Generalversammlung Holzbau Schweiz: Neue Realität?

Über 320 Mitglieder und Gäste begrüsste Holzbau Schweiz zur 114. Generalversammlung und zum Impulstag 2022 in der Kartause Ittingen. Seit 2019 fand die Generalversammlung erstmals wieder als Live-Veranstaltung statt. Im Fokus stand die Lage an den Märkten und die Zukunft der Branche mit der Frage, was ist die neue Normalität? Gastgeber dieses Jahr war die Sektion Thurgau.

 


Impulstag «Neue Realität?»
Im Vorfeld der Generalversammlung gab Michael Schär spannende Einblicke in die digitale Realität seiner Firma. Sein Team arbeitet im Werk und auf der Baustelle mit Datenbrillen und nicht mit herkömmlichen 2D-Plänen. Dabei werden die vollständigen 3D-Daten ohne Informationsverlust mit den Brillen sichtbar. Seine Zimmerleute seien begeistert. Mit der neuen Methode brauche sein Team weniger Zeit, um Pläne zu zeichnen und habe mehr Zeit, um Häuser zu bauen, berichtete Michael Schär.

Wirtschaft am Wendepunkt
Professor Jan-Egbert Sturm, Direktor der KOF Konjunkturstelle der ETH Zürich, als auch Gerd Ebner, Chefredaktor des Fachjournals Holzkurier, wagten einen Blick in die Zukunft und mutmassten, welche Auswirkungen die Teuerung und die instabilen Lieferketten haben. Während der Welthandel auf Hochtouren läuft, sind die vorlaufenden Indikatoren im Sinkflug und werden Bremsspuren hinterlassen. «Nicht Lieferketten, sondern Liefernetzwerke machen den Handel resilienter», fasste Prof. Sturm seinen Lösungsansatz zusammen. Gerd Ebner zeichnete seinerseits die Abhängigkeit vom Russlandkonflikt auf. Er ist aber überzeugt: «Der hohe Energiepreis trifft die Holzbranche zwar brutal, aber umso heftiger trifft es andere Baustoffe wie Stahl oder Beton. Selbst wenn die Bauentwicklung zurückgehen würde, wird der Holzbau tendenziell zunehmen.» Grund dafür könnten Effizienzsteigerungen und Fördermassnahmen sein.


Auf gutem Weg

Beim anschliessenden Podium reflektierten die Teilnehmenden die Aussagen der drei Referenten. Die aktuelle Lage sorge für viel Unsicherheit. Trotzdem, wenn die Branche gemeinsam mit Politik, Handel und der Wertschöpfungskette Holz die Herausforderungen angehe, seien die Chancen für den Holzbau sehr gut. Für Nationalrätin Florence Brenzikofer stehen eine funktionierende Holzkette und die Klimaziele im Zentrum. «Es gilt im heutigen Stil weiterzumachen», fasste Ständerat Jakob Stark zusammen.


Es gibt viel zu tun

Der Zentralpräsident Hansjörg Steiner betonte in seiner Einleitung an der Generalversammlung: «Die Holzbaubranche ist innovativ, engagiert, fördert ihre Mitarbeitenden und modernisiert ihre Infrastruktur.» Und trotzdem, die Veränderung auf den Märkten habe auch Auswirkung auf den Holzbau, er spüre eine verständliche Unsicherheit, vor allem wenn es um Investitionen gehe. «Es gibt viel zu tun. Wir müssen die Chancen nutzen», führt der Zentralpräsident weiter aus. Punkten kann der Holzbau mit der Vorfertigung. Durchgehende 3D-Planung über die Gewerke hinweg, Automation und optimierte Schnittstellen bieten weiter Potenzial und sind entscheidende Vorteile für die Branche. «Die grosse Arbeit der Branchenentwicklung muss aber in den einzelnen Betrieben passieren», ist Hansjörg Steiner überzeugt.

Weitere Highlights
Die Award-Verleihung «Holzbau Plus» an fünf neue Betriebe war ein weiterer Höhepunkt der Generalversammlung. Die Veranstaltung fand mit einem Apéro im wunderschönen Barockgarten und einem Bankett im historischen Gebäude der Kartause Ittingen bei angeregtem Austausch sowie gemütlichem Zusammensein einen glanzvollen Abschluss. Gastgeberin der Generalversammlung 2023 wird die Sektion Luzern sein.

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