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1/2018 Präzision beim Hausbau

BAUEN

Baustellenplanung: Organisation ist alles

Eine gute Planung ist auf der Baustelle das A und O. Denn sind Ablauf und Logistik vor Ort nicht exakt geplant, sind kostspielige Pannen, Verzögerungen und Ärger vorprogrammiert.

Text Monika Hurni | Fotos Hecht Holzbau AG, BS+EMI Architektenpartner AG, Hanspeter Thommen

Auf jeder Baustelle herrschen individuelle Verhältnisse, die bereits vor der Montage berücksichtigt werden müssen, um genauso effizient arbeiten zu können wie im Betrieb. Auf eine gute Planung setzt auch OptiBau – ein Konzept zur Erleichterung der Arbeit und zur Optimierung der Arbeitsabläufe auf der Baustelle. Entwickelt wurde OptiBau von den Arbeitgeberverbänden, den paritätischen Kommissionen des Ausbaugewerbes, den Gewerkschaften des Ausbaugewerbes sowie von der Suva und dem Seco. Auch die Schweizerische Paritätische Berufskommission Holzbau ist an dem Projekt beteiligt. Mit dem Konzept OptiBau sollen die körperlichen Belastungen durch geeignete Mittel so weit wie möglich reduziert und damit Langzeitschäden vorgebeugt werden. Zu diesem Zweck hat das Projektteam 13 konkrete Schlüsselelemente definiert. So beispielsweise den Einsatz von geeigneten Transport- und Hebemitteln. Um den Handwerkern den Einsatz der Schlüsselelemente zu ermöglichen, wird die Bauherrschaft dazu angehalten, das Areal mit befestigten, berollbaren Wegen zu erschliessen und so einen hindernisfreien Zugang zum Gebäude zu gewährleisten. «Mithilfe der Schlüsselelemente soll das Material geplant und strukturiert an den Montageort gelangen», sagt Hanspeter Thommen, Fachmann der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit (Ekas). «Dies soll sicher und schonend für die Gesundheit der Arbeitnehmenden passieren.»


An Neubauten erprobt

Das OptiBau-Konzept ist bisher an Neubauten erprobt worden. «Wir sind aber der festen Überzeugung, dass es ebenfalls im Umbau angewendet werden kann», sagt Thommen. «Obwohl jedes Objekt seinen eigenen Charakter hat, egal ob Neu- oder Umbau, können doch gewisse Eigenheiten festgestellt werden.» So ist das Platzangebot beim Neubau in der Regel eher grösser, da die Umgebung erst im späteren Verlauf gemacht wird. Die Schlüsselelemente von OptiBau, wie Krane, Gerüste oder Fassadenlifte, können somit im Idealfall frei gewählt und eingesetzt werden. Dies sowohl örtlich als auch zeitlich. Daneben können allenfalls auch die Zugänge ins Innere des Gebäudes planerisch so gewählt werden, dass sie die Logistik während der Bauzeit unterstützen oder überhaupt ermöglichen.


Auf Umbauten anpassen

Beim Umbau hingegen ist der Platz meist stark eingeschränkt. Die Gebäude sind oftmals bewohnt und liegen inmitten einer lebendigen Umgebung mit Fussgängern, Autos und öffentlichen Verkehrsmitteln. Meist befindet sich um das Gebäude eine Gartenanlage, auf die bei der Anlieferung des Materials Rücksicht genommen werden muss. Die Schlüsselelemente müssen der gegebenen Situation angepasst werden, was die Auswahl beträchtlich einschränkt. «Wir sind allerdings der Meinung, dass die Auswahl an Transport- und Hebemitteln so gross ist, dass OptiBau mit der nötigen Sorgfalt durchaus eingesetzt werden kann, wenn auch eventuell nicht immer ganz wunschgemäss», sagt Thommen. Da gilt es für den Handwerker, flexibel zu sein. Kann kein Kran aufgestellt werden, so stellen Seilwinden eine Alternative dar. Ist die Zufahrt mit dem Lastwagen nicht möglich, findet vielleicht ein Rollwagen Platz. Darf der Innenlift nicht benutzt werden, so kann ein mechanischer oder ein elektrisch angetriebener Treppensteiger die Beförderung schwerer Objekte erleichtern.


Koordinierter Arbeitsablauf

Für Fritz Hammer, Leiter Qualitätssicherung und Arbeitssicherheit bei der Dietsche Montageprofis AG, beginnt eine optimale Baustellenorganisation bei der Schulung der Mitarbeitenden. Es gelte, frühzeitig zu definieren, welche Leute an welchen Einsatzort geschickt werden. So könne von Anfang an eine klare Struktur in den Arbeitsablauf auf der Baustelle gebracht werden. Es sei wichtig, sich vor Arbeitsbeginn zu einem kurzen Briefing zu treffen, sich über das weitere Vorgehen auszutauschen und den Arbeitsablauf zu definieren. Als wesentlichen Punkt sieht Hammer die Koordination mit den anderen am Bau beteiligten Handwerkern. Die gute Koordination ist gerade auch bei Umbauten äusserst wichtig, insbesondere dann, wenn die Objekte bewohnt sind. Um Konflikte zu vermeiden, sollten die Arbeitszeiten so weit wie möglich an die Mieter angepasst werden. In einem Mehrfamilienhaus gilt es, genau zu definieren, in welcher Wohnung wann gearbeitet werden kann. «Im Umgang mit den Mietern braucht es etwas Fingerspitzengefühl», sagt Hammer. «Die Handwerker sollten sich frühzeitig bei ihnen vorstellen und ihnen den Arbeitsablauf erläutern.» Denn wenn man die Mieter anständig behandle und beim Umbau so gut wie möglich auf ihre Bedürfnisse Rücksicht nehme, stehe man sich gegenseitig viel weniger im Weg.


Sauberkeit als Visitenkarte

Eine saubere Baustelle ist eine Visitenkarte für die beteiligten Handwerker. In einem bewohnten Gebäude gelte es, Staubwände aufzustellen, die Böden komplett mit Floorliner abzudecken und Arbeiten wie das Zuschneiden oder das Hobeln von Brettern nach Möglichkeit draussen zu erledigen und nicht in der Wohnung. Es sei denkbar einfach, die Baustelle sauber zu halten, wenn man bei jedem Gang etwas mitnehme und es gleich richtig entsorge. Ausserdem könne durch eine gute Baustellenordnung extrem viel Zeit eingespart werden. Im Zusammenhang mit der Zeitersparnis ist auch die Massaufnahme nicht zu unterschätzen. «Der Handwerker darf sich bei einem Umbau niemals nur auf fremde Pläne und Skizzen verlassen», so Hammer. Der Weg auf die Baustelle zur Massaufnahme zahle sich in jedem Fall aus. «Im Endeffekt sind eigene Masse die Zeitersparnis schlechthin, alles andere ist ein Risiko.» Zum Schluss spricht Hammer einen Punkt an, der auch im OptiBau-Konzept festgehalten ist: den Lagerplatz. Die Handwerker sollten unbedingt vor der Anlieferung des Materials abklären, wo dieses gelagert werden kann und wie viel Platz zur Verfügung steht. Auf dieser Grundlage können Menge und Reihenfolge der Materialien bei der Anlieferung bestimmt werden. Und auch hier zeigt sich: Gut organisiert ist halb gebaut. optibau.info