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4/2017 Vorbilder

Menschen

NACH.GEFRAGT

In der Rubrik NACH.GEFRAGT sprechen Architekten über Inspiration, Ideen und Idole. In der ersten Ausgabe hat der Kanadier Michael Green das Wort. Seit Jahren engagiert sich Green für die Förderung von Holz – bei seinen eigenen Projekten, auf internationalen Bühnen oder im Rahmen von globalen Bildungsplattformen.

Text Sandra Depner | Foto MGA, Sandra Depner
Wenn Sie an Holz denken, welche drei Begriffe tauchen zuerst auf, Herr Green?

Als Erstes kommt mir der Fingerabdruck in den Sinn. Holz ist der Fingerabdruck von Mutter Natur. Als Zweites denke ich an Schneeflocken – so individuell wie jede Schneeflocke ist, so einzigartig ist auch Holz. Und zuletzt: Holz ist essenziell für den menschlichen Geist.

Stellen Sie sich vor, dem Holzbau wären kein Grenzen gesetzt – weder konstruktiv noch gesellschaftlich. Wie würde die Welt aus Ihrer Perspektive aussehen?

Wirklich keine Grenzen? Wenn das so ist, dann ist meine Vision, dass alle entstehenden Wohntürme heute in Holz realisiert werden. Ausserdem würde die Forstwirtschaft neu aufgerollt werden. Besonders in den Regionen der Welt, in denen nicht verantwortungsvoll mit unseren Ressourcen umgegangen wird. Und wir würden die Probleme des sozialen Wohnungsbaus ebenfalls in Holz lösen.

Welche Architekten oder welche Bauwerke inspirieren Sie?

Hermann Kaufmann. Er ist einer der besten Holzarchitekten der Welt, wenn nicht sogar der beste. Weil er technologisches Verständnis in das Material bringt, den Bau nachhaltig und energetisch leistungsfähig konzipiert und schlussendlich ein schönes Gebäude formt. Das sind doch die drei Aufgaben, die wir als Architekten haben, oder? Eine Struktur kompetent, nachhaltig und schön zu machen. Hermann Kaufmann ist einer meiner Helden.

 

 

Schweizer Holzarchitektur: Wer oder was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn?

Die Architekten werden meine Antwort nicht mögen: Ich denke zuerst an die traditionelle Alpinarchitektur. Ich verbringe viel Zeit beim Klettern und Wandern in der Schweiz. Die Bauweise ist traditionell, sie ist Zimmermannsarbeit, schön, hat logische Formen und das Holz ist den Elementen und der Natur ausgesetzt. Ich denke aber auch an die Holzbrücken in der Schweiz – ihre Tradition, die Geschichte und ihr wunderschönes Design. Ich glaube, die Schweiz kann das besser als jedes andere Land in der Welt. Die raue, alpine Umgebung braucht und bringt kluge Architekten hervor. Wie auch in Kanada: Wenn du in einem rauen Umfeld lebst, dann designst du anders.  

Kommen wir zu Ihren eigenen Projekten: Welches ist Ihr Liebling?

Meine Projekte sind wie Kinder für mich – da wählt man ja auch nicht seinen Liebling, oder? Es gibt Projekte, die ich liebe, die aber nie gebaut wurden. Wie zum Beispiel bei meiner neuesten Idee – eine Skulptur im Whistler Resort, Vancouver (CA). Das Konzept ist: Alte Ski, die im Keller landen, verwende ich für einen besonderen Raum. Wintersportler sollten mir ihre alten Ski schicken. Diese formen einen vier Meter hohen, offenen Zylinder, indem sie zugeschnitten und ringförmig angeordnet werden. Ich warte noch darauf, dass es finanziert wird. Ansonsten komme ich einfach in die Schweiz damit (lacht). Es hat so viele Skigebiete. Und es wäre ja nicht die erste Skulptur: Ich denke dabei an Hermann Blumer und den riesigen Skifahrer Edy von St. Moritz.

MichaelGreen Architectures

Michael Green ist Gründer des Architekturbüros MGA – Michael Green Architecture. Gemeinsam mit dem ebenfalls von ihm ins Leben gerufenen,
gemeinnützigen Designstudio «Design Build Research» arbeitet er mit seinem Team an zukunftsweisender Architektur. Green setzt sich für die
Förderung von Holz ein. Ein grosses Publikum erreichte er mit seinem Ted-Talk-Auftritt. Mehr als eine Million Menschen haben sich seinen Beitrag
bislang angeschaut, in welchem er dazu auffordert, die zukünftigen Wolkenkratzer aus Holz zu bauen. mg-architecture.ca

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