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Stil.Form

35 Stufen richtung Unendlichkeit

Ein Nutzobjekt, eine Skulptur, ein Gebäude – die Macher wissen selber nicht genau, in welche Schublade sie «Stairs» stecken sollen. Am Designers’ Saturday in Langenthal (BE) sorgte das leuchtende Bauwerk in der Produktionshalle der Hector Egger Holzbau AG jedenfalls für den richtigen Überblick.

Eine Treppe ist ein «Bauteil zur Überwindung von Höhendifferenzen unterschiedlicher Ebenen, bestehend aus mindestens drei aufeinanderfolgenden Treppenstufen». So lautet die zweckmässige Definition in Beuths Baulexikon. Per definitionem handelt es sich beim Projekt Stairs um eine Treppe. Stellt sich nur noch die Frage, welche Ebenen die frei im Raum stehende Treppe miteinander verbindet. Die Antwort darauf könnte die Vision, die Architekt und Bauherr beim Entwurf des hölzernen Treppenwerks hatten, geben. Die Treppe steht als Symbol für das Firmenjubiläum der Hector Egger Holzbau AG: 170 Jahre Hector Egger, 17 Jahre unter der Geschäftsführung von Paul Schär. Mit dem Entwurf wurde Architekt Sergio Cavero vom Zürcher Büro Architecture Générales beauftragt. Die Vorgabe war, etwas zu entwerfen, das die Geschichte der Firma spiegelt. So entwickelte Cavero Stairs als eine sich nach oben hin verjüngende Treppe – selbstverständlich aus Holz. Die breite Antrittsstufe steht für ein grosses Fundament, sozusagen die lange Geschichte der Firma: Der Gründer und Architekt Hector Egger prägte um 1900 das Ortsbild Langenthals mit seinen Bauten; ihm folgten noch drei Generationen der Baumeister- und Architektenfamilie Egger. Nach oben hin verjüngt sich das Treppenwerk, sodass perspektivisch der Eindruck einer Treppe entsteht, die nicht aufhört. «Das ist auch unser Ziel im Unternehmen», sagt Michael Schär, stv. Geschäftsführer und Kommunikationsleiter bei der Langenthaler Firma. «Wir wollen die Geschichte Hector Eggers immer weiter schreiben.» Eine Treppe also, die weniger eine Höhendifferenz überwindet als eher verbindet zwischen Vergangenheit und Zukunft.


ZWISCHEN INDUSTRIE UND ÄSTHETIK

Bei der Ausstellung im Rahmen des Designers’ Saturday zeigte Stairs seinen industriellen Ursprung. Wer die 35 Stufen hinaufstieg, hatte auf der höchsten Stufe auf rund sechs Metern Höhe den Überblick über die Produktionsstrasse der grossen Werkhalle der Hector Egger Holzbau AG – und den Entstehungsort von Stairs auf der CNC-Maschine. Die Treppe erstrahlte dank kluger Lichttechnik. Beim Umlaufen der zehn Meter langen Konstruktion schien es einmal so, als ob man eine geschlossene Wand entlanglaufe. Dann wieder ein Perspektivenwechsel, der Gegenteiliges zeigte: eine offene Konstruktion, aus der das Licht strahlte. Das 7,3 Tonnen schwere Bauwerk zeichnet sich durch Unkompliziertheit und Raffinesse aus: Alle Balken – ob Auftritt, Geländer oder Handlauf – haben ein Standardmass von zwölf mal zwölf Zentimetern. Andere Dimensionen haben da die vier Träger im Inneren, die die Last mit einem Mass von 400 auf 150 Zentimetern tragen. Die 260 Holzbauteile werden über Steckverbindungen zusammengehalten, die zur Sicherheit nochmals verschraubt wurden.

Mit der Idee von einer offenen, sich verjüngenden Treppe ging Architekt Cavero an die Arbeit. Er zeichnete den Entwurf in 3D. Seine Pläne wurden anschliessend im Holzbauunternehmen weiterverarbeitet, Konstrukteure kümmerten sich um Details und Verbindungen. «Das meiste konnten wir so ausführen, wie Sergio es wollte», erklärt Schär. «Nur ein paar Details waren einfach zu aufwendig. Insbesondere, da Stairs als mobiles Bauwerk wieder ab- und aufgebaut werden soll. Zum Beispiel die Ausrichtung der Balken. Im Entwurf waren alle gedreht. Um die Auflage der Tritte zu vereinheitlichen, haben wir die Balken alle in Achse gestellt.» Rund 15 Kubikmeter Fichten- und Tannenholz wurden auf der CNC-Maschine gefräst. Zwei Mitarbeitende der Hector Egger Holzbau AG waren in der Produktion und Montage involviert. Die beiden kennen das Metier. Schon zum Designers' Saturday 2016 arbeiten sie zusammen am Projekt «Weltenbaum» – mit an Bord waren damals auch schon Architekt Cavero sowie derselbe Lichttechniker.

AUF WANDERSCHAFT

Stairs wurde so konzipiert, dass das Objekt auch an anderen Standorten zum Einsatz kommen kann – wie aktuell auf dem Wuhrplatz in Langenthal und später auf dem Gurten. Der Transport erfolgt über einen Lastwagen, zur Montage braucht es noch einen Autokran. Der Aufbau soll innerhalb eines Tages erfolgen. Auch wenn die Treppe als Symbol für die Ewigkeit des Unternehmens stehen soll – für die Ewigkeit ist die Konstruktion nicht gemacht, wie Schär erklärt: «Wenn sie im Freien steht, ohne permanent demontiert und wieder aufgebaut zu werden, hält sie wohl fünf bis zehn Jahre.» hector-egger.ch, cavero-ag.ch, designerssaturday.ch

Stairs geht auf Tour

Die Skulptur geht auf Wanderschaft durch die Schweiz. Die erste Station ist auf dem Wuhrplatz in Langenthal. Noch bis Februar 2019 kann Stairs dort besichtigt werden. Aktuelle Infos zu weiteren Standorten finden Sie auf der Website.  hector-egger.ch/STAIRS/


Das Projekt – die Fakten

Objekt: Skulptur Stairs, Langenthal (BE)
Baujahr: 2018
Architektur: Architectures Générales, Zürich
Bauherrschaft und Holzbau: Hector Egger Holzbau, Langenthal
Holz: 15,3 m3 Fichte/Tanne

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