforderungen darstellen. Deshalb müssen alle Akteure im Bauprozess – ob Investor, Architekt, Planer und Nutzer – für den bevorstehenden Kulturwechsel sensibilisiert werden. Von den Akteuren wird künftig mehr Eigenverantwortung verlangt, mehr Mündigkeit, mehr Wissen. Statt linearer Planungsmodelle sind lernende Systeme in Form kooperativer und teamorientierter Prozesse gefragt, in denen gleichzeitig und interdisziplinär an Lösungen gearbeitet wird.

Wir stehen vor einer grossen gesellschaftlichen Aufgabe: Wir müssen im Bauwesen das Generationendenken oder einen «Generationenvertrag» etablieren.
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