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Bauen und leben mit Holz – Das Fachmagazin von Holzbau Schweiz

01/2020

Stand.punkt

Koordinierte Erneuerung des Gebäudeparks

Im Gebäudepark steckt gesellschaftliches und wirtschaftliches Kapital. Zugleich verursachen Gebäude und Infrastruktur 40 Prozent der Treibhausgase sowie einen wesentlichen Anteil des Energieverbrauchs. Im Gebäudepark 2020 steht ein Prozent Neubauten 99 Prozent Bestand gegenüber. Wie können Bestandsbauten so erneuert werden, dass sie dem Klimaziel 2050 entsprechen? Diese Frage wurde an der diesjährigen Swissbau auf der Focus-Veranstaltung «Koordinierte Erneuerung des Gebäudeparks» diskutiert. Einschätzungen u?ber die Rolle des Holzbaus lieferte Hansjörg Steiner, Präsident von Holzbau Schweiz.

Ganz grundsätzlich gefragt: Wo und wie wird Holz in der Erneuerung von Bestandsbauten eingesetzt, Herr Steiner?
Es gibt keine Grenzen. Holz kann überall eingesetzt werden: als Stütze und Träger im Primärtragwerk, bei Aussen- und Innenwänden inklusive Fenster oder Decken mit fertiger Oberfläche, beim Innenausbau für Verkleidungen, Böden, Küchen, Treppen beim Geländer …

Wo sehen Sie das Potenzial des Holzbaus, einen signifikanten Beitrag zur Erreichung der CO2-Ziele in der Sanierung zu leisten?
Jedes verbaute Stück Holz leistet einen Beitrag. Holz entzieht der Atmosphäre Kohlenstoffdioxid und lagert verbaut circa 1400 Kilogramm CO2 pro Kubikmeter ein. Hingegen werden bei der Produktion einer Tonne Beton zwischen 600 und 1000 Kilogramm CO2 ausgestossen, bei Stahl sind es zwischen 1000 und 1700 Kilogramm. Weitere Vorteile von Holz sind beispielsweise das geringe Gewicht sowie der trockene Einbau, wodurch sich die Dauer der Sanierung verkürzt. Kurz: Sanierungen mit Holz sind vielfach energiegünstig.
 
«Ein Holzbau ist zu teuer», so lautete ein kritischer Publikumsbeitrag an der Swissbau bei der Podiumsdiskussion. Es handelt sich um einen häufigen Einwand gegen Holzbau. Was ist dran an diesem Vorbehalt?
Die reinen Baukosten dürfen mit Blick auf den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes nicht relevant sein. Ein Massivbau mit einer fossilen Aussendämmung ist sicher billiger, wenn es um die reinen Erstellungskosten geht. Holzbauten aber sind günstiger, wenn man die graue Energie – also den Energieeinsatz aller angewandten Produktionsprozesse – mit einberechnet. Diese Nachhaltigkeit sollte heute eigentlich für alle Bauherrschaften einen hohen Stellenwert haben.

Neben der Kostenfrage ist die Verfügbarkeit von Schweizer Holz ein weiterer Faktor. Sind wir schon am Ziel der Verfügbarkeit angelangt?

Wir nutzen die Menge des nachwachsenden Holzes in der Schweiz nicht aus. Das Holznutzungspotenzial beträgt 8,2 Mio. Kubikmeter pro Jahr, geerntet werden aber durchschnittlich nur fünf bis sechs Millionen Kubikmeter. Bei Halbfabrikaten besteht ein Engpass von in der Schweiz geerntetem und verarbeitetem Holz. Einige Produkte werden in der Schweiz gar nicht mehr hergestellt. Da haben wir innerhalb der gesamten Holzkette Potenzial.
 
Die Erneuerungsrate liegt bei einem Prozent. Zu wenig, dass der Gebäudebestand 2050 das Ziel einer Netto-Null-Emission erfüllen könnte. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für die Stagnation?

Im Gegensatz zum Neubau ist Sanieren aufwendiger in der Planung, im Bewilligungsverfahren sowie beim Berechnen der Kosten. Hier kann etwa die Politik mithelfen. Beispielsweise mit zügigeren Prozessen bei den Bewilligungen, Fördergeldern und in der Aufklärung, warum Sanieren Sinn ergibt. Greifen diese Massnahmen, wird meines Erachtens die Erneuerungsrate in den nächsten Jahren steigen.

Hansjörg Steiner

Hansjörg Steiner ist seit 2019 Zentralpräsident von Holzbau Schweiz, zuvor hatte er ab 2012 das Amt des Vizepräsidenten inne. Er ist diplomierter Zimmermeister, Gru?nder und Mitinhaber der Schäfer Holzbautechnik AG und seit 2003 CEO und Delegierter des Verwaltungsrats.
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