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02/2021

Stand.punkt

«Der Holzbau könnte problemlos eine Million Kubikmeter Holz aus dem Schweizer Wald verbauen»

George Kuratle kennt den Holzhandel wie seine Westentasche. Im Jahr 1974 trat er in den väterlichen Holzhandelbetrieb ein, der sich über die Jahre zu einem internationalen Konzern entwickelt hat. Wir wollten von ihm wissen, wie es um das Schweizer Holz auf dem Markt steht. Und warum er ausgerechnet mit einem von seinem Unternehmen mitentwickelten Label eine wichtige Lücke schliessen könnte.

Text SD | Foto zVg


Kürzlich äusserten Sie in Ihrem firmeneigenen Magazin «Kuratle News» Kritik an der Schweizer Holzindustrie: «Die Bereitstellung von Holz aus dem Wald wird nicht vorangetrieben. Trotz Millionen von Franken (...) verzeichnet das Holzangebot aus dem Schweizerwald keine Zunahme.» Woran mangelt es?
Die Wertschöpfungskette Holz nimmt im Schweizer Wald ihren Anfang. In der weiteren Betrachtung werden oftmals einige Fakten vergessen oder nicht beim Namen genannt. Wer von Holzindustrie spricht, der meint ausschliesslich Sägereien. Denn es gibt in der Schweiz nur noch ein Spanplattenwerk, welches den Namen Industrie verdient. Einige grosse Sägereien schneiden das Stammholz ein und produzieren diverse Schnittholz-Sortimente. Bei der Veredlung, der Bearbeitung und der Produktion der für den Holzbau wichtigsten Produkte mangelt es zu 50 bis 100 Prozent an den entsprechenden Produktionskapazitäten. Sie müssen – ob wir wollen oder nicht – importiert werden.

Welche Möglichkeiten gibt es aus Ihrer Perspektive, um den Wertschöpfungskreislauf Schweizer Holz zu stärken?

Wenn wir die Holzernte im Schweizer Wald steigern möchten, dann brauchen wir Verarbeitungskapazitäten für die Herstellung von jenen Produkten, die in der Schweiz nicht oder zu wenig produziert werden.

Wie könnte das aussehen?

Der Holzwerkstoffhandel muss seine Zulieferer dazu anhalten, Holz aus dem Schweizer Wald oder von Schweizer Sägereien zu beziehen. Davon würde der Schweizer Wald profitieren. Und zwar schnell und professionell.

«Es fehlt an den Investitionen in die Hauptprodukte für den modernen Holzbau.»


Des Weiteren kritisieren Sie unangemessene Preise und die Lieferzeiten.

Das stimmt, und das jüngste Lignum-Communiqué bestätigt diese Situation. Trotz zunehmender Beliebtheit der Holzbauweise bei Bauherren kann der Wald an dieser positiven Entwicklung nicht partizipieren. Warum? Weil die bestehenden Sägereien und Produzenten von Halbfabrikaten keinen wesentlichen Mehrabsatz des Waldes generieren. Die Produktionsanlagen wurden zwar in grossem Umfang modernisiert, aber es fehlt an den Investitionen in die Hauptprodukte für den modernen Holzbau. Der Holzbau könnte problemlos innerhalb eines Jahres eine weitere Million Kubikmeter Holz aus dem Schweizer Wald verbauen. Die vorhandenen Anlagen sind aber zum grossen Teil ausgelastet. Wenn wir Holz aus dem Schweizer Wald nachfragen, heisst es bei der ersten Station der Wertschöpfungskette «leider nicht möglich».


«Produziert aus Schweizer Holz» ist ein Label, das Sie mitentwickelt haben und mit dem Sie Holzwerkstoffe kennzeichnen, deren Rohstoff aus dem Schweizer Wald stammt – die Weiterverarbeitung wie etwa das Verleimen aber auch im Ausland erfolgt sein könnte.
Ja, das haben wir an die Hand genommen. Wir bekommen von unseren Produzenten eine Mengenbilanz, wie viel Holz sie aus der Schweiz beziehen und wie viele Produkte mit einem Anteil von 66 bis 100 Prozent an Schweizer Holz an uns geliefert werden. Auf diese Weise können wir den Inlandkunden authentische Produkte aus der Schweiz anbieten. Dem Wald, den Sägereien und den Leimholzproduzenten in der Schweiz ist damit geholfen, und auch dem Produkt, das mit Schweizer Holz im nahegelegenen Ausland gefertigt wird. 

George Kuratle, Verwaltungsratspräsident und Eigentümer der Kuratle Group

Mit dem richtigen Gespür für den Markt entwickelte George Kuratle das 1955 von seinem Vater Alfred Kuratle gegründete regional tätige Familienunternehmen Kuratle AG Laufenburg zur Kuratle Group und damit zu einem der wichtigsten Player im Schweizer Holzwerkstoffmarkt. Das heute international ausgerichtete Handels- und Logistikunternehmen mit industrieller Vorfertigung zählt zu den Marktführern innerhalb der holzverarbeitenden Branche. Im Jahr 2010 expandierte die Unternehmung mit der HWZ International AG ins Ausland. Die Firmengruppe unterhält in der Schweiz 15 Standorte und beschäftigt rund 500 Mitarbeitende. kuratlegroup.com

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