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01/2022 Starker Auftritt

Menschen

«Die schönsten Bauwerke sind jene, die mit weitsicht geplant wurden»

In NACH.GEFRAGT kommen Architekten und Ingenieure zu Wort. Es dreht sich alles um Inspiration und Ideen – und ums Holz. Dieses Mal im Gespräch ist Pietro Brenni von Brenni Engineering aus Mendrisio (TI). Der Bauingenieur hat uns unter anderem verraten, was ihm bei (Holz-)Bauten wichtiger ist als spektakuläre Höhenrekorde.

Text Susanne Lieber | Foto zVg


Wenn Sie an Holz denken, welche drei Begriffe fallen Ihnen zuerst ein, Herr Brenni?
Nachhaltigkeit, Energieverbrauch, hoher Qualitätsstandard.

Stellen Sie sich vor, dem Holzbau wären keine Grenzen gesetzt – weder konstruktiv noch gesellschaftlich. Wie würde die Welt aus Ihrer Perspektive aussehen?

Zum Glück gibt es Grenzen! Physikalische und wirtschaftliche Einschränkungen, aber auch die begrenzte Verfügbarkeit von Ressourcen waren schon immer eine treibende Kraft für Innovationen.

Seit Millionen Jahren macht der Mensch Werkzeuge, Kunst- und Bauwerke aus Materialien, die uns die Natur zur Verfügung stellt. Wichtig ist es heute, zu realisieren, dass diese Ressourcen begrenzt sind. Und da das Bevölkerungswachstum enorm gestiegen ist, spielt der Umgang mit den Rohstoffen eine immer bedeutendere Rolle. Holz ist aufgrund seiner positiven Eigenschaften eine wichtige Ressource für den Menschen. Und es gilt, diese sorgfältig und zweckmässig zu nutzen.

Eine Schlagzeile über Höhenrekorde im Holzbau folgt der anderen. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Was für mich einen Holzbau auszeichnet, sind nicht Höhenrekorde, sondern die technischen Lösungen und eine nachhaltige Ressourcennutzung. Massgebend sind effiziente Trag­strukturen. Dabei spielen aber auch Ästhetik, Wirtschaftlichkeit und die Einbindung in die Umgebung eine wichtige Rolle.

Wer oder was inspiriert Sie?

Wir sollten alle Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, nutzen, um unsere Landschaft und unsere Gesellschaft in Einklang zu bringen.

Gebäude und Bauwerke begleiten uns lange – oft sogar über mehrere Generationen hinweg. Sie beeinflussen unsere Umgebung und unsere Lebensweise stark. Deshalb muss ihr Konzept durchdacht sein. Beim Bau einer Schule beispielsweise geht es nicht nur darum, ein Gebäude zu konzipieren, in dem unterrichtet wird. Es geht auch darum, durch den Bau, den Bauprozess und die verwendeten Materialien selbst etwas zu lernen.

Gelungene Bauten strahlen etwas aus, das Freude in uns weckt. Ein solches Gefühl zu erzeugen, sollte der Ansporn bei jedem Projekt sein. Und das gelingt, wenn Leute gemeinsam mit Neugier, Fleiss und Glück an ein Projekt rangehen.

Kommen wir zu Ihren eigenen Projekten: Welches ist Ihr Liebling?

In meiner Karriere habe ich das grosse Glück gehabt, an sehr verschiedenen Bauwerken beteiligt gewesen zu sein: an Brücken und Gebäuden für unterschiedliche Nutzungen, an Stütz- und Schutzbauwerken gegen Natur­gefahren und an manchem mehr. Für mich sind die schönsten Bauwerke jene, die mit Weitsicht geplant wurden und die Nutzer jeden Tag stolz und glücklich machen. Denn dann werden sie auch mit Liebe an die nächsten Generationen weitergegeben. 

Brenni Engineering SA

Das Ingenieur- und Beratungsunternehmen Brenni Engineering SA hat seinen Sitz in Mendrisio, Tessin. Gegründet wurde es im Jahr 2006 von Pietro Brenni. Das Unternehmen bietet umfassende Beratungsdienstleistungen im Bereich Technik und Wissenschaft an. Die Design- und Ingenieurleistungen umfassen die Themen Bauinge­nieurwesen und Hochbau. Darüber hinaus bietet Brenni Engineering SA Unterstützung in den Bereichen Geotechnik und Umwelt an.
linkedin.com/company/brenni-engineering

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