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5/2018 Mehrgeschossig bauen mit Holz

BEWEGEN

Zwischen Wettbewerb und Wertschöpfung

Harter Preiskampf und viel Überzeugungsleistung: Mit diesen Herausforderungen sehen sich Holzbauunternehmer zusehends konfrontiert. Die Referenten am Holzbautag Biel boten Lösungen, wie Holzbau wirtschaftlich und wettbewerbsfähig bleibt – ohne aber an Ästhetik zu verlieren.

Text Sandra Depner, PD | Foto Hansueli Schärer

«Hier habt ihr das Budget – macht das Beste daraus. Und das bitte schnell.» So lauteten ganz knapp zusammengefasst die Vorgaben für das Bauprojekt des Ausbildungszentrums ZIVI am Schwarz-
see (FR). Eine grosse Herausforderung, der sich Architekt und Holzbauer gemeinsam in einer Werkgruppe stellten. Dieses Objekt ist ein Musterbeispiel für den Balanceakt, den Unternehmer heute bewältigen müssen. Es verlangt ein sensibles Austarieren der Ansprüche von Bauherrschaft, Architekt, Ingenieur und Holzbauer. «Wirtschaftlich und wettbewerbsfähig» war nicht nur die Massgabe beim Projekt ZIVI – so lautete auch der Titel des diesjährigen Holzbautags in Biel. 15 Referenten aus dem Holzbau, der Forschung und der Immobilienwirtschaft sprachen dort über kosteneffiziente Lösungen, die überzeugen sollten. Lösungen, die hohen architektonischen, konzeptionellen sowie bautechnischen Anforderungen ent-
sprechen und gleichzeitig Wertschöpfung sowie Gewinn generieren.


Was spart Zeit und Geld?
Wie Wirtschaftlichkeit und Architekturqualität Hand in Hand gehen können, das demonstriert das Ausbildungszentrum ZIVI am Schwarzsee. Ein Objekt kann immer aus verschiedenen Perspektiven beurteilt werden. Deshalb traten Architekt Oliver Schmid (0815 Architekten, Biel/Freiburg) und Holzbauunternehmer Walter Schär (Schaerholzbau, Altbüron) beim Holzbautag gemeinsam vor die 450 Kongressteilnehmenden. Sie erläuterten anhand des 2016 fertiggestellten Gebäudekomplexes, an welchen Stellschrauben sie drehten, um den Anforderung des strengen Kosten- und Zeitplans zu entsprechen. Zum Beispiel durch Vereinfachung: Die beiden Gebäude des Ausbildungszentrums sind identisch aufgebaut. Maximale Wertschöpfung in der Werkhalle und minimaler Zeitaufwand auf der Baustelle waren ebenso Erfolgsfaktoren. Dass die Bauten mit einer Höhe unter elf Metern als Gebäude mittlerer Höhe nur mit moderaten Brandschutzvorschriften belegt sind, war ebenfalls entscheidend. Als lohnend erwies sich auch die Investition in ein Musterzimmer: «Die Entscheidungsfindung mit der Bauherrschaft dauerte nur rund 30 Minuten. In Sitzungen ohne Mock-up hätte uns das Wochen gekostet», sagt Architekt Schmid rückblickend. Nicht nur das: Mithilfe des Mock-up wurden Daten analysiert, anhand derer Produktionszeiten, Kosten und Risiken auf das ganze Projekt projiziert werden konnten. «Wir Holzleute lieben unser Material extrem. Aber im Verliebtsein geht die Rationalität verloren. Wir müssen auch im Holzbau Richtung Standardisierung denken», stellte Walter Schär angesichts der Marktanforderungen in Aussicht.


Neben dem Ausbildungszentrum am Schwarzsee wurden weitere Bauprojekte im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und Wertschöpfung auf der Bühne in Biel diskutiert: das MAD3-Gebäude der Kantonspolizei Freiburg, der neue Campus Biel, der 2022 eröffnen soll, sowie der Ersatzneubau Quellengarten Aarau. Ein Themenblock widmete sich der Frage, wie bereits im Architekturwettbewerb die Weichen Richtung Holzbau gestellt werden können. Antworten dazu gab es von einer Reihe von Architekten: von jenen, die schon länger im Geschäft sind wie beispielsweise Yves Schihin (Burkhalter Sumi Architekten), der von drei kürzlich gewonnenen Wettbewerben berichtete. Aber auch für den Nachwuchs wurde Raum geschaffen: Die BFH-Studierenden aus dem Master Architektur stellten ihre Visionen von grossmassstäblichen Strukturen in Holz vor.


Was will der Kunde?
Die in Biel analysierten Objekte – gebaut oder geplant – zeigen, dass Architektur und Wirtschaftlichkeit keine Gegensätze sein müssen. Besonders dann nicht, wenn Holzbauer und Architekt sich gut austauschen. Bleibt noch eine Frage offen: Was will der Kunde? Antworten darauf gab Birgit Neubauer-Letsch, Leiterin KB Management und Marktforschung an der BFH. Auf Grundlage von Baubewilligungen sowie Absatz- und Verkaufsdaten analysierte sie mit ihrem Team die Trends für den Bau- und Holzbaumarkt: Zum einen sei das Potenzial an Anbauten und Aufstockungen im Einfamilienhaussegment noch lange nicht ausgeschöpft. Hier bestehe jedoch Aufklärungsbedarf seitens der Bauherrschaft. Bei neu geplanten Mehrfamilienhäusern in Holzbauweise zeige sich andererseits ein Trend zu immer grösseren Gebäuden. Was die Motive der Bauherrschaften und Planer für Entscheidungen angeht, rief Neubauer-Letsch die Unternehmer dazu auf, mit den Kunden zu kommunizieren: auf Augenhöhe mit der Zielgruppe und auf dem entsprechenden Kanal. «Entscheidungen werden heute vermehrt online getroffen: auf Instagram, LinkedIn oder Xing», so die Marketingexpertin. Eine Umfrage (siehe Grafik) ergab, dass sich lediglich ein Viertel der Bauherren und Architekten genügend fachlich informiert fühlt. Viele wünschen sich mehr Informationen zu Konstruktionsvarianten, Nachhaltigkeit oder Lebenszykluskosten. Neubauer-Letsch forderte auch zu einem intensiveren Austausch innerhalb der Branche auf: «Die Beteiligten müssen zu einer gemeinsamen Sprache finden. So wie in der Werkgruppe von Walter Schär, bei der sich die Planer gemeinsam der Herausforderung stellen.»