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01/2017 NATUR PUR

Kolumne/Marktfokus

Planen und Bauen im Lebenszyklus

Kurzfristig, unflexibel und einseitig – das ist die Vergangenheit des Bauens. Modernes Bauen ist gesteuert über das Denken im Lebenszyklus eines Gebäudes: von der Planung zur Realisierung über die Nutzung bis zum Rückbau.

Die Immobilienwirtschaft hat eine enorme volkswirtschaftliche Bedeutung in der Schweiz. Wir sprechen hier von rund 2,5 Millionen Gebäuden. Etwa 40 Prozent davon sind Gebäude ab dem Erstellungsjahr 2000. Diese entsprechen mehrheitlich den aktuellen energetischen und umweltschonenden Ansprüchen. Rund 60 Prozent ältere Bestandsbauten sind aus energetischer Sicht sanierungsbedürftig und müssen teilweise an neue Nutzerbedürfnisse angepasst werden. Bei einer aktuellen Sanierungsrate von 0,9 Prozent würde die Transformation des Gebäudeparks etwa 100 Jahre dauern. So viel Zeit haben wir nicht. Ein Umdenken muss stattfinden. Und das in erster Linie bei den Privatpersonen: Sie besitzen 83 Prozent der Anlageimmobilen, 17 Prozent entfallen auf institutionelle Anleger. Nicht selten denken die privaten Anleger zu kurzfristig und eher an die Verwirklichung eigener Wünsche und Lebensziele. Dabei rücken generationenübergreifende Gedanken an langfristiges Bauen in den Hintergrund. Es wird eher für den Moment geplant und gebaut. Das müssen wir ändern. Auch im Interesse der Banken, die als Geldgeber Teil des Systems sind: 800 Milliarden Franken an laufenden Hypotheken verzeichnen die Geldinstitute aktuell. Es liegt in ihrem Interesse, dass die Gebäude über ihre Lebensdauer hinweg werthaltig und marktfähig bleiben.

Eine neue Generation von Gebäuden

Die Situation verschärft sich bei der aktuell grossen Leistungsdifferenz, die zwischen älteren Bestandsbauten und den Neubauten ab dem Baujahr 2000 liegt. Diese Gebäude erfüllen die aktuellen Nutzerbedürfnissen, sind klima- und energieeffizient sowie ressourcenschonender. Die Wohngebäude entsprechen der aktuellen Wohnkultur, sind alterskonform und flexibel nutzbar. Anders gesagt: Diese Neubauten sind eine komplett neue Generation von Gebäuden. Um die Altbauten auf dieses Wohn- und Nachhaltigkeitsniveau zu bringen, braucht es oft eine Gesamtsanierung, die auch mit einer sozialen Frage einhergeht: Kann es sich die Mieterschaft leisten, nach der Sanierung weiterhin dort zu wohnen? Viel zu häufig lautet die Antwort: Nein, die Mieterschaft wechselt gezwungenermassen, da Gesamtsanierungen deutlich höhere Mietkosten mit sich bringen. Um sozial verträglich zu sanieren, kann der Holzbau eine Lösung sein.
 
Die Zeit ist reif für ein neues Denken. Es geht nicht mehr nur um das Bauen für das individuelle Bedürfnis des Bauherrn, sondern um ganzheitliches Bauen, das auch den Lebenszyklus eines Gebäudes im Blick hat. Es geht um Bauen im Sinne eines Generationenvertrages: Welche Bedürfnisse müssen in Zukunft erfüllt werden und wie wird die Instandsetzung und Instandhaltung über den Lebenszyklus optimiert? Ein modernes Baukonzept minimiert dementsprechend die tragenden Wände, geht auf eine flexible Grundrissgestaltung ein und lässt haustechnische Installationen für den Unterhalt sowie für die Erneuerung leicht zugänglich. Wer in sein Bauvorhaben den Lebenszyklus integriert, auf den können anfangs höhere Investitionskosten zukommen. Aber auf die Lebensdauer gerechnet zahlen sich die Investitionen aus - in Sachen Werterhalt, aber auch aus energie- und klimapolitischer Sicht.

Kein Neubau ohne Bewirtschaftungsplan

Im "neuen Bauen" hat der Holzbau seine grossen Stärken. Er erfüllt die Anforderungen an Klima-, Energie- und Ressourceneffizienz, ermöglicht eine hohe Nutzungsflexibilität und beschleunigt die Bauprozesse. Beim Bauen und Denken in Lebenszyklen entwickelt sich ein neues Dienstleistungspotenzial: Ist der Bau abgeschlossen, erhält der Besitzer einen Werterhaltungsplan. Dieser Plan beinhaltet alle Informationen zu den individuellen Lebenszyklen der Bauteile, Prüfungen und Investitionen, die den Wert und die Marktfähigkeit des Gebäudes langfristig sichern. So ergibt sich für den Holzbauer im Bereich des Facility Management ein neuer Markt. Auch im Bereich der Sanierung des Gebäudeparks ist die Holzbaubranche gut aufgestellt. Möglich macht das die leichte, vorfabrizierte und enorm schnelle Bauweise. Zudem können Gebäude mit vorfabrizierten Holzbauten aufgestockt werden. Durch mehr vermietbare Fläche kann die Gesamtsanierung ökonomisch optimiert und das bestehende Raumangebot erweitert werden. So kann günstig und geschossweise saniert werden, was einem Mieterbedürfnis entspricht. Das Bauen nach dem Lebenszyklus ist ein chancenreifer Weg in die Zukunft. Wegbegleiter ist der Holzbau. holzbau-schweiz.ch

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