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03-2019 Zuhause

Wohn.kultur

Rundlauf im Polygon

Traumvilla im Rheintal: Auf der dreieckigen Parzelle schafft der zweigeschossige Holzelementbau einen privaten Rückzugsort, der sich auf den Innenhof konzentriert. Viele der Räume sind so angeordnet, dass sich der Nutzer wie in einem Rundlauf durch das Gebäude bewegen kann.

Text Sandra Depner | Fotos und Pläne Alpiger Holzbau AG

 

«Von der Planung bis zum Einzug der Familie vergingen etwa zwei Jahre», erläutert Ibazer Kuljici. Das ist doppelt so lange, wie die Alpiger Holzbau AG üblicherweise für ein Einfamilienhaus veranschlagt. Die Villa im Rheintal ist alles andere als ein normales Einfamilienhaus: «Allein schon das Bauvolumen mit 4500 Kubikmeter ist nicht zu vergleichen. Die Bruttogeschossfläche liegt bei etwa 1200 Quadratmetern», ergänzt der Architekt. Kuljici verantwortet beim Holzbauunternehmen aus Sennwald (SG) die Sparten Architektur und Baumanagement.

Nicht nur das Volumen habe relativ viel Bauzeit verursacht. «In der Villa ist alles verbaut, was man nach dem heutigen Stand der Technik so haben kann», so Elias Büchel, Holzbautechniker bei der Alpiger Holzbau AG. «Das Licht, die Musikanlage, die Videoüberwachung, die Alarmanlage und sogar das Gas-Cheminée steuert die Bauherrschaft über das Handy.» Einigen Aufwand bedeutete auch das Fundament des zweigeschossigen Holzrahmenbaus. «Grund dafür war, dass eine Grundwasserabsenkung notwendig war. Deshalb musste zunächst gepfählt und abgedichtet werden, bis das Fundament betoniert werden konnte. Das dauerte etwa vier Monate.»

Zuvor stand auf der Parzelle ein Einfamilienhaus aus den 1950er Jahren. Eine Sanierung sei nicht interessant gewesen. «Der Wunsch des Bauherren war, seine Traumvilla zu bauen», erklärt Architekt Kuljici. Im Mai 2019 ging dieser mit der Übergabe in Erfüllung. Realisiert wurde eine weitläufige Wohnlandschaft mit Pool, Dampfbad, Trainingsraum, Schiessstand im Untergeschoss, einem Herrenraum und einem Bereich für Gäste, einer Einliegerwohnung für den Sohn mit separatem Eingang, mit Glas überdachte Terrassen sowie einer idyllischen Feuerstelle und – unbezahlbar: mit Blick ins Grüne auf die angrenzende Landwirtschaftszone.

Das Gebäude entspricht dem Minergie-Standard (nicht zertifiziert). Fundament, Untergeschoss und Garagenwände sind in Massivbauweise erstellt. Die Decke besteht aus einer Massivholz-Balkenlage und das Parkett sowie der Innenausbau und auch die massgefertigten Schreinermöbel sind aus Eichenholz gearbeitet. Sogar der Aufzugschacht ist in Holz gebaut. Entkoppelt von der übrigen Tragstruktur, fährt er hinauf und hinunter, ohne die Bewegungen in das Haus weiterzuleiten.

Wärme liefert eine Erdsonde, Energie die Photovoltaikanlage. Zwei Batteriespeicher sichern die Energieversorgung für einige Zeit ohne Sonne. Die Haustechnik ist komplex und aufwändig, wie Architekt Kuljici erläutert: «Wir haben zwei Heizungen eingebaut – eine hätte nicht genügt. Es waren sechs Erdsondenbohrungen nötig. Eine Anlage dieser Grösse bauen wir sonst bei Mehrfamilienhäusern ein. Der Kellerraum umfasst so viel Technik, so dass wir schliesslich dafür auch eine Kühlung einplanen mussten.»

Holz, Stein und Wasser

Stein, Holz und Wasser sind die grundlegenden architektonischen Gestaltungselemente, die den Neubau kennzeichnen. Stein – aussen an der Mauer und der Fassade, innen an den Wänden –, weil das vorherige Haus der Bauherrenfamilie aus Stein gebaut war. Wasser, weil der Bauherr ein leidenschaftlicher Taucher ist. Das Element findet sich in einem plätschernden Brunnen im repräsentativen, sechseinhalb Meter hohen Eingangsbereich, im Pool und beim Bächlein im Aussenbereich wieder. Und schliesslich Holz, in der Konstruktion und im Innenausbau mit Eiche, weil ein Holzbau deutlich schneller und genauer in der Vorfabrikation zu realisieren war als ein massives Bauwerk. Die Parzelle formt ein Dreieck. An der Spitze befindet sich der Haupteingang. Entlang der vorbeiführenden Feldwege wahren verschiedene Aspekte die Privatsphäre: ein hoher Zaun sowie geschlossene, massive Materialien an der Fassade: ein Band aus Steinziegeln, umfasst von einer hinterlüfteten, vorgehängten Fassade aus Kunstharzplatten. Man habe bei der Planung im Betrieb der Alpiger Holzbau AG intensiv darüber diskutiert, ob die Fassade aus Holz oder einem Holzimitat gefertigt werden sollte. Die Wahl fiel auf Kunstharz, so Architekt Kuljici, da eine solche Platte immer ihre Erscheinung behalte. Bei Holz sei das nicht der Fall. Und die typische Vergrauung einer Holzfassade sei auch eine Geschmacksfrage. «Ausserdem ist der Bauherr viel unterwegs. Ihm war es wichtig, so wenig wie nötig mit dem Unterhalt des Hauses zu tun zu haben. Diese Fassade stellt also einen Kompromiss dar: Wir haben die Holzstruktur auf der einen Seite. Und eine Fassade, die so bleibt, wie sie heute ist.»


Im Zentrum steht der Innenhof

Gegen innen öffnet sich das Haus: «Der Innenhof ist das zentrale Element des Hauses. Aufgrund des Grundrisses und der vollflächigen Verglasung sind von den meisten Zimmern aus Sichtbezüge gegeben», erklärt Architekt Kuljici. Der Grundriss ist so gestaltet, dass zwischen den Räumen ein Rundlauf möglich ist. In beiden Stockwerken hat der Architekt die Verbindung der Räume so konzipiert, dass der Nutzer nicht in einer Sackgasse landet. So auch bei der Einliegerwohnung des Sohnes im Obergeschoss, die über ein Badezimmer, einen Wohn- und Essbereich sowie ein Schlafzimmer verfügt. Grundsätzlich weisen die Räume für ein Wohngebäude vergleichsweise grosse Spannweiten von bis zu acht Metern auf. Da, wo ein Holzträger im Raum nötig war, ist er versteckt oder als Holzmöbel in Form eines Regals nutzbar gemacht.

Bei der Konzeption des Grundrisses stand von Anfang an fest, dass er so gut wie möglich die Fläche auf der dreieckigen Parzelle nutzen sollte. Es war auch der Grundriss, der Holzbautechniker Büchel vor eine Herausforderung stellte, wenn auch aus anderen Gründen: «Es handelt sich insofern um einen eher ungewöhnlichen Grundriss, weil es viele schräge Abschnitte gibt. Hinzu kommen verschiedene Raumhöhen, die Fundamentplatten mit zwei Niveaus und verschieden hohe Sockelmauern.» Ein wichtiges Thema beim Neubau war der Schallschutz. Die Anforderung war, bessere Werte zu erzielen als bei einem Massivbau. Deshalb wurde das Obergeschoss wie drei Wohnungen konstruiert: Schlafbereich der Eltern, Herrenraum für Gäste und die Einliegerwohnung des Sohnes. Sie sind doppelschalig abgetrennt. Die ganze Decke ist mittels Schwingbügeln abgehängt. «Aufgrund der komplexen Technikinstallationen wurde nicht so viel vorfabriziert. Wir haben viele Holzbauelemente erst auf der Baustelle fertig montiert», erläutert Holzbautechniker Büchel, der für den reibungslosen Ablauf des Holzbaus verantwortlich war. Die Aufrichte der Holzbauelemente im Oktober 2018 dauerte nur anderthalb Wochen. Ein Thema im Vorfeld war die Höhe der Wände. Für deren Transport mussten zunächst Überhöhenbewilligung eingeholt werden. Die grossen Fensterelemente wurden auf die Betonplatte gestellt und dann rundherum aufgerichtet. Von innen montierten die Zimmerleute der Alpiger Holzbau AG den Rahmen, von aussen wurde mit einem Kran eingeglast. Auf dem weitläufigen Areal kam ein Kran schnell an seine Grenzen, weshalb noch ein zweiter Lastwagenkran für die schwersten Wände nötig war.

Die gesamte Bauzeit umfasste schliesslich sieben Monate. Der Faktor Zeit spielte beim Neubau eine entscheidende Rolle. Viele Planer und Handwerker arbeiteten gleichzeitig vor Ort. «Teilweise waren bis zu 40 Leute auf der Baustelle», erinnert sich Büchel. Die Koordination war herausfordernd. Umso wichtiger war der Austausch untereinander. Zum Beispiel immer freitags. Da lud der Bauherr alle zum Handwerker-Znüni ein.


Alpiger Holzbau AG

Zimmermann Daniel Alpiger gründete das Holzbauunternehmen im Jahr 1998 und startete mit zwei Mitarbeitern. Heute zählt das Alpiger-Team rund 70 Mitarbeitende. Das Unternehmen setzt auf Bodenständigkeit, Innovation, hochwertige Produkte sowie zukunftsgerichtete Technologien. Die Alpiger Holzbau AG positioniert sich in der Region Rheintal mit vier Kernkompetenzen: Holzsystembau, Architektur, Schreinerei und Arbeiten an der Gebäudehülle. alpiger-holzbau.ch


Das Projekt – die Fakten

Projekt: Villa
Standort: Kanton St. Gallen
Fertigstellung: 2019
Bauherrschaft: privat
Architektur und Holzbau: Alpiger Holzbau AG, Sennwald (SG)
Holzbauingenieur: Fromm + Partner AG, Landquart (GR)
Baukosten: keine Angaben
Geschossfläche: 1200 m2
Gebäudevolumen: 4500 m3
Verwendetes Holz:
140 m3 Bauholz

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