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03/2021

Stand.punkt

Zweitwohnungsinitiative: Fünf jahre nach der Umsetzung

Es ist bald mehr als fünf Jahre her, dass das Bundesgesetz über Zweitwohnungen (ZWG) in Kraft ist. Wie hat sich der politische Entscheid auf den Holzbau ausgewirkt? Stefan Brügger ist Holzbauunternehmer aus Grindelwald. Für ihn und seinen Betrieb hatte der Entscheid gravierende Auswirkungen.

Text SD | Foto zVg


Herr Brügger, welche Rolle spielten Aufträge rund um Zweitwohnungen vor der Initiative für Ihren Betrieb?
Eine sehr wichtige und zentrale Rolle. Etwa 75 Prozent unserer Aufträge, vor allem Neubauten, hatten direkt oder indirekt mit Zweitwohnungen zu tun.

Wie hat sich das Gesetz in den letzten fünf Jahren auf Ihr Holzbauunternehmen ausgewirkt?

Nach der Annahme der Zweitwohnungsinitiative war noch einmal ein enormer Anstieg an Neubauten zu verzeichnen. Dies war dadurch bedingt, dass Baubewilligungen, welche vor der Annahme der Initiative erteilt wurden, vor der Ausführung standen. Danach mussten wir diverse Veränderungen vornehmen, um als Holzbauunternehmen weiter existieren zu können, ohne dass Mitarbeitende entlassen werden mussten. Es ist gerade bei uns wieder extrem schwierig geworden, die Mitarbeitenden durch den Winter zu beschäftigen, da die Neubauten fehlen.

Hat sich die Nachfrage in eine andere Sparte verschoben?

Ja, wir haben weitere Dienstleistungen wie etwa Architektur, Beratung und Planung von Bauten aller Art in unser Angebot aufgenommen, um das Geschäftsfeld zu erweitern. Hinzukommt die Planung und Montage von Fotovoltaikanlagen.
 
Wenn dann doch Zweitwohnungen gebaut werden dürfen: Was fragen Ihre Kunden heutzutage an?

Wenn heute ein neues Haus als Zweitwohnung gebaut wird, ist dies in der Regel der Ersatz für ein bestehendes, altrechtliches Haus, das abgerissen wurde. Dadurch ist die Nachfrage nach alten Häusern und Liegenschaften, die dem Zweitwohnungsgesetz nicht unterstellt sind, extrem gestiegen und sie werden entsprechend teuer gehandelt.
 
Hat die Pandemie die Nachfrage nach hiesigen Ferienwohnungen verschärft?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Tendenziell ja. Ganz allgemein stellen wir beim Thema Corona eine Verlagerung raus aus den Ballungszentren fest. Was für mich als klarer Trend feststellbar ist: In Ferienhäuser, die in den letzten Jahren nur wenig unterhalten wurden, wird heute wieder mehr investiert.

Wenn Sie sich jetzt ein Ferienhäuschen irgendwo hinstellen könnten, wo wäre das?
Ich wohne schon an einem Ort, an dem andere Ferien machen. Ein Ferienhaus würde ich mir aber ganz sicher an einen See bauen. An einen ruhigen, eher abgelegenen Ort und mit einer möglichst guten Aussicht.

Stefan Brügger, KA Holzbau AG

Stefan Brügger (*1960) absolvierte 1978 seine Zimmermannslehre. Im Anschluss besuchte er die Holzfachschule Biel. Seit 1999 ist Brügger der Inhaber der KA Holzbau AG mit Sitz in Grindelwald (BE) und beschäftigt rund 25 Mitarbeitende im Schreiner- und Zimmermannshandwerk. Brügger amtet als Baukommissionspräsident Grindelwald sowie als Vizepräsident der Gemeinde Grindelwald. Zudem ist er Vizepräsident der Sektion Berner Oberland von Holzbau Schweiz sowie Zentralleitungsmitglied von Holzbau Schweiz im Ressort Technik und Betriebswirtschaft.
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