Verband Schweizer Holzbau-UnternehmungenHolz macht stolz - Das Portal der Schweizer Holzbaubranche
Magazin FIRST

Bauen und leben mit Holz – Das Fachmagazin von Holzbau Schweiz

02/2021

Stand.punkt

«Die Trümpfe, die holz im kontext der nachhaltigkeit hat, gilt es auszuspielen»

Die Schweizer Holz- und Waldbranche ist divers. Es ist die Lignum, die versucht, die Interessen einzelner Branchenverbände zu bündeln. Wie steht es um das Schweizer Holz? Lignum-Direktorin Sandra Burlet sieht die grössten Chancen für den Holzbaumarkt im Zusammenspiel aus einer gestärkten regionalen Wertschöpfung und einer offenen, globalen Marktwirtschaft.

Text SD | Foto André Springer


Die Lignum vereint als Dachorganisation die Trägerverbände der Schweizer Wald- und Holzbranche. Was bewegt die Branche im Moment, Frau Burlet?
Aktuell ist die Verfügbarkeit von Holz ein brennendes Thema – in der Schweiz und darüber hinaus. Die Lignum arbeitet in ihrer Kommunikation darauf hin, das Vertrauen in die Holzbauweise nicht nur in ihrer technischen Leistungsfähigkeit, sondern auch mit Blick auf die eingetretene Sondersituation zu erhalten und zu festigen. Aktuell verbreiten wir die Informationsschrift «Was kostet ein Holzbau?». Sie zeigt auf, dass der Holzbau nicht nur ökologischer Leader ist, sondern auch ökonomisch mit dem Massivbau mithalten kann.

Wie bewerten Sie die lokale Wertschöpfung in der Wald- und Holzbranche? Und was ist Ihre Vision?

Gerade die gegenwärtige Situation bringt die Vorteile von funktionierenden lokalen Wertschöpfungsketten in einer globalisierten Welt zutage. Holz als nachwachsender, nachhaltiger, in der Schweiz vorhandener Rohstoff hat ausserordentlich gute Karten. In der Schweiz gefertigte Produkte erweisen sich auch als durchaus konkurrenzfähig. Insbesondere für öffentliche Bauherrschaften, die sich nun auf das neue Vergaberecht verlassen können, ist die anspruchsvolle Marktsituation eine Chance, ihr Engagement beim Bauen mit Holz gleich in mehrfacher Hinsicht zu zeigen. Wir befinden und bewegen uns aber auch in einer globalisierten Welt, wo Handel, Import und Export für das Funktionieren der Wirtschaft nicht mehr wegzudenken sind. Dies trifft auch auf Holz zu. Meine Vision ist diejenige einer starken inländischen Wertschöpfungskette, die aber offene Grenzen bejaht und bei der sich inländische Wertschöpfung und grenzüberschreitender Güterverkehr gegenseitig ergänzen.

Welchen Beitrag leistet die Lignum, um den Einsatz von Schweizer Holz zu erhöhen?

Die Lignum setzt sich als Dachorganisation der Schweizer Holzkette zuallererst generell für den Einsatz von Holz am und im Bau ein. Holz aus den hiesigen Wäldern, aber auch solches aus anderen Ländern mit nachhaltiger Waldwirtschaft, bietet zahlreiche und grosse Vorteile gegenüber anderen Bau-
materialien – namentlich mit Blick auf die Nachhaltigkeit. Dann ist Lignum aber auch Inhaberin der Marke Schweizer Holz. Mit Marketing, Informationen, Unterlagen und Hilfsmaterialien unterstützt die Lignum die Positionierung von Schweizer Holz im Markt. Dies über die gesamte Kette, also vom Wald über die holzverarbeitende Industrie bis hin zum Bau- und Ausbaugewerbe.

«Der vermehrte Einsatz von Holz erlaubt, CO2-Emissionen im grossen Stil einzusparen.»


Verfügbarkeit und Preis – das sind die häufigsten Begründungen dafür, wenn nicht mit Schweizer Holz gebaut wird. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Schweizer Holz da, die Ressource auch. Dennoch liegt der Ressourcenverbrauch deutlich über der holzverarbeitenden Inlandproduktion. Wo könnte man ansetzen, um den Anteil inländischer Produktion zu erhöhen?

Aus meiner Sicht hat die gesamte Holzkette ein grosses Interesse an einer starken inländischen Industrie. Sie ist wichtig, wenn wir die Trümpfe der inländischen und regionalen Wertschöpfungskette voll ausspielen und uns gewisse Sicherheiten in der globalisierten Welt erhalten wollen. Aber auch die Holzkette lebt und wirtschaftet in globalen Märkten; auch sie nutzt und braucht den grenzübergreifenden Warenfluss. Wir brauchen deshalb ein System, das auf beide Pfeiler setzt. Das bedarf eines engen Miteinanders. Die Lignum als Dachorganisation der gesamten Holzkette kann und soll hier die dazu nötige Klammerfunktion übernehmen und ausfüllen. 

Sandra Burlet, Direktorin der Lignum

Die Lignum ist die Dachorganisation der Schweizer Wald- und Holzbranche. Seit August 2020 steht Sandra Burlet der Lignum als Direktorin vor. Nach ihrem Studium in Wirtschafts- sowie in Staatswissenschaften und internationalen Beziehungen wirkte sie zunächst beim Hauseigentümerverband Schweiz und wechselte 2010 als Leiterin Kommunikation und Projekte zu Bauenschweiz. lignum.ch

Magazin Wir HOLZBAUER

Das Mitglieder- und Verbandsmagazin von Holzbau Schweiz