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Lebens.raum

Oase im Erlenwald

Mit dem markanten Steildach setzt Architekt Iso Huonder ein Zeichen. Der Neubau des Campingplatzes Campadi Trun ragt über die Baumkronen hinaus und gibt seinen Gästen Orientierung.

Text Sandra Depner, Iso Huonder | Fotos Ralf Feiner – Prix Lignum 2018

«Ogna» ist der Plural von «Ogn», dem rätoromanischen Wort für Erle. In Sagen und Legenden wird die Erle immer wieder mit Wunder und Zauber in Verbindung gebracht. Oft steht sie für das Böse, ist das Zeichen für bedrohliche, abgelegene und düstere Moore, wo sie ideale Bedingungen für ihr Wachstum hat. Alles andere als bedrohlich ist die Bündner Ortschaft Trun. Sie ist in eine geschützte Auenlandschaft eingebettet und bildet mit dem typischen Erlenwald entlang des Vorderrheinufers eine einmalige Kulisse für Erholung und Aktivität in der Natur. Ein idealer Standort für Naturferien auf dem Campingplatz Ogna Trun.

ALTBAU: IN DIE JAHRE GEKOMMEN

Der Glaube und Wille für den Camping Trun stellt für die ganze Gemeinde eine bedeutende Investition in die Zukunft dar. Mit dem neuen Campingplatz wurde die Basis für den Tourismus in der Region geschaffen. Der alte Bestand konnte im Rahmen der Neuausrichtung nicht erhalten bleiben. Das einstige Betriebsgebäude, ein Chalet in der Mitte der drei Waldlichtungen, war in die Jahre gekommen, die Bausubstanz war nicht mehr brauchbar. Die Bauherrschaft Campadi Trun wünschte sich ein einladendes Restaurant, eine moderne Infrastruktur, die nun auch einen ganzjährigen Betrieb ermöglichen sollte. Das Ergebnis bilden zwei Neubauten aus Holz, ein Betriebsgebäude und ein Badehaus. Die Arbeit wurde im Rahmen des Prix Lignum 2018 mit dem dritten Platz ausgezeichnet.

2012 gewann Architekt Iso Huonder in Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekt Lorenz Eugster und Holzbauingenieur Walter Bieler den Projektwettbewerb. Gebaut wurde schliesslich zwischen 2015 und 2016. Mit dem Bau des neuen Betriebsgebäudes und Badehauses wurde das Ziel der Erweiterung und Modernisierung des Campingplatzes erreicht. Der Neubau erfolgte unter den Vorgaben der geschützten Auenlandschaft. Zudem war aufgrund des hohen Grundwasserspiegels der Bau eines Untergeschosses nicht möglich.

HAUPTGEBÄUDE: EMPFANG UND RESTAURANT

Das neue Hauptgebäude bildet mit seiner starken Silhouette das Symbol von Schutz und Unterkunft im Erlenwald. Die vorgelagerte Veranda ist der Ort der Begegnung. Die Vorfahrt und der Haupteingang dienen als zentraler Treffpunkt, wo man den Ankommenden erwartet, sich verabschiedet oder sich zum Nachtessen trifft. Der Raum des Restaurants mit der grossen vertikalen Gebäudetiefe ist geprägt durch die dreiteiligen, sich nach oben hin öffnenden Binder. Sie reagieren auf Zug- und Druckkraft gleichermassen und bilden einen steifen Übergang von der Wand zum hohen Satteldach. Diese statische Struktur geht mit den typologischen Eigenschaften einher und ermöglicht die grossen Öffnungen zur Abendsonne hin. Das Gebäude wurde als Elementbau in der nahen Zimmerei in Trun vorgefertigt. Ferner wurde darauf geachtet, dass einheimisches Holz verbaut werden konnte. Beim Haupthaus waren das 57 Kubikmeter, beim kleineren Badehaus 17 Kubikmeter einheimische Fichte.

BADEHAUS: INTIME ATMOSPHÄRE UND RUHE

Das Badehaus ringt mit der Hoftypologie dem angrenzenden Wald etwas Raum ab und schafft im Inneren eine zurückgezogene und intime Atmosphäre. Windmühlenartig sind vier einzelne Volumen unter einem flachen Dach zusammen angeordnet. Die offene Struktur wird durch die leichte Erhöhung des Hochparterres nach Aussen hin abgeschlossen. Der einfache Holzelementbau ist unbeheizt und im Winter geschlossen. Mit den gefassten Aussenräumen ändert sich die Identität der Campinganlage. Es gibt nun ein starkes Zeichen der Öffentlichkeit und mit dem Platz, der Vorfahrt, ein physisch fassbares Zentrum als ein einprägsames Bild mit einem starken Wiedererkennungswert.

Drei Monate dauerte die Bauzeit mit den vorgefertigten Holzbauelementen. «Dass wir mit Holz bauen würden, war sehr schnell klar», sagt Architekt Huonder. «Mit den atmosphärischen Qualitäten von Holz war es am einfachsten, an der Geschichte des Ortes weiterzuschreiben und die Neubauten in den Kontext einzufügen. Die Gebäude fügen sich im Auwald ein wie die dunklen Stämme und Äste der Erlen selbst.» isohuonder.ch, walterbieler.ch, maissen-sa.ch, danielmaissen.ch

Das Projekt – die Fakten

Objekt: Camapadi Trun, Erneuerung und
Modernisierung der Campinganlage
Standort: Trun (GR)
Projektwettbewerb: 2012, in Zusammenarbeit mit Lorenz Eugster, Landschaftsarchitektur und Städtebau GmbH, Zürich und Walter Bieler AG, Bonaduz (GR)
Bauzeit: 2015?–?2016
Bauherrschaft: Campadi Trun SA
Architektur: Iso Huonder Architektur, Chur
Bauleitung: Simeon Baumanagement AG, Trun    
Holzbauingenieur: Walter Bieler AG, Bonaduz (GR)
Holzbau: Tarcisi Maissen SA, Trun (GR);
Scrinaria Daniel Maissen, Rabuis (GR)
Baukosten (BKP 2-5): CHF 3,2 Millionen
Gebäudevolumen (SIA 116): Haupthaus 1905 m3, Badehaus 745 m3
Bruttogeschossfläche (SIA 116): Haupthaus 340 m2, Badehaus 110 m2
Holz: einheimische Fichte, 57 m3 für das Haupthaus, 17 m3 für das Badehaus

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