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BAU.WERK

Licht, Schatten und Holz

Funktionale Ästhetik beweist die neue Produktionshalle der BLS in Bönigen im Berner Oberland. In einem nächtlichen Spiel aus Licht, Schatten und Holz schimmert das Tragwerk durch die Fassade. Insgesamt 556 Kubikmeter Holz wurden hier verbaut – 84 Prozent davon stammen aus der Schweiz.

Text Sandra Depner, PD | Fotos Thomas Telley – Prix Lignum 2018

«Entdecken Sie das Heimatland. Dort, wo es ganz einfach am schönsten ist.» Mit diesen Worten wirbt die BLS auf ihrer Website. Nach eigenen Angaben gehört die BLS zu den grössten Verkehrsunternehmen der Schweiz. 420 Kilometer misst das BLS-Eisenbahnnetz, das 119 Bahnhöfe und Haltestellen verbindet. Zuletzt war die BLS jedoch nicht für ihre Leistungen als Verkehrsbetrieb in der Presse, sondern in der Funktion als Bauherrschaft.

Rund 100 Millionen Franken investiert das Unternehmen in den Umbau und die Erweiterung der Werkstätte in Bönigen (BE). Bis 2025 sollen in der Gemeinde im Berner Oberland sämtliche Reparaturen und Revisionen der Fahrzeugflotte stattfinden. Eine der Massnahmen war der Neubau der Produktionshalle: eine 25 Meter breite, 88 Meter lange und 14 Meter hohe Halle, deren Tragwerk aus Holz besteht. Insgesamt 556 Kubikmeter Holz wurden hier verarbeitet. 84 Prozent davon stammen aus dem Schweizer Wald. Der Einsatz von Holz in einem Gewerbebau dieser Dimension, die funktionale und ansprechende Architektur, viel Licht und ein nacktes Tragwerk aus massiven Holzpfeilern prägen die Architektur. In den Hintergrund rücken da die anthrazit gestrichenen Krane und Tore. Die Fassade setzt auf Durchlässigkeit. Es war nämlich eine der Anforderungen, genug Licht in die Werkhalle zu bringen, ohne dass die Arbeiten durch lästiges Blenden gestört werden. Die Wahl fiel auf eine opale Polycarbonplatte. Die Fassade ist transluzent, sie lässt Tageslicht hinein und gibt abends die Silhouette des Holztragwerks frei. All das brachte dem Objekt nicht nur die Auszeichnung «Herkunftszeichen Schweizer Holz» ein, sondern auch den Sonderpreis «Schweizer Holz» des Prix Lignum 2018 sowie den ersten Rang der Region Mitte.

IN FÜNF WOCHEN STAND DER ROHBAU

Mit dem Holzbau wurde die Brawand Zimmerei aus Grindelwald (BE) beauftragt. Als Zulieferer trat die Hüsser Leimbau AG auf, die das Tragwerk aus Brettschichtholz produzierte. Für die Aufrichte waren vier Mitarbeitende vor Ort. Nach nur fünf Wochen stand der Rohbau, weitere vier Wochen dauerte der Ausbau. «Als typisch würde ich eine Halle dieser Dimension nicht bezeichnen, wenn ich mir unsere Aufträge anschaue», sagt Hansueli Teuscher. Der Zimmermann war als Projektleiter bei der Brawand Zimmerei für die Produktion und Montage der BLS-Produktionshalle zuständig. «Aber sie ist wie auf uns zugeschnitten. Der Holzbau der Gegenwart ist in der Lage, hohe bautechnische und architektonische Anforderungen zu erfüllen. Ausgefallene Geometrien, knifflige Strukturen und spezielle Details fertigen wir im eigenen Abbundzentrum.» Knifflig war auch das Tragwerk der Produktionshalle.
14 Meter hohe, über die Geschossdecke eingespannte Holzstützen aus Brettschichtholz strukturieren die Halle und stützen das Dach sowie ein Zwischengeschoss mit einer Holz-Beton-Verbunddecke. Die Kranbahnen, die enorme Lasten tragen müssen, sind aus Laubholz gefertigt. Die Stabilisierung des Tragwerks in Querrichtung erfolgt über die Holzstützen, die in die Geschossdecke eingespannt sind. In Längsrichtung stabilisieren die Dachverbände und die Streben in den Aussenwänden die Konstruktion.

Indermühle Bauingenieure war für die Ingenieurarbeiten Holzbau des gesamten Projektes vom Vorprojekt bis zur Bauabnahme beauftragt. «Wir planen Holzbauten vom kleinen Umbau bis zur Eishalle», sagt Holzbauingenieur Daniel Indermühle. «Die Grösse eines Projektes allein sagt aber meist wenig aus über die Herausforderungen und Möglichkeiten für eine innovative Lösung einer Planungsaufgabe.» Der Terminplan war straff getaktet. Das Holz spielte dabei mit: «Trotz der engen Terminvorgaben waren die fast 400 Kubikmeter Brettschichtholz problemlos aus der Schweiz erhältlich.»

Nach der Verleihung des Prix Lignum erhielt Indermühle viele positive Rückmeldungen. «Das bestärkt uns darin, jedes Projekt mit Herzblut anzugehen und uns nicht mit der erstbesten Lösung zufrieden zu geben.» i-b.ch, brawand-zimmerei.ch

Das Projekt – die Fakten

Objekt: Produktionshalle, Neubau
Standort: Bönigen (BE)
Baujahr: 2017
Bauherrschaft: BLS Netz AG, Bern
Architektur: Schwaar & Partner AG, Bern
Holzbau: Brawand Zimmerei AG, Grindelwald (BE)
Holzbauingenieur: Indermühle Bauingenieure GmbH, Thun
Auszeichnungen: Prix Lignum 2018, Sonderpreis Schweizer Holz und 1. Rang Region Mitte; Herkunftszeichen Schweizer Holz
Baukosten (BKP 1-2 inkl. Kräne und Honorare): CHF 4,7 Millionen
Gebäudevolumen: 19 330 m3
Gesamtfläche: 2460 m2
Holz (Tragwerk): 385 m3 Brettschichtholz aus Fichte / Tanne; 30,6 m3 KVH, Duo, Trio aus Fichte / Tanne; 44,5 m3 Platten / Holzwerkstoffe; 26 m3 Pollmeier Baubuche


Das sagt die Jury des Prix Lignum:

«Die Produktionshalle der BLS überzeugt dank einer unprätentiösen, aber sorgfältigen Architektur, die für eine Werkhalle angemessen ist. Und die Halle spielt die Vorteile von Holz eindrücklich aus. Die Konstruktion verkürzt dank der Vorfertigung die Bauzeit, sie ermöglicht grosse Spannweiten für hohe Lasten, sie ist wirtschaftlich, und sie stützt eine regionale Ökonomie. Das Gebäude zelebriert den modernen Holzbau und motiviert Nachahmer: Tragt weit mit Schweizer Holz und zeigt es her.»

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