Marvin Bieri und Noah Heller qualifizieren sich für die SwissSkills

Ein Interview mit den künftigen SwissSkills-Teilnehmern

Mai 2022; Wir durften die beiden Herren bereits anlässlich der Vorbereitungstage für die SwissSkills-Qualifikation in Schenkon kennenlernen: Marvin Bieri und Noah Heller, zwei ambitionierte Lernende, die sich ihrem Lehrberuf so richtig verschrieben haben und auch neben der Arbeit und der Berufsschule keinen Aufwand scheuen, um weiterzukommen. Nun haben sie die letzte Hürde für die SwissSkills-Qualifikation genommen. Zwischen dem 7. und 11. September werden sie in Bern anwenden, was sie sich in vielen Stunden angeeignet haben, um hoffentlich reüssieren zu können. Marvin und Noah haben sich bereit erklärt, uns einige Fragen zum Projekt SwissSkills zu beantworten:

HBCHLL: In welchen Phasen läuft eine SwissSkills-Teilnahme ab? Welche von diesen habt ihr bereits hinter euch gebracht?

Der offizielle Teil der SwissSkills beginnt mit den Trainingstagen, zu welchen man sich einfach anmelden kann. Dieses Jahr war die Altersgrenze beim Jahrgang 2001. Die Trainingstage werden drei Mal an einem Samstag abgehalten. Der erste Trainingstag fand dieses Jahr am 26. Februar statt. Darauf folgten zwei weitere mit einem Abstand von etwa einem Monat in der Berufsschule Lenzburg, da Lenzburg recht zentral in der Schweiz liegt. An diesen Tagen wird die Theorie der Dachausmittlung und der Austragung diverser Bauteile übermittelt. Am vierten Tag erfolgt die Vorausscheidung. Diese besteht aus einer Dachausmittlung (Zeit ca. 135 Min.), zwei Austragungen (75 Min. und 150 Min.) und aus dem Anreissen eines Bauteils ab Abbundplan (30 Min.). Diese Aufgaben werden dann von Experten korrigiert. Die zwölf Besten wurden dann per Brief benachrichtigt. Darunter waren auch wir. Es folgte ein Besuch bei der Firma Festool (unserem Maschinensponsor) in Dietikon, wo wir das benötigte Geschirr beziehen konnten, welches wir gratis während der SwissSkills benutzen dürfen. Dieses Geschirr können wir nach den Meisterschaften zum halben Preis erwerben. Am 2. Juli steht dann noch das Abschlusstraining in Lenzburg an. An diesem wird noch die Theorie der Austragung von verkanteten Hölzern vermittelt. Danach nutzt man die Freizeit, um individuell für die SwissSkills zu üben. Dafür wurden uns die SwissSkills-Pläne der letzten drei Meisterschaften zur Verfügung gestellt. Die Aufgaben an den SwissSkills bestehen aus einem grossen Modell, welches zum Teil ab Plan angerissen und abgebunden wird und zum anderen selber ausgetragen und ab Austragung angerissen wird. Dieses Modell umfasst 22 Stunden Arbeit. Dazwischen gibt es zwei «Super-Zimmerer-Aufgaben». Dabei wird eine Holzverbindung gemäss Plan hergestellt, für welche maximal 1 Stunde zur Verfügung gestellt wird. Sobald aber ein Kandidat die Aufgabe korrekt meistert und das Bauteil abgibt, wird die Aufgabe gestoppt und alle müssen ihr Produkt abgeben. Am Ende der Meisterschaft werden alle Bauteile bewertet. Dabei qualifizieren sich die besten Fünf für das Nationalkader, mit dem man an den Europa- und Weltmeisterschaften teilnehmen kann.

Was bedeutet euch die Arbeit mit Holz? Wie seid ihr dazu gekommen, den Beruf des Zimmermanns zu erlernen?

Marvin: Das Arbeiten mit Holz bedeutet mir sehr viel. Einerseits gibt es fast keine Grenzen, da Holz einfach zu bearbeiten ist. Andererseits ist Holz statisch äusserst belastbar und sein Verhältnis zwischen Eigenlast und Traglast ist beinahe unschlagbar. Zudem ist Holz ein natürlicher Werkstoff und jedes Stück Holz ist ein Unikat, da es nie gleich wächst. Diese Herausforderung, das Holz zu lesen, ist für mich eine sehr interessante Aufgabe. Der Berufswunsch Zimmermann kam für mich schon früh, da mein Vater auch eine Zimmerei besitzt, welche sich neben unserem Haus befindet. Somit konnte ich schon zu Schulzeiten in die Aufgaben eines Zimmermanns «hineinschnuppern». Schon dann wurde mir klar, dass ich diese Arbeit, wenn möglich, ein Leben lang verrichten möchte.

Noah: Schon zu Beginn meiner Berufswahl war klar: Ich wollte etwas erlernen, was mit dem Bauen zu tun hat. Zuerst war ich als Zeichner, dann als Zimmermann und dann auch noch als Automatiker schnuppern. Aber ich entschied mich dann klar für den Zimmermann. Unter anderem auch, weil mir die Arbeit mit Holz schon, als ich ganz klein war, total gefiel. Ich habe vor der Lehre bei uns zu Hause auf dem Bauernhof jede Minute genutzt, um draussen zu werken. Die Arbeit mit Holz bedeutet mir sehr viel, denn kein anderer Baustoff hat aus meiner Sicht so tolle Eigenschaften wie Holz. Es lässt sich leicht bearbeiten, ist sehr formstabil und nicht besonders schwer. Dadurch lassen sich eben auch sehr ausgefallene Sachen konstruieren, was ich sehr interessant finde.

Gibt es Lieblingsarbeiten, die ihr verrichtet?

Marvin: Meine Lieblingsarbeiten sind das Abbinden von Bauteilen für Dächer und Wände und das darauffolgende Aufrichten. Bei dieser Arbeit sieht man nach dem Aufrichten besonders gut, was man erschaffen hat. Zudem fasziniert mich immer wieder, wie man aus einigen Balken eine ganze Konstruktion herstellen kann, welche das Grundgerüst für ein ganzes Haus bildet.

Noah: Die schönste Arbeit für mich ist klar das Aufrichten. Es ist immer wieder eindrücklich, wie schnell ein Gebäude, z. B. in Elementbauweise, aufgerichtet werden kann. Aber auch ganz viele andere Arbeiten machen mir Spass.

Wie bereitet ihr euch für die nächsten Schritte im SwissSkills-Prozess vor?

Marvin: Ich werde mir eine kleine Werkstatt in einem nicht oft genutzten Teil der Zimmerei meines Vaters einrichten, wo ich dann in Ruhe üben kann. Ein weiterer Vorteil ist dabei, dass ich nicht immer wieder alles wegräumen muss. So kann ich beispielsweise an einem Abend nach Feierabend mit dem Üben beginnen, nach einigen Stunden aufhören und am nächsten Tag wieder weiterfahren, wo ich aufgehört habe, ohne dass ich viel Zeit dazwischen für das Aufräumen verschwende.

Noah: Ich werde sicher viele Abende damit verbringen, die alten Meisterschaftsübungen zu absolvieren. Dies natürlich unter Einsatz der Maschinen, die wir von Festool erhalten haben. Ausserdem investiere ich eine Woche Ferien, um dann ein noch intensiveres Training zu absolvieren.

Was ist für euch die Motivation, diesen Zusatzaufwand zu leisten, um euch optimal für den Wettbewerb vorzubereiten?

Marvin: Ich möchte möglichst gut an den SwissSkills abschneiden. Zudem bin ich stolz auf meinen Beruf und möchte mein Können unter Beweis stellen. Für mich persönlich ist dafür jede Sekunde des Aufwands gerechtfertigt.

Noah: Ich bin sehr motiviert für die nächsten Monate. Auch wenn ich allenfalls nicht weiterkomme im Herbst, war das bis jetzt eine riesige Erfahrung, die ich machen durfte. Alleine in den schriftlichen Trainings konnte ich eine Menge lernen. Zudem sind jetzt nur noch zwölf Kandidaten dabei. Somit gehört man schon zu den Besseren im Beruf. Das motiviert natürlich zusätzlich.

Habt ihr euch ein persönliches Ziel gesetzt?

Marvin: Ich möchte in der Wertung in der vorderen Hälfte liegen. Je weiter vorne desto besser. Für mich stehen aber die Erfahrungen, welche ich an den SwissSkills sammeln kann, im Vordergrund.

Noah: Mein persönliches Ziel ist, in die top Fünf zu kommen und somit den Eintritt in das Nationalteam zu schaffen.

Wisst ihr schon, wie es für euch nach der Lehrabschlussprüfung weitergeht?

Marvin: Nach dem Beenden der Lehre bleibe ich bis Januar in meinem Lehrbetrieb. Danach gehe ich in den Militärdienst. Vielleicht zieht es mich dann nochmals für ein/zwei Jahre in meinen Lehrbetrieb zurück oder ich arbeite für andere Betriebe, um weitere Erfahrungen zu sammeln. In spätestens zehn Jahre möchte ich mich bis zum Holzbautechniker fortbilden. Diese Pläne sind jedoch noch recht offen, da ich meine Zukunft nicht zu stark verplanen will.

Noah: Ich darf weiterhin bei der Firma Renggli arbeiten. Ab nächsten Januar besuche ich dann die Rekrutenschule. Nach Abschluss der RS werde ich sicher noch eine Zeit lang weiterarbeiten. Früher oder später werde ich sicherlich ein Studium in Betracht ziehen.

Wir wünschen diesen beiden ambitionierten jungen Berufsleute viel Erfolg beim Absolvieren der SwissSkills. Es ist schön zu sehen, dass man sich bereits in jungen Jahren so konkret und motiviert mit seinem Beruf auseinandersetzt und die Freude am Werkstoff Holz lebt.

Rückblick auf die SwissSkills-Vorbereitungstage

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