Materialteuerung im Holzbau

Die steigenden Preise und die Lieferengpässe auf dem Holzmarkt sind für die Branche eine grosse Herausforderung. Europäische Händler sprechen von den akutesten Lieferproblemen, die sie je erlebt haben. Ein Ende der Verteuerung ist nicht in Sicht. Die Holzwerkstoffhändler in der Schweiz arbeiten intensiv daran, den Markt bedienen zu können.

Statt wie bisher wenige Tage kann sich die Lieferfrist auf mehrere Wochen oder sogar Monate ausdehnen – eine Beruhigung ist nicht in Sicht. Hauptgrund für die Entwicklung ist die weltweit steigende Nachfrage und die einhergehende Verknappung von Holzprodukten. Wegen der Pandemie mussten viele Betriebe ihre Kapazitäten herunterfahren. Das hat zu einem Angebotsrückgang geführt. Gleichzeitig hat die Nachfrage nach Bauholz weltweit wegen erhöhter Bau- und Renovationstätigkeit stark zugenommen.
  

Rechtliche Grundlage bei Werkverträgen

Die Holzpreise sind zwischenzeitlich teilweise über 50% gestiegen. Dies kann insbesondere im Falle bereits abgeschlossener Werkverträge mit vereinbarten Festpreisen, Pauschal- oder Einheitspreisen (ohne Teuerungs- oder Preisänderungsverfahren bzw. mit Teuerungsausschluss) überaus einschneidend sein und ein Missverhältnis zwischen der Leistung des Unternehmers und dem vereinbarten Preis zur Folge haben. Es stellt sich die Frage, ob in diesen Fällen ein «ausserordentlicher Umstand» im Sinne von Art. 373 Abs. 2 OR oder Art. 59 SIA-Norm 118 vorliegt. Vorausgesetzt wird unter anderem, dass der ausserordentliche Umstand nicht vorausgesehen werden konnte und die Fertigstellung des Objekts dadurch gehindert oder übermässig erschwert wird. Das Missverhältnis zwischen der Leistung des Unternehmers und dem vereinbarten Preis muss «krass» sein. Massgebend sind dabei die konkreten Umstände. Die Dimension des aktuellen Preisanstiegs war nicht voraussehbar. Ein nicht voraussehbarer Preisanstieg von über 50% kann dazu führen, dass die gesetzlichen Vorgaben gemäss Art. 373 Abs. 2 OR oder Art. 59 SIA-Norm 118 erfüllt sind und eine Mehrvergütung gerechtfertigt wäre. Der Betrieb sollte den Bauherrn über den überraschenden Preisanstieg unverzüglich schriftlich informieren und ihm die aussergewöhnlichen Umstände darlegen.

Politischer Vorstoss

Die Nationalrätin Florence Brenzikofer trägt die Sorgen der Holzbauer ins Bundesparlament und reicht eine Interpellation ein, in der sie festhält, der Mangel an Bauholz und anderem Baumaterial habe gravierende Auswirkungen auf Bauunternehmen und Auftraggeber. Ausserdem fragt die Oltinger Nationalrätin den Bundesrat nach seiner Haltung zur Einführung eines Holzpreis-Indexes und welche Massnahmen er vorsehe, damit die Klimareduktionsziele trotz anhaltender Holzknappheit erreicht werden können.

Volksstimme, Artikel vom 6. Mai

Holz kennt keine Grenzen (mittel- bis langfristiger Lösungsansatz)

Gemäss einem Infoprospekt von Kuratle & Jaecker kann der Schweizer Holzhandel die grenznahe Produzenten dazu bewegen, bei den Schweizer Sägereien Holz zu beziehen und sie zu Halbfertigfabrikaten zu verarbeiten. Die aus diesem Export-Import-Kreislauf (siehe Link unten) stammenden Produkte erhalten das Label «Produziert aus Schweizer Holz» und werden in einer entsprechenden Mengenbilanz nachgewiesen. «Produziert aus Schweizer Holz»-Produkte bestehen zu 66 bis 100 Prozent aus Holz aus dem Schweizer Wald. Einerseits könnte so dem Schweizer Wald eine zusätzliche Absatzmenge von ca. 1.4 Mio. Festmeter abgenommen werden. Andererseits könnten die geforderten Lieferzeiten und die vom Markt gegebenen Preise eingehalten werden.

Prospekt Schweizer Holz Kuratle & Jaecker

Offizielle Empfehlung KBOB (Öffentliche Bauten)

Offizielle Empfehlung KBOB - mit oder ohne vertraglich festgelegtem Preisänderungsverfahren (Gültig bis 31.12.2022)

Die KBOB hat eine Empfehlung zur Verrechnung bei ausserordentlichen Preisänderungen für den Holzbau veröffentlicht. Nutzen Sie die Empfehlung der KBOB für Verhandlungsgespräche mit Ihren Auftraggebern. Die Empfehlung beinhaltet Vorgaben zum Umgang mit oder ohne vertraglich festgelegte Preisänderungsverfahren. Weiterführende Informationen finden Sie auf der Webseite der KBOB:

Empfehlung zur Verrechnung bei ausserordentlichen Preisänderungen für den Holzbau (Version 1.0)

Bei Fragen zur Auslegung der Empfehlung der KBOB melden Sie sich bitte direkt bei:
Fabrice Favre, +41 58 465 34 04, fabrice.favre@bbl.admin.ch, www.kbob.admin.ch



Teuerung berücksichtigen
Aufgrund der aktuellen Situation sollen in Werkverträgen keine Festpreise mehr vereinbart werden. Um die Preisänderungen zu berücksichtigen, hat Holzbau Schweiz ein Verfahren entwickelt. Der Text des Verfahrens regelt in Offerten und Werkverträgen die Materialpreisveränderungen. Ergänzt wird das Verfahren mit einem Berechnungsnachweis, um die jeweilige Preisteuerung oder -minderung festzuhalten (Dokumente siehe unten).

Holzbau Schweiz empfiehlt das folgende Infoblatt bei Briefen oder E-Mails beizulegen, um über die ausserordentliche Situation zu informieren.

Infoblatt Materialteuerung im Holzbau

  

Berechnung Teuerung (Material- und Lohnkostenänderung)
nach SIA 122 und KBOB

Für Teuerungsverrechnungen steht die SIA 122 «Preisänderungen infolge Teuerung; Verfahren mit Gleitpreisformel» zur Verfügung. Die unten aufgeführte Berechnung basiert auf dem Dokument «KBOB: Preisänderungen im Bauwesen»:

Preisänderung im Bauwesen nach KBOB

Lohnkostenänderungen nach KBOB


Berechnungsnachweis Materialteuerung

Die Gefahr von Konventionalstrafen ist vorhanden. Lange konnte die Materialpreisteuerung bei Vertragsabschlüssen vernachlässigt werden. In vielen Werkverträgen wurde die Teuerung ausgeschlossen oder Preise fix bis Bauvollendung vereinbart. Seither hat sich die Situation mit stetigen Preiserhöhungen und immer längeren Lieferfristen massiv verschärft. Die hohe Nachfrage nach Holz, insbesondere aus den USA, hält weiter an und es zeichnet sich kein Ende ab.

Als Sofortmassnahme schlägt Holzbau Schweiz vor, das folgende Excel-Dokument «Berechnungsnachweis Materialteuerung» anzuwenden. Dabei werden die wichtigsten Materialien mit Preis,  Menge und Stichtag Offerteingabe in einer Liste aufgeführt. Die Preisteuerung oder -minderung wird anhand des Bezugspreises berechnet (Rechnung des Lieferanten). Als Beispiel dient Ihnen das aufgeführte PDF-Dokument «Muster Berechnungsnachweis Materialteuerung».

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