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02/2022 Standpunktfrage

Stil.Form

Yakisugi: Schwarz veredelt

Yakisugi ist eine traditionelle japanische Oberflächenbehandlung von Holz. Durch Beflammen wird dieses nicht nur farblich verändert, sondern bekommt quasi einen natürlichen Schutzmantel.

Text Susanne Lieber | Foto SQWER AG

Bei Yakisugi handelt es sich um ein japanisches Verfahren, mit dem Holz widerstandsfähiger gemacht wird. Der japanische Begriff setzt sich aus Yaki (brennen) und Sugi (Zeder) zusammen und bedeutet also «gebrannte Zeder». Seit Jahrhunderten wird diese Methode genutzt, um Holz (traditionellerweise Zeder) besser gegen Wasser, Schimmel, Fäulnis und Insekten zu schützen. Die Oberfläche des Holzes – es kann auch ein anderes Holz als Zeder sein – wird hierbei kontrolliert beflammt beziehungsweise angekohlt. Durch die Verbrennung des Materials wird die Zellstruktur verdichtet und das Holz karbonisiert. Man spricht deshalb auch von karbonisiertem Holz, wobei auch die Bezeichnung Shou Sugi Ban geläufig ist. Die verdichtete Struktur bildet einen beständigen und wirksamen Schutzmantel vor äusseren Einflüssen.

Je nach Dauer des Beflammungsprozesses und der anschliessenden Nachbearbeitung des Holzes kann die Optik deutlich variieren. Durch das Ankohlen entsteht eine schwarz bis silbrig schimmernde Oberfläche mit ledriger Struktur. Abhängig davon, wie weit man diese Schicht wieder abträgt, nimmt die Kohleoptik ab, die Maserung des Holzes tritt dafür stärker zum Vorschein.


Natürlich schön
Ein entscheidender Vorteil von geflammtem Holz ist, dass es im Aussenbereich keiner Instandhaltung bedarf, was Anstriche oder chemische Holzschutzmittel überflüssig macht – ideal für eine nachhaltige Bauweise. Allerdings sollte man bedenken, dass das Holz abfärben kann. In der Aussenanwendung spielt das meist keine grosse Rolle. Anders verhält es sich, wenn karbonisiertes Holz im Innenbereich als Wandverkleidung oder bei Möbeln zum Einsatz kommt. Dann muss die Oberfläche mit Öl oder Wachs versiegelt werden.


Steigende Beliebtheit

Eines der jüngsten Gebäude mit Yakisugi-Fassade im deutschsprachigen Raum wurde im letzten Jahr in Regensburg fertiggestellt. Das «Haus auf Stelzen» ist ein Bau der Bayeri­schen Staatsforsten (baysf.de), der in Sachen Nachhaltigkeit auf verschiedenen Ebenen als Leuchtturmprojekt gilt. Auch in der Schweiz zeichnet sich eine langsam steigende Tendenz von Bauten mit geflammtem Holz ab. So wurde beispielsweise 2020 ein Wohnhaus in Flims (GR) mit entsprechender Fassade fertiggestellt (Dominique Meier Architektur GmbH; Battaglia Holzbau GmbH). Und auch das Feuerwehrdepot Rohrschacherberg (SG), ein Entwurf vom Zürcher Büro Illiz Architektur, trägt Schwarz. In diesem Fall passt das Fassadenkleid besonders gut, denn die japanische Methode hat noch einen weiteren Vorteil: Bereits verbranntes Holz brennt nicht mehr so leicht.

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