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4/2017 Vorbilder

BAU.WERK

Ein Kommunalbau mit Signalwirkung

Das Grossprojekt «Zukunft Kriens – Leben im Zentrum» will dem Dorfkern Kriens neues Leben einhauchen. Zehn Jahre Zukunftsplanung zeigen erste Früchte mit dem diesem realisierten Teilprojekt: dem Kommunalbau Eichenspes. In nur 14 Monaten stand das neue Gebäude mit Werkhof, Feuerwehr und Schülerhort.

Text Julia Antoniou | Bilder Hecht Holzbau

Ein multifunktionales Gebäude von 57 Metern Länge und 47 Metern Breite: Das Projekt Eichenspes hat Hecht Holzbau eine neue Dimension gelehrt. In 14 Monaten verarbeitete das Luzerner Unternehmen, das projektbezogen mit Bisang Holzbau zusammenspannte, 1347 Kubikmeter Schweizer Holz - was einem Würfel von 11?×?11?×?11 Metern entspricht, der über 600 Tonnen wiegt. Gemeinsam errichteten die beiden Innerschweizer Holzbaubetriebe das neue dreiteilige Kommunalgebäude der Gemeinde Kriens mit Werkhof, Feuerwehr und Schülerhort. Damit waren sie ein wichtiges Zahnrad im ehrgeizigen Vorhaben der Luzerner Vororts-gemeinde, die ihr Zentrum aufwerten will.

IMPULSE FÜR DAS DORFZENTRUM

Wenn ein Zustand als Provisorium vorgesehen ist, aber über Jahre andauert, spricht man scherzhaft von einem "Providurium". Genau ein solches existierte unlängst im Dorfkern von Kriens. In den alten Fabrikhallen an einer Busschleife hatten die Behörden vor rund 40 Jahren Feuerwehr und Werkhof untergebracht. Seit Längerem bestand eine unbefriedigende Situation im Herzen des Ortes - dort, wo eigentlich das Leben pulsieren sollte. Um ihrem Zentrum und dem Kultur- und Vereinsleben neue Impulse zu verleihen, initiierte die Luzerner Gemeinde deshalb vor zehn Jahren ein Grossprojekt, das eine hochkomplexe Planung mit vielen Abhängigkeiten mit sich brachte. Für das resultierende Impuls-programm bewilligten die Stimmbürger 2014 einen Kredit von 61 Millionen Franken. Inzwischen hat die Gemeinde bereits ein erstes Teilprojekt realisiert: das multifunktionale Kommunalgebäude im Eichenspes, 2016 fertiggestellt. Es ermöglicht die geplante Umnutzung des bestehenden Standorts als Jugend- und Kulturzentrum. Zusammen mit privaten Investoren wird Kriens in den nächsten Jahren genossenschaftliche Wohnungen auf dem Areal einer vormaligen Teigwaren-fabrik realisieren, einen neuen Gemeindesaal bauen und ein neues Wohn- und Geschäftshaus erstellen, in das auch die Gemeindeverwaltung einziehen wird.

Den Studienauftrag für den Kommunalbau führte Kriens mit fünf Architekturbüros durch. Gemäss der Vorgabe für alle Neu-bauten sollte das künftige Gebäude Minergie-Standard aufweisen und die gewünschten Funktionen erfüllen: also den Werkhof und das Feuerwehrgebäude mitsamt eigenen Werkräumlichkeiten umfassen. Die Idee, den Schülerhort zu integrieren, entstand erst im Rahmen des Bauprojekts. Sie ist auch im wortwörtlichen Sinn naheliegend, denn das Areal Eichenspes grenzt unmittelbar an eine Schulanlage.

 

 

Wenig Grundfläche, viel Grünraum

Zwei Vorschläge schafften es in die zweite Runde des Studienauftrages: ein Betonbau und der Holzbau von Masswerk Architekten, Luzern. "Wir entschlossen uns aus ökologischer Sicht für einen nachhaltigen Holzbau, wobei auch die kurze Bauzeit eine wichtige Rolle spielte", so Ronnie Stirnimann, projektverantwortlicher Architekt. Um die Möglichkeiten eines Holzbaus auszuloten, arbeiteten Masswerk Architekten bereits in der Wettbewerbsphase mit Pirmin Jung Ingenieure zusammen. Der funktional wie ästhetisch gelungene Entwurf der Luzerner basiert auf einer möglichst geringen Gebäudegrundfläche. "Uns war wichtig, grösstmögliche Aussenplätze als Grünräume, Arbeits- und Lagerflächen zu erhalten. Werkhof und Feuerwehr sollten über einen eigenständigen Vorplatz verfügen, der als erweiterte Halle individuell genutzt werden kann." Diese Grundidee findet in den bis zu sieben Meter auskragenden Vordächern Ausdruck, die als witterungsgeschützter Arbeitsraum dienen und gleichzeitig Funktionen des Lärmschutzes übernehmen. Das Projekt für den kompakten, energetisch optimierten Holzbau überzeugte die Jury der Krienser Baukommission; es gewann 2010 den Projektwettbewerb.

HERAUSFORDERUNG FALTDACH

Die Gemeinde honorierte auch den Vorschlag der Planer, bei der Ausschreibung Unternehmen zu berücksichtigen, die Schweizer Holz verarbeiten. Die errechneten Mehrkosten für die Verwendung von einheimischem Holz betrugen weniger als ein halbes Prozent des Baukredits von 16,75 Millionen Franken. Die Werkhallen im Eichenspes sind als tragende Holzkonstruktionen über einem Betonsockel konzipiert. Architektonisch spannend ist das Faltdach. Es wird von langen Holzbindern getragen, weshalb beide Fahrzeughallen ohne Stützen auskommen. Die Dachlösung verlangte besondere Aufmerksamkeit seitens der Holzbauingenieure und der ausführenden Holzbauunternehmen. "Die Statik des Faltdachs war eine Herausforderung", sagt Christoph Elsässer, der das Projekt seitens Pirmin Jung Ingenieure leitete. Auch die höheren Anforderungen eines Feuerwehrgebäudes an die Erdbebensicherheit verlangten umfangreiche Berechnungen und Abklärungen.

"Es reicht nicht, wenn Gebäude im Erdbebenfall stehen bleiben, sie müssen auch betriebsbereit sein", präzisiert der Fachmann des Unternehmens, das im In- und Ausland vorwiegend im mehrgeschossigen Holzbau tätig ist. Von der guten Werkstattplanung des Ingenieurbüros profitierte das Gebäude im Eichenspes. Die Holzbauingenieure zeichneten jedes der vorgefertigten Holzelemente dreidimensional vor - mit Berücksichtigung der elektrischen Leitungen, Bohrungen oder Steckdosen. "Das Krienser Kommunalgebäude war aufgrund seiner Grösse und Komplexität technisch und planerisch anspruchsvoll", bestätigt auch Daniel Schmid, Projektleiter und stellvertretender Geschäftsführer von Hecht Holzbau. Um es in der vereinbarten Zeit zu realisieren, ging das mittelgrosse Unternehmen aus Sursee eine Arbeitsgemeinschaft mit Bisang Holzbau, Küssnacht am Rigi, ein. Das Faltdach verlangte millimetergenaues Arbeiten, denn es galt, zu grossen Auflagedruck zu vermeiden und die Statik nicht zu gefährden. Die 4,40 Meter grossen Elemente in Fertigbauweise benötigten bei der Montage spezielle Massnahmen, da die Mitarbeitenden mit Geländer statt Auffangnetzen arbeiteten. Hecht Holzbau erstellte deshalb mit der Suva ein Sicherheitskonzept, um die Mitarbeitenden zu schützen und die Abläufe sicherzustellen. Auch die Logistik der Elemente in Übergrösse war aufwendig. Die Holzbauer mussten Sondertransporte mit Polizeibegleitung durchführen. Selbst die Aufrichte verlangte nach einer Etappierung.

DER DUFT VON TANNENHARZ

Wie Holzbauingenieure errechneten, wachsen die 1347 Kubikmeter Holz, die für das Projekt Eichenspes verbaut wurden, innerhalb von 45 Minuten in den Schweizer Wäldern nach - eine eindrückliche Zahl, die die Nachhaltigkeit des Baus belegt. Die Mitarbeitenden der Feuerwehr und des Werkhofs bezogen den Neubau im April 2016. Sie schätzen die Verkehrsflächen, die ganz ohne Stützen auskommen und viel Freiraum zum Manövrieren bieten. Und sie fühlen sich wohl in den holzig-heimeligen Räumlichkeiten, in denen es nicht nach frischer Farbe, sondern nach feinem Tannenharz riecht.

Zur Einweihung des formschönen Gebäudes durfte der Krienser Gemeindepräsident im September 2016 die Auszeichnung von Pro Holz Lignum Luzern entgegennehmen, der Dachorganisation der Luzerner Wald- und Holzwirtschaft. Das Kommunalgebäude verdient das Prädikat Herkunftszeichen Schweizer Holz, da 85 Prozent des verwendeten Holzes aus Schweizer Wäldern stammen. Schmid von Hecht Holzbau freut sich über die Auszeichnung von Pro Holz Lignum Luzern: "Sie bestätigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind." Das Unternehmen setzt seit jeher konsequent auf Schweizer Holz. Mit den rund 40 Mitarbeitenden ist es auf kleinere bis mittlere Bauten aus Holzbauelementen spezialisiert. Für das Projekt Eichenspes hat der Surseer Betrieb Holz von drei regionalen Anbietern bezogen. hecht-holzbau.ch, masswerk.com, pirminjung.ch

Das Projekt – die Fakten

Objekt: Feuerwehr- und Werkhofgebäude mit Schülerhort, Kriens (LU)
Fertigstellung: 2016
Bauherrschaft: Gemeinde Kriens
Architektur: Masswerk Architekten AG, Luzern
Holzbauingenieur: Pirmin Jung Ingenieure AG, Rain (LU)
Holzbau: Hecht Holzbau AG, Sursee (LU); Bisang Holzbau, Küssnacht am Rigi (SZ)
Baukosten: CHF 16,75 Millionen
Auszeichnung: Herkunftszeichen Schweizer Holz
Gebäudevolumen: 31000 m3
Verwendete Materialien: 1347 m3 Schweizer Holz; 2300 Weichfaserplatten aus Schweizer Holz; 10300 m3 OSB; 2700 m2 Gipsfaserplatten

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