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Lebens.raum

Eine runde Sache

Zuerst war da die Idee, dann kam der private Investor hinzu: In Braunwald auf 1440 m ü. M. steht das weltweit erste Zigerloft. Eine rundum runde Sache: angefangen beim Kern im Inneren mit den sich darum windenden Treppen bis hin zu den Möbeln, Wänden und der Verglasung.

Text Brimo – Architektur und Immobilien AG, Casa-Vita / Frefel Holzbau AG | Fotos Samuel Trümpy, PD

Die Glarner sind bekannt für ihr «Zigerstöckli». Dieser Käse ist nicht nur speziell im Geschmack, sondern auch aussergewöhnlich in seiner runden Form. Zwei Glarner Unternehmer setzten mit dem Zigerloft in Braunwald (GL) eine lang gehegte Idee um. Das runde Wohnhaus realisierten Architekt Markus Hermann, Brimo – Architektur und Immobilien AG, und Franz Frefel, Geschäftsführer von Casa-Vita / Frefel Holzbau AG, im Jahr 2017.

Der Zürcher Bauherr ist mit Braunwald und der Natur stark verbunden. Sein «Zigerstöckli» mit freiem Ausblick auf die Glarner Bergwelt dient ihm nicht nur als Wohnhaus, sondern auch als Arbeitsplatz. Auf 1440 m ü. M. befindet sich der Zigerloft in bester Lage. Der Standort ist gekennzeichnet von guter Besonnung und einer freien Aussicht ins Tal und auf das Bergpanorama mit Hausstock, Tödi und Ortstock. Der Wunsch von Architekt Markus Hermann, ein rundes Holzhaus in Form eines Schabzigers zu bauen, passte optimal zu den Wünschen des Bauherrn und konnte daraufhin konkret weiterentwickelt werden.

Der lokale Bezug sowie die harmonische Einpassung ins Gelände waren wichtige Parameter, die es zu beachten galt. Mehrere Faktoren beeinflussten die Setzung des Gebäudes auf der flachen Geländestufe. So grenzte auf der Westseite die am Grundstück vorbeigeführte Gondelbahn den Spielraum ein – ebenso wie der gegen Osten steil abfallende Hang mit der dichten Bewaldung und dem geforderten Waldabstand.

 

Absicherung durch Mock-up

Für eine erfolgreiche Umsetzung des Projekts waren erfahrene Experten gefragt. Insbesondere beim konstruktiven Holzbau kam es auf ein grosses Know-how sowie eine maximale Präzision bei der Vorfertigung und in der Montage mittels Helikopter an. Die Casa-Vita / Frefel Holzbau AG übernahm die technische Planung sowie das Gesamtengineering. Mit einem Mock-up, das in den Produktionshallen in Mollis (GL) entstand, wurde sichergestellt, dass das Projekt nach den entsprechenden Vorgaben auch umgesetzt werden konnte. Danach erfolgte die Vorfertigung zwischen Juni und Juli 2016. Auch die Montage war alles andere als alltäglich. Das 30 Mann starke Montageteam von Casa-Vita arbeitete eng zusammen mit dem Transportunternehmen Heli-Linth, das die einzelnen Elemente in rund 770 Flugminuten zur Baustelle flog. Dem Wetter galt es auf dieser Höhe grosse Beachtung zu schenken. Die Aufrichte erfolgte im August 2016 innerhalb von zwei Wochen. Ab September starteten die Arbeiten an Fassade und Dach. Zusätzlich beeinflusste die naheliegende Seilbahn die Anflugmöglichkeiten des Helikopters. Nach kleineren Pausen in den Wintermonaten konnten die Arbeiten hier schliesslich im Mai 2017 beendet werden.

 

Tragender Kern im Zentrum

Im Zentrum steht ein vorfabriziertes Betonrohr: Es ist der tragende Kern auf der Betonbodenplatte bis unters Dach. Darin eingebaut ist der Kamin vom Speicherofen im Erdgeschoss. Senkrecht geschichtetes Massivholz übernimmt die äussere tragende Schicht. Um die zentrale Säule gruppieren sich die Räume. Holz zeigt sich im Zigerloft umfassend elegant und eigenwillig als Konstruktions- wie auch als Bekleidungsmaterial. Betritt man das Erdgeschoss, so gleitet der Blick durch den hellen Raum hindurch auf die hinter der Fensterfront liegenden Berge der anderen Talseite. Über drei Glastüren gelangt man direkt auf die Aussenplätze um das Haus. Auf dem ins Gebäude einspringenden, geschützten Aussenbereich im Osten kann an der Morgensonne das Frühstück eingenommen werden. Wieder zurück im Erdgeschoss, befinden sich hier die geschwungene Küche aus Lärchenholz sowie der mit Kupferblech bekleidete Holzspeicherofen.

 

Schwungvoll ins Obergeschoss

Zu den beiden Obergeschossen führt jeweils eine Holztreppe mit geschwungenen Handläufen. Auf zwei gebogenen und verleimten Holmen liegen die aufgesattelten Trittstufen aus Massivholz, die fächerartig ins Zentrum des Hauses zulaufen. Ein Harfengeländer aus feinen, quadratischen Holzlamellen wurde über die drei Stockwerke geführt. Licht und Schatten treiben in der Rundung der Treppe ein dekoratives Spiel. Von den Vorplätzen im Treppenhaus sind die Schlafzimmer und Nasszellen im ersten und zweiten Obergeschoss erreichbar. Die Räume können je nach Bedarf mit Schiebetüren unterteilt oder verbunden werden. Die leicht geneigten Aussenwände vermitteln im Inneren einen ungewöhnlichen Eindruck von Geborgenheit. Sie folgen der äusseren Form des runden Gebäudes.

Die geografische Lage mit der Bezugshöhe von 1900 m ü. M. stellte sehr hohe Anforderungen an die statische Bemessung. Über eine zentrale Stütze aus vorgefertigten Betonelementen werden die Dach- und Deckenlasten in die Bodenplatte eingeleitet. Die Tragstruktur von Pultdach und Geschossdecken ist aus Mehrschichtplatten aus Fichte konstruiert. Darauf sind Dach- und Bodenaufbauten verlegt.

Auf der Unterseite wurden die Versorgungsleitungen sowie die heruntergehängten Gipsdecken montiert. Für die Aussenwände fertigte Casa-Vita mit verleimten Sichtbalken aus Fichtenholz konische und um fünf Grad geneigte, stockwerkshohe gebogene Topwall-Elemente. Auf diesen Elementen sowie dem Betonkern im Zentrum liegt jeweils die Decken- beziehungsweise die Dachkonstruktion auf. Für die Vorfabrikation wurden Leergerüste erstellt und für die Helikoptertransporte provisorische Verstrebungen eingebaut. Pro Tag konnte so ein Geschoss aufgerichtet werden. Anschliessend erfolgte der Aufbau der Unterkonstruktionen für die Aussendämmungen aus Zellulose. Dann wurde die Schindelfassade, 220 Quadratmeter, Schicht um Schicht aufgetragen – mit tatkräftiger Unterstützung durch den Bauherrn.

 

Ein Haus der Unikate

Bei der anspruchsvollen, teils gebogenen Verglasung handelt es sich um eine Sonderanfertigung. Auch der Innenausbau passt sich der aussergewöhnlichen Geometrie an. Die Küche, die Möbel, der Speicherofen im Wohnraum und die Treppen sind individuell gestaltete Unikate. Im Innenausbau dominiert geöltes, massives oder furniertes Lärchenholz aus dem Kanton Thurgau. Die Böden in den Schlafzimmern, im Wohnraum und den Gängen bestehen aus einem versiegelten, hellen Anhydritboden. In den Nasszellen, im Eingang und auf den Terrassen im Obergeschoss sind rund geschnittene Platten aus silbergrauem Gneis aus Norditalien verlegt. Die horizontalen Decken sind mit einem geölten Weissputz versehen. Das homogene und natürliche Kleid aus rohen Lärchenschindeln legt sich um das Gebäude.

Die Spenglerarbeiten im Bereich der Schindelfassade wurden in Kupfer ausgeführt. Mit der braunen Patina fügen sich diese gut ins Gesamtbild ein. Das Geländer und die Stahlstützen im Aussenbereich sind feuerverzinkt. Das leicht geneigte Pultdach ist extensiv begrünt und sorgt für ein angenehmes Klima im und um das Haus. Nicht nur das. Es soll auch sinnbildlich an die Idee hinter dem ungewöhnlichen Objekt erinnern: an das kleegrüne Glarner «Zigerstöckli».
brimo-ag.ch, casa-vita.ch 

Das Projekt – die Fakten

Projekt: Neubau Wohnhaus Zigerloft
Standort: Braunwald (GL)
Baujahr: 2016?/?2017
Bauherrschaft: privat
Architektur, Planung, Bauleitung: Brimo – Architektur und Immobilien AG, Braunwald
Ingenieurleistung: Création Holzbau AG, Herisau (AR); SJP.Kempter.Fitze AG, Frauenfeld (ZH)
Projektleitung Holzbau: Casa-Vita / Frefel Holzbau AG, Mollis (GL)
Weitere Beteiligte: Holzbau AG, Braunwald; Bachmann Holz in Form, Uznach (SG); Isler Treppenbau GmbH, Bäretswil (ZH); Schreinerei Spicher AG, Brugg (AG), Thoma AG, Amden (SG)
Baukosten Montagebau Holz: CHF 542?000
Gebäudevolumen: 825 m3
Bruttogeschossfläche: 222 m2
Verwendetes Holz: für Aussenwände, Böden und Dach rund 64 m3

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