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5/2018 Mehrgeschossig bauen mit Holz

BAUEN

Fünfstockiger Ersatzneubau

Das neue, fünfstöckige Mehrfamilienhaus thront seit letztem Sommer über dem Vierwaldstättersee. Für den Ersatzneubau setze die Marty Architektur AG auf Holz.

Text und Fotos Marty Architektur AG

Die beiden Mehrfamilienhäuser aus den 1950er Jahren waren am Ende ihres Lebenszyklus angelangt. An ihrer Stelle sollte ein Ersatzneubau realisiert werden. Die Ansprüche der Bauherrschaft waren hoch: Innerhalb eines engen Kostenrahmens sollte in Küssnacht (SZ) ein herausragendes Mehrfamilienhaus entstehen, in welchem Familien aller Altersgruppen ansässig sein können. Mit dem Konzept für ein Gebäude aus dem nachhaltigen Baustoff Holz wurde die Marty Architektur AG in Schwyz beauftragt. Das Architekturbüro verfügt bereits über mehrjährige Erfahrungen mit Holzbauten.


Position und Volumen

Das neue Mehrfamilienhaus an der Hörnlistrasse sollte sich in das vorhandene Umfeld der bestehenden Wohnsiedlung integrieren. Ausserdem sollte es für sich und die umliegenden Häuser die Besonnung und die Aussicht massgeblich verbessern. Diesem Wunsch wurde durch einen Versatz im Volumen entsprochen. Die Grösse des Bauvolumens konnte durch eine maximale Ausnutzung des Zonenplans erreicht werden. Im Verhältnis zu den zwei vorherigen Bestandsbauten wurde ein zusätzliches Vollgeschoss realisiert und das Gesamtvolumen um 2450 Kubikmeter vergrössert. Die umgebenden Gebäude in ihren formalen und materiellen Aussagen prägen die Struktur und die Abstraktion des Neubaus. Die Fassade des Ersatzbaus präsentiert sich in einer modernen Formensprache; mit grossflächigen Alucobond-Verbundplatten und einer unbehandelten Fichtenschalung in den Balkonnischen.

 

Das neue Volumen ist in die zwei Funktionsebenen Sockelgeschoss und Wohngeschosse unterteilt. Das Sockelgeschoss mit Hauptzugang von Süden bietet Platz für die Haustechnik, die Kellerabteile, die Tiefgarage mit 25 Parkplätzen und ein Studio. Darüber liegen drei Wohngeschosse mit je vier Wohnungen, die durch einen Treppen- und Liftkern erschlossen sind. Von den zwölf Wohnungen verfügen sechs über 4,5 Zimmer und je drei über 3,5 und 2,5 Zimmer. Das Attikageschoss ist mit zwei Wohnungen zu je 3,5 Zimmern ausgestattet. Insgesamt konnten 15 Wohnungen mit Blick auf den Vierwaldstättersee und Küssnacht realisiert werden.


Entscheid für Holz

Holz kommt als CO2-neutralem, umweltfreundlichem Baustoff ein hoher Stellenwert zu. Das Material ist vielseitig einsetzbar und kann zu grossen Teilen aus hiesiger Produktion und aus Schweizer Wäldern angeboten werden, es ist biologisch abbaubar und sorgt als organischer Baustoff für ein optimales Raumklima. Die technische Weiterentwicklung im Holzbau ermöglicht zudem eine effiziente Vorfertigung und Montage. Die witterungsgeschützte Vorfabrikation im Werk lässt eine gute Qualitätskontrolle zu und erlaubt kurze Montagezeiten. Das alles sprach für die Realisation des Projekts in Holzbauweise. Im Gegensatz zu einem Massivbau kann ein Holzbau zudem ein längerfristiges Setzungsverhalten durch das Erdreich besser aufnehmen. Dank einer diffusionsoffenen, hinterlüfteten und atmungsaktiven Bauweise wird ein angenehmes Raumklima ohne Feuchtigkeitsschäden in Form von Schimmelpilzbildung an den Innen- und Aussenwänden garantiert.

 

Hochgedämmte Gebäudehülle
Das neue Mehrfamilienhaus in Küssnacht ist – mit Ausnahme des Treppenhauses – ein Holzbau durch und durch. Alle statischen und trennenden Bauteile wurden aus Holz gefertigt. Das Kernstück des Energiekonzepts ist die hochgedämmte Gebäudehülle, die es erlaubt, zusammen mit Schweizer Holz als nachhaltigem Energieträger, den Minergie-P-Standard zu erfüllen. Die Beheizung erfolgt mittels Fernwärme, welche einen hohen Anteil an erneuerbaren Energien ausweist. Die Zwischenböden mit Brandschutzanforderung REI 60 sind in sichtbaren Eggo-Elementen ausgeführt. Dank der Hohlkastenkonstruktion mit nur 26 Zentimetern hohen Elementen können Spannweiten von bis zu sechs Metern elegant überbrückt werden. Zur Erreichung der erhöhten Schallschutzanforderungen reichten eine zusätzliche Schüttung mit Kalksplitt über dem Holzboden und ein konventioneller Unterlagsboden. Die Multifunktionsfähigkeit der Elemente kam auch beim Innenausbau zum Tragen. So sorgen die eingebauten Spotlampen für eine optimale Ausleuchtung des Wohnraums. Die Aussenwände mit Brandschutzanforderung REI 60 wurden in Holzständerbauweise realisiert und erfüllen ebenfalls verschiedene Funktionen. Als Aussenfassade kamen elegante, grossflächige Alucobond-Verbundplatten zum Einsatz. Die Fassadenwände sind wohnraumseitig sichtbar und mit grossformatigen Dreischichtplatten aus Fichtenholz verkleidet. Auf die Gipsfaserplatten der Innenwände wurden Weissputz und Variovliestapeten aufgebracht. Darunterliegende Lattenroste dienen als Installationsebenen und reduzieren gleichzeitig Schallnebenwege an den Boden- und Deckenabschlüssen.

 

Planung im 3D-Modell
Die gesamte Planung wurde in enger Zusammenarbeit zwischen dem Architekten, dem Holzbauplaner und der ausführenden Zimmerei im 3D-Modell abgewickelt. Dadurch konnten die Schlüsselstellen frühzeitig erkannt und die entsprechenden Probleme vorab gelöst werden, was massgeblich zur effizienten und kurzen Montagezeit auf der Baustelle beitrug. Die konsequente Anwendung der Holzständerbauweise und die Konzentration auf den Werkstoff Holz ermöglichten es, das enge Zeitfenster für die Bauarbeiten sowie den engen Kostenrahmen einzuhalten. Sämtliche Bauteile wurden vor Ort in kurzer Zeit zusammengefügt. Der Bezug durch die neuen Mieter erfolgte nach nur 13 Monaten Bauzeit – inklusive der Abbrucharbeiten der zwei alten Mehrfamilienhäuser. eggholz.ch, holzhaus-schmidlin.ch, marty-architektur.ch