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3/2022 Zeitgemäss

Stil.Form

Die Zeit im Blick

Anlässlich der Tour de France 2022 entwarf der Schweizer Architekt und Designer Fabien Roy die temporäre Holzinstallation «Ephemeral Ring». Ein künstlerischer Brückenschlag zwischen Radsport, Uhrmacherhandwerk und Holzwirtschaft.

Text Susanne Lieber | Fotos Karim Boulaz und Fabien Roy

Insgesamt 3350 Kilometer war sie dieses Jahr lang – die Route der 109. Tour de France. Sie führte dabei über 21 Etappen durch vier Länder: Frankreich, Belgien, Dänemark und die Schweiz. In der achten Etappe (186,3 km von Dole nach Lausanne) ging es für die Velosportler auch in den Schweizer Jura, unter anderem ins Hochtal Vallée de Joux im Kanton Waadt. Die Region ist vor allem bekannt für ihr exklusives Uhrmacherhandwerk. Hier haben Luxusmarken wie Audemars Piguet, Blancpain, Breguet und Jaeger-
LeCoultre ihren Sitz.

Um auf die Region und ihr handwerkliches Erbe aufmerksam zu machen, hat sich das Fremdenverkehrsamt im Rahmen der Tour de France etwas Besonderes einfallen lassen: Es beauftragte den Schweizer Architekten und Designer Fabien Roy, eine Installation zu entwerfen, die dieses Kulturgut eindrucksvoll repräsentiert. So entstand die hölzerne In­stallation «Ephemeral Ring». Von oben betrachtet, stellt sie ein riesiges Ziffernblatt dar. Als im Juli das Peloton am runden Konstrukt vorbeifuhr – wie so oft aus der Luft gefilmt – erschloss sich das grosse Rund aus der Vogelperspektive sofort als das, was es ist. Die Form ist plakativ und schlägt zugleich einen Bogen zum Rad.


Wiederverwendung des Holzes

Für die temporäre Installation wurden 5000 laufende Meter Fichtenplatten (50 × 60 mm) verbaut, was etwa 20 Kubikmetern Holz entspricht. Mit 50 Metern im Durchmesser und 4 Metern Höhe sind die Dimensionen des Holz­objekts beachtlich. Entsprechend kommt einiges an Material zusammen. Das Schöne hierbei: Das Holz stammt aus einem Wald, nur zwei Kilometer entfernt. Auch die Forst- und Holzwirtschaft bildet im Vallée de Joux einen wichtigen Wirtschaftszweig.

Bei seinem Entwurf war Fabien Roy eines besonders wichtig: Das Material sollte nach dem Abbau der Installation sinnvoll weitergenutzt werden können. Und so finden nun alle Holzlatten und Schrauben anderweitig Verwendung – ein ortsansässiger Holzbaubetrieb wird sie für Holzfassaden und hinterlüftete Dachunterkonstruktionen nutzen.

Die begehbare Installation – sie wurde am 18. Juli wieder abgebaut – bildete gleichzeitig auch eine Ausstellungsfläche. Es wurden Bilder des lokalen Illustrators und Karikaturisten Jaques Vallotton gezeigt.

Fabien Roy

Der Schweizer Architekt und Designer (38), geboren im Jura, studierte an der Hochschule für angewandte Wissenschaften und Künste in Freiburg sowie an der ECAL in Lausanne. Nachdem er zehn Jahre als Architekt tätig war, gründete er sein eigenes Studio für Innen­architektur und Produktdesign. In diesem Jahr lancierte er zudem das Label Risou, das Möbel und Accessoires aus Fichtenholz fertigt, welches aus dem Vallée de Joux stammt. http://www.fabienroy.comfabienroy.com, risou-project.ch


Das Projekt – die Fakten

Objekt: temporäre Holzinstallation
Standort: Vallée de Joux (VD)
Auftraggeber: Vallée de Joux Tourisme,
Le Sentier (VD)
Fertigstellung: 2022
Architektur: Fabien Roy Studio, Croy (VD)
Holzbau: Etienne Berney SA, Le Brassus (VD)
Holz: Schweizer Fichte (aus umliegendem Wald)
Holzmenge: 20 m3 bzw. 5000 laufende Meter
Holzlatten (50 mm × 60 mm)

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