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Bauen und leben mit Holz – Das Fachmagazin von Holzbau Schweiz

02/2020

Stand.punkt

Wirtschaftsfaktor Holz

Ideale statische Eigenschaften bei geringem Eigengewicht und eine gute Bearbeitbarkeit machen Holz zu einem universellen Baustoff. Und es wird vermehrt zum Material der Wahl, wenn Industrie- und Gewerbebauten geplant werden. Das hat mehrere Gründe, wie Peter Henggeler weiss.

Der Einsatz von Holz in der Schweizer Baulandschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm gewandelt. Wenn Sie zurückblicken: Wie hat sich die Auftragslage im grossen Feld der Gewerbe- und Industriebauten entwickelt, Herr Henggeler?

Früher gab es einfach mehr Lagerhallen oder reine Produktionsbetriebe. Im Vergleich dazu sind die Gebäude heute gemischter. Büro- und Produktionseinheiten sind zusammenhängend konstruiert, es gibt deutlich mehr Aufstockungen und Bürokomplexe aus und mit Holz. Man kann schon sagen, dass sich die Auftragslage von der einfachen Lagerhalle in Richtung repräsentative Büros erweitert hat. Holzbau ist gesellschaftsfähig geworden. Investoren suchen die Ökologie im Bauwesen. 

Spielen in diese Entwicklung auch die revidierten Brandschutzvorschriften von 2015, die den Holzbau anderen Baustoffen gleichgestellt haben?

Eindeutig. Die neuen Brandschutzvorschriften ermöglichen mehr Mischformen bei der Gebäudenutzung. Die Revision erleichtert es, dass das ganze Gebäude in Holzbauweise realisiert werden kann. Planer und Entwurfsarchitekten haben somit schon am Anfang die Sicherheit, dass sie in Holz bauen können. Das ist ein grosser Vorteil: Wenn die Holzbauweise gleich zu Beginn in Erwägung gezogen wird, wirkt sich das positiv auf die Kosten aus, die bereits in der Entwurfsphase optimiert werden können. Teuer und kompliziert wird es hingegen, wenn der zunächst geplante Betonbau auf Holz umgemünzt werden muss. 

Mit welchen funktionalen und ästhetischen Anforderungen werden Sie in der Praxis konfrontiert?

Die Bauherrschaft wünscht eine gewisse Flexibilität: Umstrukturieren, Erweitern oder neue Wände einfügen sollen nach Fertigstellung immer noch möglich sein. Es geht auch darum, schneller zu bauen, kostengünstig zu bleiben und ökologischen sowie marketingrelevanten Ansprüchen gerecht zu werden. Auf ästhetischer Ebene zeigen sich neue Herausforderungen, vor allem in Kombination mit anderen ­Materialien. Da entstehen mit Keramikplatten oder Glasfronten anspruchsvolle Fassadenkonzepte. Bauten werden also insgesamt komplexer, was auch die Preisabgabe schwieriger macht. Die Bauherrschaft möchte zu einem frühen Zeitpunkt eine Preisgarantie haben. 

Holzbau verspricht Flexibilität – beim Bau selbst, aber auch wenn es um spätere Änderungen und Anpassungen geht. Wie zeigt sich das speziell bei Gewerbe- und Industriebauten?

Es gilt einen Rohbau zu erstellen, der viele Möglichkeiten offenlässt, nachträglich Fläche zu ergänzen. So etwa weiter auszubauen, zusätzliche Wände reinzuziehen, in der Höhe mit Modulen aufzustocken, um mehr Raum zu gewinnen. Das ist der grosse Vorteil im Holzbau. Der Holzbau passt sich der Geschäftsentwicklung an. Zudem verspricht er eine gewisse Preissicherheit, einen abgesteckten Kostenrahmen.

Wo sehen Sie künftig noch Potenzial?

In Zeiten von Landverknappung sind die noch verfügbaren Ressourcen sehr teuer. Verdichtetes Bauen ist gefragt. Sein geringeres Eigengewicht, Sicherheit und Geschwindigkeit prädestinieren den Holzbau dafür. Wir müssen in die Höhe wachsen. Hier liegt das Potenzial für den Holzbau.

Peter Henggeler

Peter Henggeler ist Inhaber der Erni-Gruppe. Der 47-jährige Zimmermann und Holzbau-Techniker HF hat seit Sommer 2019 Einsitz in der Zentralleitung von Holzbau Schweiz. Im Verband ist er für das Ressort Soziales verantwortlich. holzbau-schweiz.ch

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