Verband Schweizer Holzbau-UnternehmungenHolz macht stolz - Das Portal der Schweizer Holzbaubranche
Magazin FIRSTBauen und leben mit Holz – Das Fachmagazin von Holzbau Schweiz

2/17 WILLKOMMEN

Lebens.raum

Deltapark Vitalresort: Ganzheitlich entspannen

Das Kanderdelta ist die einzige verbleibende Delta-Aue im Kanton Bern. Unweit des Naturschutzgebietes erstreckt sich die Wellnesslandschaft des Deltapark Vitalresort. Im Rahmen eines grossen Umbaus wurde aufgestockt – in Holzbauweise. Das war nicht nur eine Frage der Nachhaltigkeit.

Text Sandra Depner | Fotos Deltapark Vitalresort, Boss Holzbau AG

Offene Sand- und Kiesbänke, stehendes Gewässer, ein Auenwald – ein Paradies für seltene Vogelarten wie den Flussregenpfeifer, der hier im Kanderdelta sein Zuhause hat. Dort, wo südlich von Thun die Kander in den Thunersee fliesst, liegt das Kanderdelta, ein vor 300 Jahren entstandener Lebensraum für schützenswerte Tiere und Pflanzen. In ausgewiesenen Ruhezonen herrscht absolutes Begehverbot für den Menschen. Das Auengebiet öffnet sich aber für die Erholung des Menschen, so wie am natürlichen Badestrand. Das Kanderdelta ist ein prägendes Wahrzeichen der Region um Thun. Daran angelehnt präsentiert sich auch eine 90?000 Quadratmeter grosse Erholungslandschaft: das Deltapark Vitalresort direkt am Thunersee. Schon die Anfahrt deutet darauf hin, dass das Vier-Sterne-Resort komplett in der Natur eingebunden ist. Abseits der Hauptstrasse ab Gwatt führt der Weg Richtung Thunersee. Der Blick ist frei auf den See, den Wald und das Naturschutzgebiet. Im Mai 2016 wurde es nach Umbau und Renovation wiedereröffnet. Bereits 2008 kaufte die Hauenstein-Immobilien-Gruppe die Hotelanlage und startete die Planung. Eine der umfangreichsten Baumassnahmen betraf das neue Hauptgebäude. Der repräsentative Bau wurde um zwei Etagen aufgestockt – in Holzelementbauweise. Die Anlage umfasst eine neue Gebäudegruppe bestehend aus Haupthaus, Sporthaus, Parkplatz und -halle. Neu sind ebenfalls die sieben Seevillen und zwei Mehrfamilienhäuser. Näher zum See gelegen sind die drei denkmalgeschützten Zelthäuser aus den 1960er Jahren, die renoviert wurden: das Landhaus, das Seehaus und das Waldhaus. Jedes Fenster gibt einen Blick gleich einem Postkartensujet auf den Thunersee, das Bergpanorama oder den Wald frei.

Natürlich aufgestockt

Die Gäste kommen aus verschiedenen Gründen: Sie entspannen, sie tagen, sie lernen oder wollen sich von Alltag und Stress eine Pause gönnen. All das bietet das Vitalresort auf dem parkähnlichen Grundstück mit einem 2000 Quadratmeter grossen Wellnessbereich, den zahlreichen Tagungs- und Konferenzräumlichkeiten, mit Lounge und Bar, drei Restaurants sowie Sport- und Naturprogrammen. Die Symbolkraft des Deltas ist an diesem Ort allgegenwärtig, nicht nur im Namen des Hotels. Es erscheint als logische Konsequenz, dass ein so der Natur verbundener Erholungsraum auch im Umbau naturverbundenes Bauen mit Holz vorzieht. Das Resort präsentiert sich ganzheitlich und nachhaltig und verspricht frische Bergluft, regionale Küche, Natur und Sport – eben alles, was gut für Körper und Geist ist.

106 Zimmer unterschiedlichster Kategorien im Vier-Sterne-Standard befinden sich in den auf dem Gelände verteilten Häusern. Eines davon – das grösste auf dem Areal – ist das neu aufgestockte Hauptgebäude: 96 Meter lang, 22 Meter breit. Es beherbergt mit 78 Hotelzimmern den Grossteil der Gasträume. Der Altbau des Hauptgebäudes blieb als Erd- und Untergeschoss erhalten und wurde erweitert. Vor eindringendem Grundwasser schützt eine schwarze Wanne den Massivbau. Im Erdgeschoss wurde der bereits bestehende Restaurantbereich ostwärts erweitert: Hier befinden sich die Lobby und Seminarräume. Über das Erdgeschoss gelagert ist eine Art Stahltisch aus Wabenträgern mit Spannweiten von bis zu 18 Metern. Sie dienen als Auflage für die zweigeschossige Holzbauaufstockung in Elementbauweise. Rammpfähle, die die Last in den Boden einleiten, stabilisieren die Aufstockung. Das stirnseitige Zurückversetzen des Erdgeschosses und die zurückspringende Trägerkonstruktion verleihen dem Gebäudekörper eine leichte, schwebende Erscheinung. Die durchlaufenden Balkone der Hotelzimmer werden mit einer Glasbrüstung abgeschlossen.

Beste Aussicht – versprochen

In dem langgezogenen Holzbau haben alle Zimmer einen Balkon, der beste Aussicht bietet. Das war bereits im Wettbewerb von der Bauherrschaft so vorgegeben: «Das Hotel sollte nur Zimmer mit Ausblick haben – also mit Ausrichtung See und mit Ausrichtung Bergpanorama. Es sollte keine Zimmer gegen Ost und West geben», sagt Architekt Markus Froehlin von der HMS Architekten und Planer AG. Das ist eine Vorgabe, die entscheidenden Einfluss auf den Entwurf hatte: «Damit war die städtebauliche Form mit zweibündiger Anordnung der Hotelzimmer auf zwei Geschossen quasi wie gesetzt: ein beachtlicher, knapp 100 Meter langer Baukörper.» Das stellte die Architekten jedoch vor die Herausforderung, diesen in die Umgebung zu integrieren, ohne dass er als starke Zäsur zur Landschaft am See wirkt.

Architekt Markus Froehlin fügte den Bau über die fein gegliederte Fassade in seine Umgebung ein. Seine Idee war, die Geschosse über eine Hülle aus versetzt angeordneten Metallpaneelen miteinander zu verweben. Das Lochmuster der verschiedenfarbigen Paneele greift das Motiv von Baumstämmen und Ästen auf. Beim Material- und Farbkonzept des Baus liess sich Markus Froehlin stark von der Natur beeinflussen. «Das Hotel Deltapark liegt auf dem vor rund 300 Jahren entstandenen Delta der Kander, umgeben von wertvollen Grünräumen und Naturschutzgebieten mit dem See im Norden, dem Gwattlischen Moos im Westen, dem Wald im Osten und den Wiesen im Süden.» So ist das Farbkonzept für die Gebäudehülle inspiriert von den vor Ort vorhandenen Farben: das Silbergrau der Baumrinden, das Goldgelb wie jenes der Schilfhalme und die verschiedene Grün- und Brauntöne von Wiese und Wald. Auch im Innenraum greifen die Farben – Weiss, Beige und Braun – sowie die Materialien Holz und Stein das Naturmotiv auf. Die Zimmer der Obergeschosse wurden je nach Ausrichtung gestaltet: Seezimmer in Hellblau, die Bergzimmer in Gelbtönen. In den Räumen ist nichts davon zu sehen, dass es sich konstruktiv um eine Aufstockung in Holzbauweise handelt.

Den Auftrag für den Holzbau erhielt die Boss Holzbau AG aus Thun. Bei der Planung der Aufstockung setzte Projektleiter Martin Kneubühl auf eine möglichst hohe Vorfertigung. So wurden nicht nur die tragenden Plattenwände und die mit den Abläufen versehenen Böden montiert, sondern auch die gesamten Gipsinnenwände der Zimmer bereits in der Aufrichtphase in Elementbauweise eingebracht. Mit der zweimonatigen Aufrichte des vorfabrizierten Holzbaus startete die Boss Holzbau AG im Mai 2015. Im Innenausbau entstanden täglich vier der 78 Zimmer aus 100 vorfabrizierten Fertigelementen. Die kompletten Holzbauarbeiten am Hauptgebäude kamen Ende 2015 zum Abschluss.

Holz, das sich versteckt

Für HMS Architekten und Planer aus Spiez wird das Bauen in Holz immer wichtiger. Geschätzt einen Drittel der Neubauten realisiert das Architekturbüro mittlerweile als Holzbau. «Holz als Werkstoff wird künftig noch wichtiger – insbesondere weil es sich um einen nachwachsenden Rohstoff handelt», ist Architekt Markus Froehlin überzeugt. «Holz steht für Gemütlichkeit, schafft Ambiente und sorgt dafür, dass sich der Gast wohlfühlt.» Nicht aber, wenn der Holzbau versteckt ist, wie Markus Froehlin einwendet: «Um diese Atmosphäre zu schaffen, sollte der Holzbau für den Gast aber auch zu sehen sein.»

Im Deltapark verbirgt er sich jedenfalls hinter einem mehrschichtigen und aufwendigen Aufbau, was Architekt und Bauherr gleichermassen bedauern. Aufgrund der zur Planungsphase geltenden Brandschutzvorschriften (VKF 2003) konnte im Beherbergungsbau das Holz im Innenraum nicht sichtbar belassen werden. Während des Baus wurden die Brandschutzvorschriften revidiert, das Holz hätte somit auch sichtbar eingesetzt werden können – doch da war es schon zu spät, um solche Änderungen noch vorzunehmen. Das objektspezifische Brandschutzkonzept stand schon: Die sichtbaren Holzflächen sind aufwendig verkleidet, die Brandabschnitte sind geschossweise getrennt, jedes einzelne Zimmer ist ein einzelner Brandabschnitt. Die Korridore enthalten alle Leitungen mit entsprechenden Massnahmen bei sämtlichen Durchdringungen von Leitungen und Lüftungskanälen. Aussen dienen die Fluchttreppen in Massivbauweise auch der Aussteifung bei Erdbeben.

Die Entstehung des Deltas

Dass im Deltapark Vitalresort mit Holz aufgestockt wurde, war keine komplett freie Frage der Konstruktionsweise. Der Grund für eine Aufstockung in Leichtbauweise ist geologischen Ursprungs. Dafür muss man mehr als 300 Jahre zurück in der Geschichte der Region gehen: zur Entstehung des Kanderdeltas als Ergebnis einer der zum damaligen Zeitpunkt ersten grossen Gewässerumleitungen der Schweiz. Vor der Umleitung floss die Kander nicht in den Thunersee, sondern in die Aare. Dort bildete sich regelmässig ein flacher See und Überschwemmungen setzten die Häuser Thuns unter Wasser. Um das zu verhindern, wurde weit vor dem Aarezufluss mittels Durchbruch die Kander in den Thunersee geleitet – die sogenannte Kanderkorrektur von 1713. Ab dann nahm das reissende Wasser seinen Weg über einen Stollen durch den Strättlighügel direkt in den Thunersee.

Unvorhersehbar waren die Folgen, die diese Korrektur für die Umgebung hatte. Denn das Wasser grub sich immer tiefer in die Moränenschicht und brauchte nur ein halbes Jahr nach dem Durchbruch, um den Stollen im Sommer 1714 zum Einsturz zu bringen. Das vom Fluss mitgezogene Geschiebe lagerte sich am Zufluss zum Thunersee ab – am heutigen Ort des Kanderdeltas. Somit handelt es sich bei dem Baugrund um einen unstabilen Seegrund, der wenig tragfähig ist. Es sprach also nicht nur die schnellere Bauphase und Aufrichte, sondern auch das Gewicht für die Holzbauweise: Laut Architekt Markus Froehlin konnte bei der Aufstockung etwa die Hälfte an Gewicht gegenüber der konventionellen Bauweise eingespart werden. Es waren weniger und kürzere Rammpfähle bei der Aufstockung nötig. Bei der Fundation führen diese in 20 Meter Tiefe und leiten die Last direkt in den Baugrund ab.


«Das Hotel zählt zur Königsklasse»

Die Boss Holzbau AG aus Thun führte die Holzbauarbeiten beim Deltapark Vitalresort aus – am aufgestockten Hauptgebäude, am neuen Sporthaus sowie bei der Sanierung der Zelthäuser und dem Bau der Seevillen. Projektleiter war Martin Kneubühl. Der 46-Jährige ist seit 30 Jahren bei Boss Holzbau. Die Boss Holzbau AG mit Sitz in Thun wurde 1981 von Hans und Regina Boss gegründet. Beschäftigt sind rund 70 Mitarbeitende in den Bereichen Zimmerei sowie Schreinerei. In der zweiten Generation werden Cornelia Boss und Benjamin Boss den Betrieb weiterführen.



Herr Kneubühl, das Deltapark Vitalresort steht für Entspannung auf höchstem Niveau. Für Sie reiht sich das Hotel national in die Königsklasse der Holzbauten ein. Was ist das Besondere?

Es ist das erste und grösste Hotel in Holzsystembauweise im Berner Oberland. Mir ist zumindest kein grösseres in dieser Region bekannt. Es besteht aus mehr als 1000 Holzbauelementen mit einem Gesamtgewicht von rund 1000 Tonnen. Speziell sind sicher auch die schnelle Rohbauphase, die Genauigkeit, der relativ weite Stand des Ausbaus bezogen auf Installationen, Beplankungen, Einlagen und vieles mehr.

Wie lange dauerten die Arbeiten?

Der Holzbau konnte in nur acht Wochen aufgerichtet werden. Die hohen Anforderungen an den Schallschutz sowie Brandschutz sind komplett umgesetzt und waren in die Planung integriert. Bereits wenige Tage nach dem Start der Aufrichte wurden die ersten Elektro,- Sanitär,- und Lüftungsleitungen verlegt. So konnten wir den Bauablauf um mehrere Wochen verkürzen.

Wenn Sie auf die Planung und die Montage zurückblicken: Worin lag für Sie als Projektleiter die grösste Herausforderung?
Herausfordernd war die Koordination der Haustechnik. Die Planung musste vor Produktionsbeginn der Holzelemente abgeschlossen sein. Das heisst: jede Steckdose, jede Lampenstelle, jeder Telematikanschluss, sogar jeder einzelne Standort der Brandmelder musste im Vorfeld bestimmt und später in die vorproduzierten Elemente eingelegt werden. Das Gleiche gilt für die Sanitärleitungen: Sie liegen vertikal in Steigschächten, sodass diese auch im Erdgeschoss zwischen den Stahlträgern ohne Kollision mit anderen Leitungen verlaufen – horizontal verlaufen sie zumeist in den Bodenelementen. Die Lüftung erschliesst sich vom Dach vertikal jeweils in die zwei Korridore – von dort aus werden die Zimmer einzeln horizontal über die Decke erschlossen.

Was bedeutet das Projekt Deltapark für die Boss Holzbau AG?

Das Projekt ist sicher ein weiterer Meilenstein in der Geschichte von Boss Holzbau auf dem Weg in die Zukunft des modernen Holzbaus so, wie wir uns das vorstellen. Die Zukunft gehört dem Holzsystembau in Trockenbauweise. Im Holzbau sind wir schnell, genau, trocken sowie nachhaltig mit einem hohen Stand des Ausbaus nach Rohbauende.
deltapark.ch, hms-architekten.ch, bossholzbau.ch


Die Aufstockung in Zahlen

Elemente: etwa 1000
Aufrichtzeit Hotel: 34 Arbeitstage
Personenstunden: 13?700
Konstruktionsholz: 444 m3
BSP-Platten: 483 m3
Dreischichtplatten: 1920 m2
OSB-/DWD-Platten: 5870 m2
Stahlteile: 15,5 Tonnen
Kies/Splitt: 163 Tonnen
Gipsbauplatten: 280 Tonnen
Dämmung: 454 m3


Das Projekt – die Fakten

Objekt: Deltapark Vitalresort (2016), Gwatt bei Thun (BE)
Baujahr Aufstockung: 2016
Bauherrschaft: Klinik Schönberg, Gunten (BE), c/o Hauenstein Immobilien, Gunten
Architektur: HMS Architekten und Planer AG, Spiez (BE)
Holzbauingenieur: Indermühle Bauingenieuren HTL/SIA, Thun
Holzbau: Boss Holzbau AG, Thun
Gebäudevolumen SIA 416: Hotel 28?901 m3, Holzbau 15?840 m3, Sporthaus 4554 m3
Geschossfläche SIA 416: Hotel 7741 m2, Betriebsgebäude 1240 m2
Chronologie: Planungsstart Umbau 2008, Fertigstellung 2016
Bausumme: Gesamtprojekt CHF 80 Millionen; Holzbau CHF 3,85 Millionen


HMS Architekten und Planer AG, Spiez

Das Architekturbüro HMS Architekten und Planer AG besteht seit 1980. Am Standort in Spiez sind aktuell rund 40 Mitarbeitende beschäftigt. Projektleiter bei diesem Bau war Markus Froehlin, dipl. Architekt EPLF/SIA und Mitglied der Geschäftsleitung, der seit dem Jahr 2000 Teil des Architekturbüros ist. Die HMS Architekten und Planer AG war zuständig für die Aufstockung des Hauptgebäudes, das neue Sporthaus sowie das Parkhaus.

Magazin Wir HOLZBAUERDas Mitglieder- und Verbandsmagazin von Holzbau Schweiz