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Bauen und leben mit Holz – Das Fachmagazin von Holzbau Schweiz

02/2021

Stand.punkt

«Einzelinteressen müssen einem neuen Ganzen hintenanstehen»

Der Holzbau boom weltweit. Die Auftragsbücher sind voll. Auch das Interesse nach Schweizer Holz nimmt immer mehr zu. Doch noch könne der Bedarf nicht gedeckt werden, so Hansjörg Steiner, Holzbauunternehmer und Zentralpräsident von Holzbau Schweiz. Ein Gespräch über Fehler in der Matrix und unkonventionelle Lösungen.

Text SD | Foto Holzbau Schweiz


Herr Steiner, was beschäftigt den Schweizer Holzbau aktuell?
Meiner Ansicht nach gibt es drei Schwerpunkte: Dazu gehört der aktuell verteuerte Einkauf von Holzprodukten. Zudem erschweren oder bestimmen die massiv längeren Lieferfristen die Arbeit. Aus Umfragen bei den Mitgliedern von Holzbau Schweiz wissen wir, dass die Holzbauer grösstenteils gut ausgelastet sind. Deshalb – und aufgrund des nach wie vor erfreulichen Wachstums der gesamten Holzbaubranche – stellt uns der Fachkräftemangel auf allen Stufen vor Herausforderungen. Zu den weiteren Themen gehören der Gesamtarbeitsvertrag sowie Weiterentwicklungen im Bereich der Bildung.

«Von den zehn wichtigsten Halbfabrikaten werden

etwa 70 Prozent importiert.»


Es gab eine Branchenbefragung zum Import von Holzprodukten. Können Sie die Erkenntnisse zusammenfassen?

Die interne Befragung zeigte, dass von den zehn wichtigsten Halbfabrikaten, die wir Holzbauer benötigen, etwa 70 Prozent importiert werden. Einige Unternehmer haben sich nach dem Ausfüllen der Erhebung bei mir gemeldet und gesagt, sie seien überrascht, wie wenig Schweizer Holz in ihrem Betrieb verarbeitet wird. Mir ist es genauso ergangen.

Warum wird trotz steigenden Kundeninteresses noch verhältnismässig wenig Schweizer Holz verbaut?

Die Qualität des Holzes ist sicher kein Thema. Verbaut wird vor allem nicht sichtbares Holz oder Holz in Industriequalität. Zentral sind der Preisunterschied und die Verfügbarkeit.

Was meinen Sie mit Verfügbarkeit?
Der Schweizer Holzhandel hat eine rasche Verfügbarkeit an Halbfabriken über seine Bezugsquellen im Ausland. Werden aber grosse Mengen Schweizer Holz nachgefragt, können diese hierzulande gar nicht in nützlicher Frist produziert werden.

Warum nicht?

Weil die Holzindustrie kurz- und mittelfristig nicht über die nötigen Kapazitäten verfügt.

Wie liesse sich dieses Problem Ihrer Ansicht nach lösen?

Langfristig könnte die Nachfrage nach industriell gefertigten Schweizer Holzprodukten mit erweiterten hiesigen Industrien gedeckt werden. Bis dahin braucht es aber Alternativen. Ein Ansatz ist, dass in der Schweiz geschlagenes und gesägtes Holz zu Halbfabrikat-Produzenten ins Ausland geliefert und als Schweizer Holz wieder zurückgeführt wird.

Dieses Vorgehen entspricht aber nicht dem Label «Schweizer Holz».

Nein. Das Label «Schweizer Holz» ist strenger als die Swissness-Gesetzgebung. Allfällige Anpassungen im Reglement werden aktuell innerhalb der Wertschöpfungskette Schweizer Holz diskutiert.

Kommen wir noch auf das Thema Preisunterschied zu sprechen.

Ein massiver Preisunterschied zeigt sich vor allem beim Brettsperrholz und bei den Dreischichtplatten. Mit den für Schweizer Holz geforderten Preisen sind wir Holzbauer schlicht nicht konkurrenzfähig.

Wie bewerten Sie die lokale Wertschöpfung in der Wald- und Holzbranche?

Die lokale Wertschöpfungskette ist wichtig und bei einzelnen, kleineren Projekten eine gute Lösung. Sie hat aber bei den heute oft grossen Holzbauprojekten ihre Grenzen.

Ist der Einsatz von mehr Schweizer Holz demnach reines Wunschdenken?

Natürlich nicht. Holzbau Schweiz fördert das Bauen mit Schweizer Holz nicht umsonst. Das Ziel erreichen wir jedoch nur, wenn die gesamte Wertschöpfungskette Schweizer Holz mutig und offen ist. Einzelinteressen müssen einem neuen Ganzen hintenanstehen.

Hansjörg Steiner, Präsident Holzbau Schweiz

Seit 2019 ist Hansjörg Steiner Zentralpräsident von Holzbau Schweiz und bereits seit 2007 Mitglied der Zentralleitung des Verbands mit Sitz in Zürich. Der Unternehmer und Holzbaumeister gründete 2003 die Schäfer Holzbautechnik AG mit Sitz in Aarau und Dottikon (AG).
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