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Bauen und leben mit Holz – Das Fachmagazin von Holzbau Schweiz

04/2021 Hin und weg

Stand.punkt

«Es braucht Menschen, die Leuchtturmprojekte entwickeln»

Ende September wurden die Siegerprojekte des Prix Lignum 2021 geehrt. Bei der fünften Ausgabe des Wettbewerbs wurden über 530 Projekte ein­gereicht – ein Rekord. Der Verband Holzbau Schweiz zählt zur Trägerschaft des Wettbewerbs, der zu einem wichtigen Instrument für die Holzbaubranche geworden ist, um den natürlichen Baustoff weiter auf dem Markt zu etablieren. Ein Gespräch mit Hansjörg Steiner, Präsident von Holzbau Schweiz, über den Stellenwert von Holz, Leuchtturmprojekte im Holzbau und die «Brotbäume» des Waldes.

Interview Susanne Lieber | Foto Holzbau Schweiz

Herr Steiner, was fasziniert Sie persönlich an Holz besonders?
Das Naturmaterial hat viele Vorteile, und zwar auf ganz verschiedenen Ebenen: Es speichert CO2, brennt nur relativ langsam, braucht wenig Energie in der Verarbeitung, ist farbig vielfältig und kann hart, weich und sogar biegbar sein. Holz veredelt, trägt, stützt und schützt vor Wind und Wetter.

Der Verband Holzbau Schweiz ist Träger des Prix Lignum. Welche Ziele verfolgt der Verband mit dieser Trägerschaft?

Wir möchten einen Beitrag zur Förderung des Bauens mit Holz leisten und auf die Gestaltungsmöglichkeiten mit dem natürlichen Baustoff aufmerksam machen. Die mehr als 500 Projekte, die dieses Jahr zum Prix Lignum eingereicht wurden, lassen keinen Zweifel daran: Holz ist mittlerweile weit mehr als einfach nur ein «heimeliger» Baustoff.

Welchen Stellenwert hat der Prix Lignum aus Ihrer Sicht für die Holzbaubranche?

Es gilt die Tradition der Holzbauweise, die sich in der Schweiz über viele Jahrhunderte bewährt hat, innovativ voranzubringen. Dafür braucht es Menschen, die Leuchtturmprojekte entwickeln, die «glutschtig» machen, mit Holz zu bauen. Der Prix Lignum würdigt genau diese vorbildliche Rolle. Das macht den Preis zu einem wertvollen Instrument. Denn die hervorragenden Beiträge senden ein Signal an die ganze Immobilienwirtschaft, zeigen gangbare Wege auf und tragen dazu bei, dass mehr mit Holz gebaut wird. Es geht also darum, dass wir in Zukunft Holz als das zentrale Konstruktionsmaterial verstehen. Und es geht um einen Kulturwandel im Bauwesen. Wir Holzbauer wollen diesen bewusst mitgestalten. Denn Holz bietet alles, was es braucht, um die Baubranche nachhaltig zum Besseren zu verändern.

Und wie kann es in der Schweiz konkret gelingen, die Baubranche nachhaltiger zu gestalten?

Insbesondere, wenn wir die hierzulande gesetzten Klimaziele erreichen wollen, muss mehr mit Holz gebaut werden. Zusätzlich zur CO2-Speicherung können durch die Holznutzung endliche Energieträger wie Öl, Gas oder Kohle ersetzt werden. Auch die Substitu­tionseffekte der Holznutzung verdeutlichen, warum es aus Klimaschutzgründen nötig ist, Wälder nachhaltig zu bewirtschaften und den nachwachsenden Rohstoff Holz richtig zu nutzen. Gleichwohl wird es kaum möglich sein, alle benötigten Holzhalbfabrikate in der Schweiz herzustellen. Wir brauchen die Unterstützung aus dem Ausland. Aber nicht, weil der Einkauf von Produkten aus dem Ausland möglicherweise billiger ist – es geht schlicht und einfach um Verfügbarkeit.


Haben Sie persönlich eine Vorliebe für eine bestimmte Baumart?

Als Jäger bin ich sehr oft im Wald. Ich schätze die Vielfalt der Bäume, die gepflanzt werden. Ich habe Freude, wenn sich wieder eine Vogelart, ein Beutetier oder ein Raubtier bei uns ansiedelt. Als Holzbauer sind mir aber auch unsere «Brotbäume», Tanne und Fichte, sehr wichtig. Der Wald darf auch Nutzwald sein – nicht zuletzt, damit Schweizer Holz verbaut werden kann. Wichtig scheint mir schliesslich die Bioökonomie, die Forschung und Entwicklung: Von dort kommen die Innovationen, die neuen Produkte aus anderen Baumarten.


Hansjörg Steiner, Präsident Holzbau Schweiz

Bereits seit 2007 ist Hansjörg Steiner Mitglied der Zentralleitung des Verbands Holzbau Schweiz mit Sitz in Zürich. Seit 2019 ist er zudem Zentralpräsident. Der Unternehmer und Holzbaumeister gründete 2003 die Schäfer Holzbautechnik AG mit Sitz in Aarau und Dottikon (AG).
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