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2/2018 Fit im Holzbau

BEWEGEN

Messebesucher bauen das Bundeshaus 2025

Er war das Highlight der Swissbau 2018, der iRoom. Aufgebaut im Innovation Lab, einem Messeareal, das sich einzig und allein dem digitalen Planen, Bauen und Betreiben widmete. Dort wurde das digitale Bauen erklärt und an einem fiktiven Bundeshaus gebaut.

 Text Sandra Depner | Fotos Swissbau

Check-in 1. Ungeduldig rutschen die Besucher auf ihren Sitzplätzen hin und her. Was genau auf sie zukommt, wissen sie noch nicht. In Dauerschleife läuft ein untertitelter Film über Digitalisierung im Alltag und im Bauwesen. Aus heutiger Perspektive eine Zukunftsvision und eine kleine Einstimmung auf das, was im iRoom vertieft werden soll: Es geht um einen fiktiven Neubau des Bundeshauses – und die Beteiligten am Bau brauchen Hilfe von den Besuchern. Die Fragen nach dem Wie und Warum beantworten sich erst im Laufe der Show.


Fiktiver Ersatzneubau mit Cyber-Security

Ein Gong eröffnet die Show im iRoom. Vom Warteraum gelangen die Besucher in einen der drei abgedunkelten Räume, in deren Zentrum ein dreiteiliger Bildschirm die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Eine Nachrichtensendung der Zukunft läuft. Zwei Moderatoren stellen das aktuellste Projekt der Schweiz vor: Am 1. August 2025 soll der Ersatzneubau des Bundeshauses eröffnet werden. Ein Projekt, das neben modernster Technik und Bauweise auch die Prozesse der Kollaborationspartner widerspiegelt. Das neue Bundeshaus soll ein Bestandteil der vernetzten Welt sein und selbständig mit Nutzern und Umwelt interagieren. Es entspricht den neusten Nachhaltigkeitsstandards und ist im Notfall komplett selbstversorgend. Der neue Nationalratssaal ist als Hybrid konzipiert: Er besteht aus einer Mischung aus physischem und virtuellem Sitzungsraum. Auch auf der architektonischen Ebene wird auf Nachhaltigkeit gesetzt: Innovative Materialien dominieren den Bau, viel natürliches Licht und eine angenehme Akustik sorgen für nahezu perfekte Arbeitsbedingungen. Ausserdem spielt die Sicherheit eine zentrale Rolle. Dank Cyber-Security wird die Anwesenheit aller Personen automatisch in allen Räumen und jederzeit erfasst. Krisensichere Serverräume, verbunden mit redundanten Glasfaserleitungen, gehören zum Standard.

Notfall: Wenn der Fassadenbauer abspringt
Plötzlich reisst der Nachrichtenstream ab. Eine Tür öffnet sich und ein Architekt betritt den iRoom. «Wir haben ein Problem», sagt er und blickt in die Runde. «Ausgerechnet jetzt, wo der Bau schon recht weit fortgeschritten ist, hat der Fassadenbauer Konkurs angemeldet,» lautet seine Hiobsbotschaft. Das Bundeshaus braucht eine neue Fassade. Jetzt sind die Messebesucher gefordert, sich in das digitale Planen und Bauen hineinzudenken; sich zu fragen, wo welche Bedürfnisse liegen und ob sich allfällige Risiken lohnen. Insbesondere die Besucher, die noch nie zuvor mit digitalem Bauen, BIM oder Ähnlichem konfrontiert waren, erhalten während ihres rund zehnminütigen Aufenthalts im iRoom einen wertvollen Einblick in das Bauen der Zukunft.

 

 

Die Qual der Wahl: Bewährtes oder Risiko?
Während der Schauspieler mit Virtual-Reality-Brille das Bauprojekt auf den physisch leeren Tisch projiziert, verfolgen die Besucher im Check-in 1 seine Gesten auf dem Bildschirm. Sie sehen zwei Fassadenvarianten, die als Ersatz zur Wahl stehen. Die Entscheidung muss nun fallen: zwischen Fassade 1, einer ästhetischen und soliden Schweizer Produktion, und Variante 2, einer innovativen, energiesparenden und Award-verdächtigen Fassade, die aber auch kostenintensiver ist. Welche Fassade soll es werden? Es wird offen abgestimmt: Die Planer und die mehr oder weniger gut informierten Besucher wagen das Risiko und stimmen für die neue, innovative Fassade. Zur gleichen Zeit debattieren andere Besucher in den Räumen des Check-in 2 und Check-in 3 mit einem Generalplaner und einem Facility Manager. Dann öffnet sich die Tür zum grossen Plenum. Dort treffen sich alle Besucher und Fachplaner aus den drei Räumen. Da es sich um das Bundeshaus handelt, schaltet sich auch noch ein Nationalrat in die Diskussion ein: «Wir wollen Kollaboration, nicht Konfrontation», sagt er und schliesst sich dem Entscheid zur nachhaltigeren Fassade an. Damit endet die Tour durch den iRoom.

Digitale Innovationen im Innovation Village
Nach der Diskussionsrunde im i-Room besuchen die Teilnehmer das Innovation Village. Spätestens hier wird es auch für bereits im digitalen Prozess versierte Bauführer und Planer spannend. Das Innovation Village wurde gemeinsam mit 50 Partnern aus Forschung, Planung, Bau und Betrieb entwickelt und umgesetzt. Gemeinsam zeigen sie an der Swissbau ihre digitalen Innovationen, Produkte und Lösungen entlang des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Angefangen beim Planen mit Multikoptern zur Bestandsaufnahme, über HSR-Laserscanner, weiter zu Apps und Programmen, die Kollaboration zwischen den Fachplanern ermöglichen, bis hin zu den VR-Welten. Bei den Baupartnern im Swissbau Innovation Village sind auch bekannte Grössen der Holzbaubranche vertreten: Holzbau Schweiz, Lignum und die Berner Fachhochschule Biel. Wie BIM im modernen Holzbau aussieht, zeigt das Neubauprojekt vom Amt für Umwelt und Energie Basel; ein nachhaltiger Skelettbau in Holz-Beton-Hybridbauweise. swissbau.ch