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Magazin FIRSTBauen und leben mit Holz – Das Fachmagazin von Holzbau Schweiz

4/2017 Vorbilder

Stand.punkt

Holzbau im öffentlichen Raum

Waldgesetz, Klimapolitik, Ressourcen: Der heimische Rohstoff Holz nimmt in der politischen und öffentlichen Wahrnehmung eine wichtige Rolle ein. Wer sich für das Bauen mit Schweizer Holz entscheidet, entscheidet sich nicht nur für nachhaltiges Bauen, sondern fördert die gesamte Wertschöpfungskette in der Schweiz.

Auf politischer Ebene bekennt sich der Bund mit dem Artikel 34b des neuen Waldgesetzes (WaG) zum Bauen mit Holz. Der Artikel besagt Folgendes: Wenn die öffentliche Hand baut, muss er eine Holzvariante prüfen. In diesem Bezug reden wir dann aber nur von Holz allgemein, nicht von der Herkunft des Holzes. Will das die Bauherrschaft beeinflussen und beispielsweise auf Schweizer Holz setzen, so können in der Ausschreibung entsprechende Anforderungen bezüglich Ökologie, grauer Energie und CO2-Bilanz gesetzt werden. Je stärker man diese Kriterien bewertet, umso grösser ist der Einfluss von nachhaltigem Baumaterial und somit auch von dessen Herkunft.

Wettbewerbsrechtlich ist es für öffentliche Bauten nicht möglich, explizit die Verwendung von Schweizer Holz auszuschreiben. Die Schweiz ist an die WTO-GATT-Vorschriften gebunden. Die Handelsverträge mit der EU geben vor, dass ab vereinbarten Grössenverhältnissen Ausschreibungen international und frei von Handelshemmnissen erfolgen müssen. Schweizer Holz hat einen Vorteil, wenn im Wettbewerb die Beurteilungskriterien auf umweltgerechtes Bauen fokussieren. Der Bund fördert nachhaltiges Bauen - allein schon durch das SNBS-Label, Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz, als ganzheitliche Gebäudezertifizierung, das das Bundesamt für Energie mit Partnern der Bauwirtschaft im Rahmen der Energiestrategie 2050 lancierte. Schluss-endlich geht es bei der Waldpolitik nicht nur darum, das Nutzungspotenzial von Schweizer Holz auszuschöpfen. Sie zielt darauf ab, Bio-diversität zu garantieren und die Umwelt unter dem Aspekt der Klimaveränderungen auf die Zukunft vorzubereiten. Dieser Bereich der Politik erfordert viel Weitsicht und langfristiges Denken, da es je nach Baumart etwa 100 Jahre braucht, bis der Wald, den wir heute pflanzen, seine Nutzfunktion erreicht.

RESSOURCEN NUTZEN

Auch ressourcenpolitisch ist das Bauen mit Holz ein zentraler Aspekt der öffentlichen Hand. Es geht um die Frage, wie wir die Ressource Holz kaskadenartig mit maximaler Wertschöpfung nutzen. Es geht darum, das nachwachsende Holzvolumen auszuschöpfen, die Waldfläche zu erhalten und bestmögliche Erntebedingungen für die Forstwirtschaft zu sichern. Und hier ist noch viel Luft nach oben. Wenn das Nutzungspotenzial ausgeschöpft werden soll, sollte der Bund vermehrt in das Bauen mit eigenem Holz investieren. Das grösste Absatzpotenzial liegt im Holzbau. Der Artikel 34a im Waldgesetz ist eine Legitimation des Bundes, in die Ressource Holz zu investieren. Somit können öffentliche Mittel den Absatz des heimischen Werkstoffs fördern. Im Rahmen der Klima- und Energiepolitik erweist sich die Ressource Holz als ein wertvoller Baustoff. Holzbau leistet einen hohen Beitrag, um die gesetzten Klima- und Energieziele zu erreichen. Zudem ist es nun auch möglich, das im verbauten Holz gespeicherte CO2 in die schweizerische CO2-Bilanz einfliessen zu lassen. Auf politischer Ebene gibt es viele Verankerungsprozesse, um mehr Holz in den Schweizer Bauprozess einzubringen. Jetzt müssen wir den Bund unterstützen, gezielt holzspezi-fische Kriterien in Architekturwettbewerben oder Ausschreibungsverfahren anzuwenden. Eine Massnahme ist der Leitfaden von Lignum "Ausschreibung von Bauten mit Schweizer Holz". Des Weiteren steht noch auf politischer Ebene die Frage im Raum, wie der Artikel 34b WaG umgesetzt werden soll - also wie das Reporting verlaufen soll, wenn der Bund trotz Prüfung keinen Holzbau für das Projekt wählt.

GLAUBWÜRDIG SEIN

Holzbau Schweiz begrüsst die vermehrte Nutzung von Schweizer Holz. Der Einsatz der heimischen Ressource setzt ein konsequentes Zeichen für nachhaltiges Handeln. Bauen mit Holz ist nachhaltig. Ja, aber wenn das Material immer aus dem Ausland bezogen wird, lässt das an der Nachhaltigkeit zweifeln - und schlussendlich auch an der Glaub-würdigkeit. Wir wollen einen Beitrag leisten, dass Schweizer Holz mehr zur Anwendung kommt. Das geht auf zwei Arten: Die eine ist, den Konsumenten, Planer und Entscheider im Rahmen von Marketing und Kommunikation zu sensibilisieren. Die andere ist, dass die wettbewerbsfähige Lieferbereitschaft von Schweizer Holz steigt. Hier geht es um die Frage, unter welchen Voraussetzungen Kapazitäten erhöht werden können. Es geht auch darum, die Produktion von Holzwerkstoffen in der Schweiz zu fördern. Es soll das Ziel sein, dass Schweizer Holz zu international wettbewerbsfähigen Kriterien angeboten wird.

DER HOLZBAUER ALS PARTNER

Die Bedeutung des Holzbaus wird sich erhöhen. Der Bund bekennt sich mit der Waldgesetzgebung und der Klima- und Energiepolitik zur Verwendung von Schweizer Holz im Bausektor. Nachhaltige Bausysteme gewinnen immer mehr am Markt. Der Holzbau erfüllt alle Rahmenbedingungen, die moderne Zertifizierungsverfahren und die politischen Zielsetzungen vorgeben. Es sind jedoch weiterhin Anstrengungen nötig - beispielsweise darin, dem Bund die entsprechende Hilfestellung zu geben, wie mit Holz gebaut werden kann. Es geht auch darum, die Bestellerkompetenz der Bauherrschaft zu fördern. Von der Planung bis zum Gebäuderückbau ist die Planer- und Holzbaubranche ein wichtiger Partner. holzbau-schweiz.ch

Bauen mit Schweizer Holz

Welche Möglichkeiten hat die Bauherrschaft, Schweizer Holz in seiner Anwendung zu fördern?
Der Leitfaden der Lignum «Ausschreibung von Bauten mit Schweizer Holz» gibt konkrete Hinweise.
Die Informationsschrift kann bei der Lignum bestellt oder als PDF von der Website heruntergeladen werden.
lignum.ch





Holzförderung (ART. 34 WaG)

Art. 34a Absatz und Verwertung von Holz
Der Bund fördert den Absatz und die Verwertung von nachhaltig produziertem Holz, insbesondere mittels der Unterstützung von innovativen Projekten.
Art. 34b Bauten und Anlagen des Bundes
1 Der Bund fördert bei der Planung, der Errichtung und dem Betrieb eigener Bauten und Anlagen soweit geeignet die Verwendung von nachhaltig produziertem Holz.
2 Bei der Beschaffung von Holz­erzeugnissen berücksichtigt er die nachhaltige und naturnahe Waldbewirtschaftung sowie das Ziel der Reduktion von Treibhausgasemissionen.

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