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2/2018 Fit im Holzbau

BAUEN

Über dem Eis schweben

Seit Generationen drehen die Stadtzürcher ihre Pirouetten auf dem Eisfeld im Sportzentrum Heuried – oder jagen dort dem Puck hinterher. 50 Jahre nach der Eröffnung war das Sport- und Freizeitzentrum jedoch in die Jahre gekommen und musste saniert werden. Neben der Instandsetzung gönnten sich die Zürcher eine neue Eishalle mit einem Holz-Hybrid-Tragwerk, das über dem Baukörper zu schweben scheint. Gebaut wurde es von der Zaugg AG Rohrbach.

Text Dorothee Bauland | Fotos Damian Poffet für Zaugg AG Rohrbach, Markus Lamprecht

Das Freizeit- und Sportzentrum Heuried der Stadt Zürich war das erste und grösste seiner Art. Vor 50 Jahren überzeugten die Architekten Hans Litz und Fritz Schwarz mit ihrem Konzept für Sport, Erholung und Freizeit. Doch seit der Eröffnung 1966 war die Anlage mit Freibad, offener Kunsteisbahn, Fussball- und Tennisplätzen sowie einem Gemeinschaftszentrum in die Jahre gekommen. Was seinerzeit innovativ war, entspricht heute nicht mehr den Bedürfnissen der Bevölkerung. Unter anderem fehlte für die Eissportvereine die Möglichkeit, ganzjährig zu trainieren. Nachdem das Zürcher Stimmvolk 2014 einer Instandsetzung des Sportzentrums, dem Neubau einer Eissporthalle und einem Kredit von rund 81 Millionen Franken zugestimmt hat, konnten die Bauarbeiten im Oktober 2015 beginnen.

Ausgefeiltes Montagekonzept
Zunächst wurden die bestehenden Garderoben und Technikanlagen des Freibadbetriebs zurückgebaut. An ihrer Stelle entstand nach den Plänen des Zürcher Architekturbüros EM2N die neue Eissporthalle. Den Auftrag für die Holzbauarbeiten erhielt die Zaugg AG Rohrbach. Weil sich die Baustelle mitten in der Stadt Zürich befand – in unmittelbarer Nähe zur stark frequentierten Birmensdorferstrasse, zu Linienbusverkehr, Schulweg, Schulareal und Quartiersbebauung –, waren die Voraussetzungen für die Montage alles andere als einfach. So mussten die Spezialtransporte mit den bis zu 35 Meter langen Tragwerksbindern schon am frühen Morgen vor 5 Uhr erfolgen, noch bevor die Verkehrsbetriebe Zürich ihre Linienbusse in Betrieb nahmen. Für die Zaugg AG Rohrbach, die neben dem Holzbau auch auf Spezialtransporte spezialisiert ist, stellte dieser Umstand keine allzu grosse Herausforderung dar. Doch darüber hinaus gab es noch weitere Erschwernisse bei der Montage: Weil das Bauareal mitten im Wohnquartier liegt, durfte die maximale Arbeitszeit keinesfalls überschritten werden. Das wurde vorab vertraglich festgelegt. Das eigens erstellte Montagekonzept sah zudem vor, dass die Aufrichte während der Schulferien erfolgen musste. Denn der über 200 Tonnen schwere Mobilkran konnte nur ausserhalb des umzäunten Baustellengeländes, auf der engen Quartierstrasse mit dem Zugang zum Schulhaus Küngenmatt, aufgestellt werden. «Es erwies sich als grosser Vorteil, dass unsere Montageequipe, die Kranführer und Chauffeure ein eingespieltes Team sind», erklärt Geschäftsleiter Stephan Zaugg. «So konnten die logistischen Anforderungen problemlos gestemmt werden.»


Gewichtige Brettschichtholzträger

Der Neubau misst 82 auf 64 Meter und ist mit Eissporthalle, Restaurant und Garderoben in Holz-Hybrid-Bauweise konzipiert. Das Untergeschoss, die Geschossdecken wie auch die Stützen sind in Stahlbeton ausgeführt. Das Dachtragwerk ist aus Stahl und Holz, die Wände sind aus Holzbauelementen. Ungewöhnlich bei der Aufrichte war die Reihenfolge der Montage. «Bevor das Tragwerk aufgestellt werden konnte, mussten wir zunächst die vorgefertigten Aussenwände montieren», blickt Projektleiter Adrian Scheidegger auf die Bauzeit zurück. «Später wäre das wegen des umlaufenden Vordachs nicht mehr so einfach möglich gewesen.» So wurden über dem Sichtbetonsockel zunächst die äusseren Wandelemente vor die Betonstützen gehängt. Zuvor einbetonierte Halfenschienen erleichterten die Montage der Aussenwandelemente. Die Elemente sind mit 200 Millimeter dicken Stützen in Holzständerbauweise erstellt und mit Steinwolle gedämmt. Nach aussen sind 15 Millimeter starke MDF-Platten angebracht, verschalt mit einer vertikalen Fassade aus sägerohem, grundiertem und gestrichenem Fichtenholz. Zur Innenseite zeigen die Wandelemente OSB- und Dreischichtplatten, die aus Brandschutzgründen verputzt sind. Die Innenwände bestehen aus Kalk-sandstein, teilweise mit Vorsatzschale aus gelochten OSB- oder Lärchen-Dreischichtplatten. Für den Brandschutz wurde die Wand zum Gastronomie- und Technikbereich mit Gipsfaserplatten (REI 90) ausgestattet. Eine umlaufende Verglasung oberhalb der Wandelemente trennt die äussere Hülle optisch vom Dachtragwerk. Das Fensterband ist mit Holzfenstern realisiert, sorgt für viel Licht in der Halle und lässt das Dach förmlich über dem Eis schweben.


35 Meter Spannweite

Das Dach besteht aus zusammengefügten Walmdächern. Das grössere überspannt mit Trägern von 35 Metern Länge, 0,48 Metern Breite und bis zu 2,40 Metern Höhe das 29 Meter breite Eisfeld. Rund 34 Kubikmeter Brettschichtholz (GL28k) wurden je Träger verbaut. Die insgesamt acht Holzleimbinder sind – mit einem Achsabstand von 7,10 Metern – an der Aussenwand auf Betonstützen gestellt. An der gegenüberliegenden Seite, wo sich eine kleine Zuschauertribüne befindet, wären Stützen allerdings störend gewesen. Hier wurde die vertikale Abstützung daher weiter ins Gebäude gerückt. Die Spanne zwischen Betonpfeiler und Dachträger wird statisch mit einer Spange aus Holz und Metallstreben überbrückt. Diese Spezialkonstruktion ist mit den aussen liegenden Dachachsen verbunden und mit den Schwerlastverbindern «Megant» montiert.


Das kleinere Dachteil ist etwas weniger ausladend mit BSH-Trägern (GL24h) von 31 Metern Länge konstruiert. Markant ist das Vordach über dem Eingang und dem Restaurant mit einem Kragarm von 17 Metern. Direkt auf die Binder wurde ein Tragblech (SP 165) verlegt, das zusammen mit einem 0,8 Millimeter starken Stahlblech als Verlegehilfe sowie Dämmung, Dichtung und Begrünung die Dachhaut bildet. Im Bereich der Eishalle fiel die Entscheidung auf ein gelochtes Tragblech. Insgesamt wurden für das Dachtragwerk 725 Kubikmeter Fichten-/Tannenholz und für den gesamten Bau 951 Kubikmeter Holzwerkstoffe verbaut. Fast 89 Prozent davon stammen aus dem Schweizer Wald und sind in der Schweiz verarbeitet worden. Dafür ist das Gebäude mit dem Herkunftszeichen Schweizer Holz ausgezeichnet worden. Nur bei Holzwerkstoff-Produkten, die in Schweizer Holz nicht erhältlich sind, musste auf Importware zurückgegriffen werden.


Ökologischer Eissport
Neben dem Ausseneisfeld, das nach wie vor im Winter gerne genutzt wird, können die Zürcher Eissportvereine nun während elf Monaten im Jahr in einer Indoor-Eishalle trainieren. Dennoch wird der Eissport ökologisch nachhaltig ausgeübt: Das Gebäude erreicht den Minergie-Standard für Eissporthallen. Mit der Abwärme der umweltschonenden CO2-Kältemaschinen für die Eisproduktion können das neue Sportzentrum und das Gemeinschaftszentrum geheizt werden und auch die Warmwasseraufbereitung wird damit betrieben. Auf dem Dach ist eine Photovoltaikanlage montiert, die rund einen Viertel des Stromverbrauchs der gesamten Sportanlage abdeckt. Nicht zuletzt trägt auch die Verwendung von Schweizer Holz zur Nachhaltigkeit bei.


Zwei Jahre Bauzeit

Insgesamt zwei Jahre haben die Instandsetzungsarbeiten der Sportanlage Heuried und der Neubau der Eissporthalle gedauert. Nach der Grundsteinlegung im Oktober 2015 folgte schon ein Jahr später das Richtfest. Bis zur Aufrichte des Holz-Stahl-Tragwerks waren sechs Mitarbeiter der Zaugg AG Rohrbach rund drei Monate im Einsatz. Es folgten weitere vier Monate für den Ausbau. Ende September 2017 wurde die Anlage dann offiziell eröffnet und der Bevölkerung übergeben. stadt-zuerich.ch, heuried.ch


Zaugg AG Rohrbach

1936 gründete Ulrich Zaugg sein Unternehmen in Ursenbach (BE). Heute, mehr als 80 Jahre später und nur einen Ort weiter, ist der Betrieb noch immer in Familienhand. Mittlerweile wird das Unternehmen in Rohrbach von seinen Enkeln Stephan Zaugg und Martin Zaugg (Foto) geführt und beschäftigt derzeit 136 Mitarbeitende. Die Anzahl der Mitarbeiter hat sich allein in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Ausserdem wurde viel in die Automation investiert. Auch das Angebot wurde in den vergangenen 20 Jahren stetig erweitert. Die Abteilung Bau mit Zimmerei (55 Mitarbeitende) und Schreinerei realisiert Gewerbe- und Industriehallen, Wohn- und Spezialbauten sowie landwirtschaftliche Gebäude und Reithallen. Bewegt wird in den Bereichen Krantechnik, Schwer- und Spezialtransporte, Industrieumzüge, Hebebühnen und Stapler. Dieser Bereich hat sich seit 1969 aus eigenem Bedürfnis parallel zu Zimmerei und Schreinerei entwickelt. Ausserdem ist das Unternehmen im Bereich Bodenschutz für Baupisten, Parkplätze und Events im Einsatz. Durch das enge Teamwork der Planer, Techniker, Zimmerleute, Schlosser, Spengler, Schreiner und Chauffeure kann das Unternehmen seinen Kunden auch bei komplexen Projekten eine massgeschneiderte Lösung anbieten. Stephan Zaugg, Dipl. Ing. ETH: «Es ist ein Vorteil, die Infrastruktur und das Know-how im eigenen Haus zu haben. Aber oft auch muss die Zimmerei als interner Kunde dem externen Kunden den Vortritt lassen.» zaugg-rohrbach.ch


Sportzentrum Heuried

Objekt: Neubau Eissporthalle im Sportzentrum Heuried
Bauherrschaft: Stadt Zürich, Amt für Hochbauten, Zürich
Bauzeit: 2015–2017
Kosten (BKP 1–9): CHF 81 Mio.
Kosten Holzbau: CHF 3,65 Mio.
Grundfläche Eishalle: 5248 m2
Architektur: EM2N Architekten AG, Zürich
Bauleitung: B+P Baurealisation AG, Zürich
Bauingenieure: Schnetzer Puskas Ingenieure AG, Zürich
Holzbauingenieure: Pirmin Jung Ingenieure AG, Rain (LU)
Brandschutzkonzept: Balzer Ingenieure AG, Winterthur
Holzbau: Zaugg AG Rohrbach, Rohrbach (BE)
Brettschichtholz: Hüsser Holzleimbau AG, Bremgarten (AG)