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Stand.punkt

Tourismus: Neue Ansprüche an Architektur

Moderner Holzbau kann Tourismusregionen ein neues Image verleihen. Weg vom bekannten, heimeligen Chalet-Charme hin zu gebauter Nachhaltigkeit oder multifunktionellen Raum-ideen. Neue Konzepte erschliessen neue Zielgruppen – und beleben die Baubranche.

Die Ressource Holz ist als Baustoff im touristischen Bereich stark vertreten – früher wie heute. Augenscheinlicher Beweis dafür sind die Chalets, wie man sie zahlreich im alpinen Raum findet. Sie zeugen von der traditionellen Holzbaukultur. Der moderne Holzbau hingegen grenzt sich davon ab. Fortschrittliche Technologien bei Verarbeitung und Produktion ermöglichen neue Strukturen und Konzepte, so dass sich Holzbau in einem modernen Baustil etablieren kann. Holzbau ist im Trend – im städtebaulichen Kontext, bei repräsentativen Bauten, vor allem aber in Tourismusregionen. Moderne Holzbauarchitektur kann als Vertreterin von nachhaltigem Bauen Fuss fassen. Vorbild dafür sind die vielen Designhotels im Vorarlberger Raum.

Gebaute Nachhaltigkeit: Regionale Wertschöpfung

Designhotels in Holz zeigen gelebte und gebaute Nachhaltigkeit. Neuzeitliche Holzbauarchitektur fundiert dabei auf Regionalität. Für ganzheitliche Beherbergungsbauten wie jene aus dem Vorarlberg ist bei uns in der Schweiz noch grosses Potenzial vorhanden. Es geht um Bauen im integralen Sinn. Das bedeutet, dass nicht nur der Baustoff, das Holz als nachwachsende Ressource, für die Idee von Nachhaltigkeit einsteht. Es geht vielmehr um das übergeordnete Nachhaltigkeitsprinzip, das auf Regionalität beruht und ganzheitlich wirkt. Das bedeutet auch, dass der Werkstoff aus der Region stammt. In der Ausführung ist das regionale Gewerbe einbezogen. Regionalität heisst zudem, dass zuvor die Planung und Entwicklung neuer Konzepte einen regionalen Anker hat. Es geht um praktizierte Regionalität, die als regionale Wertschöpfung das gesamte Gewerbe mitnimmt: angefangen bei Werkstoff, Bau und Bewirtschaftung bis hin zur heimischen Küche im Gastgewerbe. Es handelt sich um eine integrale Philosophie der Nachhaltigkeit. Holzbau als eine umweltbewusste Bauweise macht ein solches Konzept sehr glaubwürdig – und vermittelt einen hohen emotionalen Wert.

Es geht zudem um die Weiterentwicklung in Tourismusregionen. Insbesondere auch in jenen von der Zweitwohnungsinitiative betroffenen Regionen und Branchen. Durch die Verordnung, die verhindern will, dass zu viele Wohnungsbauten über das Jahr hinweg kaum genutzt werden, ergeben sich auch neue Chancen und Ideen im konstruktiven Umgang mit der Einschränkung. Chancen, die den Tourismus und die lokalen Strukturen nicht hemmen, sondern ihnen neuen Aufschwung verleihen und das verloren gegangene Volumen ersetzen. So könnten sich in jenen Regionen die Hotelleriestrukturen als Ersatzvolumen entwickeln. In diesem Kontext sind zwei mögliche Konzepte vielversprechend: Temporärbauten sowie multifunktionale Raumkonzepte.

Temporär: Raum bieten, Wenn er gebraucht wird

Zum einen sind da die Temporärbauten. Ihr Vorteil besteht darin, dass sie erst bei Bedarf zum Einsatz kommen. Beispielsweise bei grösseren, nationalen Anlässen können sie Wohnraum genau dann zur Verfügung stellen, wenn er gebraucht wird. Der Holzbau bietet sich an, da schnell und kostengünstig Raum geschaffen werden kann. Auf dem Schweizer Markt stossen Unternehmen bereits in diese Richtung und vertreiben Raumzellenkonzepte auf Mietbasis. Temporärbauten sind auf Lager, schnell verfügbar und können so auch kurzfristig auf Raumbedürfnisse reagieren.

Multifunktional: Raum gemeinschaftlich nutzen

Die zweite Möglichkeit sind multifunktionale Raumkonzepte als Ausbau der bestehenden Hotelstrukturen. Multifunktional bedeutet in diesem Sinne, dass sowohl eine halbprivate Nutzung – ähnlich wie eine Zweitwohnung – als auch eine öffentliche Nutzung durch Hotelgäste vorgesehen ist. Folglich muss auch der Begriff von Ferienwohnung neu interpretiert werden. So kann die Raumzelle mit persönlichen Gegenständen und Utensilien eingerichtet sein. Sobald die Räumlichkeiten vom Besitzer jedoch nicht beansprucht werden, öffnen sie sich für die Nutzung durch andere Gäste.

Die Branche muss in diese Richtung weitergehen und multifunktionale Räume mit halbprivater Nutzung anbieten. Dabei sind verschiedene Modelle denkbar. Eines davon ist, dass die Raumzelle im Eigentum des Hotels ist. Das Hotel bietet jedoch eine Sonderdienstleistung an für wiederkehrende, eingemietete Gäste, die die Räumlichkeiten als Ferienwohnung betrachten. So befinden sich dann bei Ankunft die privaten Gegenstände in der Raumzelle. Das ist der Service des Hotels, ebenso die Reinigung und Bewirtschaftung. Ein anderes Konzept könnte sein, dass der private Nutzer Teileigentümer der Raumzelle ist. Das Hotel würde auch hier die Serviceleistung – also individuelle Einrichtung, Reinigung und Bewirtschaftung – übernehmen und anteilsmässig von der Miete der Gäste profitieren. Ein weiterer Vorteil für Hotels liegt darin, dass bei privatem Eigentümer die Investitionskosten sinken – ähnlich wie beim Prinzip der Stockwerksleistung im Wohnungsbau. Ein weiteres Modell wiederum ist, dass das Hotel ein Teil des Grundstücks via Baurechtsvertrag zur Verfügung stellt. Der private Investor bebaut das Grundstück, investiert in die Raumzelle und schliesst mit dem Hotel eine Vereinbarung. Diese sieht vor, dass die Raumzelle bei Abwesenheit vom Hotel genutzt werden kann. Auch hier tritt das Hotel wieder als Dienstleister auf, was eine weitere Einnahmequelle darstellt.

Neue architektonische Konzepte – so wie die Multifunktionalität von Räumen – können in touristischen Regionen die Belegungseffizienz erhöhen und im integralen Sinn eine nachhaltige Nutzung des Wohnraums fördern. Eine private Nutzung, kombiniert mit der öffentlichen, kann die Regionen beleben und zugleich für Hotels eine neue Einnahmequelle darstellen. holzbau-schweiz.ch

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