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03-2019 Zuhause

AUS.GEZEICHNET

Stapelbau für Studierende

Bereits mehrere Auszeichnungen konnte das Studentenwohnheim «Woodie» in Hamburg abräumen. Dieses Jahr gesellte sich nun auch der Deutsche Holzbaupreis zur Sammlung des Modulbaus aus Holz und Beton, der erst einmal gar nicht wie ein solcher aussieht.

Text Ramona Ronner | Fotos Jan Bitter

 

Der Deutsche Holzbaupreis 2019 in der Kategorie Neubau ging an «Woodie» – eine Unterkunft in modularer Holzbauweise mit 371 Mikroappartements für Studierende. Sie ist Teil des Universal-Design-Quartiers in Hamburg Wilhelmsburg. «Es ist das uns bekannte grösste Wohnbauprojekt in modularer Holzbauweise im europäischen Raum», sagt der Projektverantwortliche Jürgen Bartenschlag vom Berliner Architekturbüro Sauerbruch Hutton. Auf bis zu sechs Stockwerken wurden 1,8 Tonnen Holz verbaut. Wegen der Forderung der Bauherrschaft nach einem nachhaltigen Baustoff und einem schnellen Bauablauf, war der Entscheid für ein Holzmodulbau naheliegend. «Zudem eignet sich ein Holzmodulbau ideal für kleine Ein-Zimmer-Wohnungen», ergänzt Architekt Bartenschlag. Denn ein Modul ist gleich ein Appartement – kompakt und nahezu komplett vorgefertigt.


Modulbau für besseren Schallschutz

«Der Vorfertigungsgrad des Wohnheims betrug etwa 80 Prozent», erklärt der Projektverantwortliche. So waren die Module im Vorfeld bereits mit allen nötigen Kabeln und Leitungen ausgestattet. Vor Ort mussten sie nur noch angeschlossen werden. Im Werk bei der Kaufmann Bausysteme GmbH in Reuthe (AT) wurden beim Aufbau der Moduldecken eine Splittschüttung sowie eine zusätzliche Trittschalldämmung integriert. Alle weiteren Schall- und Wärmedämmschichten sind ebenfalls an die Module vormontiert worden. Wenn viele Menschen auf engem Raum beieinander wohnen, ist Schallschutz elementar. «Die Lärmabschirmung ist sehr gut, weil sich dank der Bauweise die Wände zwischen den Zimmern doppeln. Das ist ein positiver Nebeneffekt», sagt Jürgen Bartenschlag dazu. Die Massivholzwände sind aussen mit Gipskartonplatten beplankt, die Zwischenräume mit fünf Zentimeter Mineralwolle gefüllt.


Aufgebaut ist der gesamte «Stapel» aus Modulen nicht auf einer Bodenplatte, sondern einer tragenden Sockelkonstruktion im Erdgeschoss, die die Lasten der fünf beziehungsweise sechs Holzetagen abfangen kann und in die Treppenhäuser leitet. Die Konstruktion besteht aus einem aufgeständerten Stahlbetontisch mit drei Gebäudekernen, ebenfalls aus Stahlbeton, die allesamt mit einer zweiten Schale aus Sichtbeton ausgestattet sind. Die Treppenhäuser dienen der Aussteifung des Gebäudes und fangen die Windlasten ab. Im Bereich der kürzeren Querriegel, wo fünf statt sechs Geschosse aufliegen, kragt der Betontisch aus. Darunter entsteht Platz für Gemeinschaftsräume und Gastronomiebereiche. Die Fassaden werden mittels Pfosten-Riegel-Konstruktion maximal transparent ausgebildet.

Damit ein Bau dieser Gebäudeklasse überhaupt gebaut werden konnte, waren im Vorfeld der Genehmigung weitreichende Brandschutzabstimmungen mit den Behörden notwendig. «Wegen der Kernkonstruktion aus Stahlbeton waren für den Brandschutz jedoch keine zusätzlichen Massnahmen wie Sprinkleranlagen gefordert», sagt Bartenschlag. Mit kleinen Details wie den aus der Fassade herausgezogenen, waagerecht verlaufenden Blechen zur Unterbrechung des Hinterlüftungszwischenraums kann gemäss Architekt trotz der hölzernen Fassadenbekleidung der notwendige Schutz gewährleistet werden. In jeder Wohnung ist zudem ein Rauchmelder installiert.


Fassade für das Stadtbild

Das Farbkonzept der 20 Quadratmeter grossen Studentenwohnungen wird geprägt durch die hauptsächlich verwendeten Materialien Sichtbeton und Holz. Ansonsten werden anthrazitfarbene Akzente gesetzt, sowohl bei kleinen Dingen wie Steckdosen als auch beim Boden aus Naturkautschuk. Die Module waren allesamt in vier Monaten fixfertig montiert.

Die hinterlüftete, elementierte Vorhangfassade aus vorvergrauter Lärche wurde wie die Appartements im Holzbaubetrieb vorgefertigt. Sie bekleidet das Gebäude so, dass die Modulbauweise von aussen nicht mehr als solche erkennbar ist. «Das Gebäude passt so besser in den städtischen Kontext», sagt Bartenschlag. Die Fassadenelemente sind abwechselnd waagrecht und senkrecht am Gebäude angebracht. Zudem stehen die einzelnen Bretter unterschiedlich stark hervor und bewirken den Eindruck eines Reliefs. So erscheint die Fassade trotz ihrer geraden Linien lebendig.
sauerbruchhutton.de, kaufmannbausysteme.at


Das Projekt – die Fakten

Objekt: Studentenwohnheim «Woodie», Teil des Universal-Design-Quartiers
Standort: Hamburg Wilhelmsburg
Fertigstellung: 2017
Architektur: Sauerbruch Hutton Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Holzbau: Kaufmann Bausysteme GmbH, Reuthe (AT)
Bauherrschaft: Dritte Primus Projekt GmbH, Hamburg
Bruttogeschossfläche: 13 510 m2
Brutto-Rauminhalt Gebäude: 38 805 m3
Grundstückgrösse: 4015 m2

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