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04/2019 Zukunft

WELT.WEIT

Zapfen statt tanken

Soll Lebensraum für mehr Biodiversität geschaffen werden, ist eine Tankstelle für gewöhnlich nicht der erste Einfall. In Skandinavien ändert sich das jetzt, genauer gesagt im dänischen Fredericia: Eine Ladestation für E-Fahrzeuge in modularer Holzbauweise will die moderne Mobilität prägen. Und sie wird nicht die Einzige bleiben.

Text Ramona Ronner, PD | Fotos Rasmus Hjortshøj – Coast

Die eigenen Batterien aufladen, während das Auto seinen Strom zapft: Das ist das übergeordnete Ziel der Architekten von Cobe, die Ladestationen für elektrische Fahrzeuge entworfen haben. Und tatsächlich sieht die Station im dänischen Fredericia so aus, als könnten sich Autofahrer hier gut entspannen. Die im Mai 2019 fertiggestellte Station stellt einen starken Kontrast zu einer traditionellen Tankstelle dar, wo sonst Schlangen von Fahrzeugen und Abgase das Bild prägen.

Entscheidend für das etwas andere Bild sind einerseits die grosse Menge an zertifiziertem Holz und andererseits das Design, das an einen Wald erinnert. Die Ladestation besteht aus sogenannten strukturellen Bäumen. Sie bieten Schatten und Schutz vor den Elementen. Die offene Dachstruktur mit sich abwechselnden geschlossenen und offenen Paneelen soll ein beruhigendes Setting erzeugen.

Mehr oder weniger echte Bäume
Das modulare Prinzip ermöglicht es, die Tankstellen einfach in ihrer Grösse anzupassen. Je nach Bedarf kann also aus einem einzelnen «Baum» ein ganzer Hain werden. Die Station in Fredericia zum Beispiel besteht aus zwölf solcher Bäume. Damit ergibt sich eine Baumkrone von 400 Quadratmetern. Das Dach bietet die Möglichkeit, Solarmodule anzubringen.Die Architekten sagen über ihr Projekt: «Die Solarenergie und die verwendete Ladetechnologie sind umweltfreundlich. So wollten wir, dass die Materialien und das Design dies auch reflektieren.» Das zeigt sich zum einen darin, dass die Komponenten der Konstruktion allesamt in brauchbare und recyclebare Materialien zersetzt werden können. Zum anderen ist die Elektrotankstelle von echten Bäumen, Gras und anderen Pflanzen umgeben. Die Bepflanzung wurde zusammen mit der Dänischen Gesellschaft für Naturkonservation ausgewählt. Das Ziel ist es, die Biodiversität um die Ladestation zu fördern. Cobe gewann 2018 für ihr Gesamtkonzept den Infrastruktur-Preis des Danish Building Award.

Von Dänemark bis Italien
Lediglich fünf Minuten braucht es aktuell, um einen Benzintank aufzufüllen. Für ein Elektrofahrzeug hingegen muss meist noch sehr viel mehr Geduld aufgebracht werden. Doch die Elektrotankstelle in Fredericia ist eine ultraschnelle Ladestation. Die Zapfsäulen liefern 150 Kilowatt. Dadurch soll es nur noch 15 bis 20 Minuten dauern, ein Auto aufzuladen. Die Hochleistungslader sind ausserdem mit den allermeisten E-Fahrzeugen kompatibel.

Die E-Tankstelle in Fredericia ist die erste eines Netzwerks von 48 solcher Ladestationen in Holzmodulbauweise – verteilt über ganz Skandinavien. Das skandinavische Netzwerk ist zudem der nördlichste Teil eines noch grösseren europäischen Projekts, das sich bis hin nach Rom erstreckt. In Schweden und Dänemark erhält das Unterfangen Unterstützung von zwei EU-Kommissionsprojekten: Connecting Europe Facility und High Speed Electric Mobility Access Europe. Ziel ist es, elektrische Automobile für die Bevölkerung attraktiver zu machen. cobe.dk

Das Projekt – die Fakten

Objekt: Ladestation für E-Fahrzeuge
Standort: Fredericia (DK)
Fertigstellung: 2019
Bauherrschaft: Powered by E.ON Drive & Clever, Kopenhagen (DK)
Architektur: Cobe, Nordhavn (DK)
Ingenieur: Arup, Kopenhagen (DK); AB Claussen, Rødovre (DK)
Holzbau: Flexwood A/S, Øster Kippinge (DK)
Holz: Fichte (Konstruktion und Dach)

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