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5/2018 Mehrgeschossig bauen mit Holz

BAUEN

Mehrgeschossig bauen mit Holz

Pensionierte werden die Nachfrage nach Wohnraum in der Schweiz zunehmend prägen. In diesem Zusammenhang zeichnet sich ab, dass der Bedarf nach kleineren Wohnungen mit zwei bis drei Zimmern steigt. In Brügg bei Biel wurde dieser Bedarf erkannt und mit dem Projekt Muttimatte baulich durch die Stuber & Cie AG umgesetzt.

Text Dorothee Bauland, Nik Stuber | Fotos Stuber & CIE AG Holzbau

Pensionierte suchen nach kostengünstigen, gemütlichen und ruhigen Wohnungen. Gemäss einer Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen (IFZ) der Hochschule Luzern von 2016 ist der Immobilienmarkt jedoch nur schlecht darauf vorbereitet. Das liegt unter anderem daran, so die Studie, dass die Immobilienwirtschaft Pensionierte falsch einschätzt, deren reale Bedürfnisse verkennt und den Fokus vor allem auf Wohnen mit Betreuung ausrichtet. Was den Bau spezieller Wohnungen für Ältere anbelangt, reiche es aber nicht, sich auf Pflegeplätze zu konzentrieren.

 

Lebensqualität vor Gewinnmaximierung
Zum Projekt «Alterswohnen Muttimatte» in Brügg (BE) zählen drei Gebäude mit 27 Wohnungen, die entweder über 2,5 oder 3,5 Zimmer verfügen. Es sind grosszügige, lichtdurchflutete Wohnungen für Mieter in der zweiten Lebenshälfte. Die Wohnungen wurden nach den Richtlinien des altersgerechten Wohnens geplant und bieten ihren Bewohnern einen hohen Komfort, unter anderem durch den vollständig schwellenlosen Ausbau. Das Besondere an dieser Überbauung sind auch die unterschiedlichen Kontaktzonen. Privatsphäre ist für die eigene Wohnung vorgesehen, Halbprivates ist in der Begegnungszone auf der eigenen Etage möglich, der Gartenbereich dient als öffentlicher Raum. Das Konzept der Siedlung soll aber nicht nur den Kontakt zwischen den Bewohnern fördern, sondern auch mit der umliegenden Nachbarschaft und der Gemeinde, die in diversen Ressorts unterschiedliche
Dienstleistungen anbietet. Als Immobilienträger fungiert die Wohnbaugesellschaft Biwog, die im gemeinnützigen genossenschaftlichen Wohnungsbau die Lebensqualität vor die Gewinnmaximierung stellt.

 

Ökologisch gebaut mit Holz und Solaranlage
Ökologisches Bauen und der Einsatz erneuerbarer Energien haben in der Muttimatte ebenfalls grosses Gewicht. Die drei Wohnblöcke sind – abgesehen von Treppenhaus und dem Untergeschoss – komplett aus Holz gebaut. Eine kontrollierte Lüftung hilft Energie sparen, geheizt wird mit Holzpellets und die Solaranlage auf den Dächern liefert Strom. Der Einsatz von erneuerbaren Energien soll auch die Nebenkosten tief ?halten.


Nicht immer passt ein Projekt so ideal zur Unternehmensphilosophie und -strategie, wie es bei diesem Projekt für die Stuber & Cie AG aus Schüpfen (BE) der Fall war. Mit der Bauherrschaft und den Architekten hatte Generalunternehmer Nik Stuber zudem Partner an seiner Seite, die seine Grundsatzgedanken zur Nachhaltigkeit und zur 2000-Watt-Gesellschaft voll unterstützten. Auch die Dimension des Projektes – drei Gebäude mit 27 Wohnungen auf drei Stockwerken – war für Stuberholz äusserst interessant. Die nahezu vollständig in Holzbauweise realisierten Mehrfamilienhäuser bilden eine Besonderheit im Grossraum Biel.

 

Holzbauweise ab Erdgeschoss
Die Parzelle liegt an einer Hauptstrasse und steigt mit einer Neigung von etwa sechs Prozent gegen Norden leicht an. Die Geometrie der Parzelle, die geografische Ausrichtung und die in der Umgebung vorherrschende Bebauungsstruktur führten zu einem Konzept mit drei hintereinander gestaffelten Baukörpern, deren Firstrichtung parallel zum Hang läuft. Die Untergeschosse sind mit einer von der Hauptstrasse zugänglichen Einstellhalle verbunden. Ein Gehweg mit einer nutzergerechten Steigung erschliesst die Eingänge für den Fuss- und Veloverkehr. Die Umgebungsflächen sind für alle Bewohner gleichermassen zugänglich und sollen der Entspannung dienen. Die altersgerechten Kleinwohnungen verfügen alle – ob nun mit 2,5 oder 3,5 Zimmern – über eine Loggia. Je Geschoss gibt es eine gemeinsame, beheizte Vorzone. Die drei Gebäude «Süd», «Mitte» und «Nord» sind ab Erdgeschoss als Holzbau mit teils tragenden Holzinnenwänden und Holzdecken in Fichte/Tanne ausgeführt. Die Fassade präsentiert sich mit einer sägerohen, vorvergrauten Schalung aus sibirischer Lärche.

 

Schallschutz und Isolierung
Ein besonderes Augenmerk galt neben den ökologischen Aspekten auch dem Schallschutz und der Raumakustik. Ein Lärmschutzgutachten zeigte, dass im vorgelagerten Haus «Süd» zusätzliche Schallschutzvorkehrungen erforderlich waren, um den Anforderungen für Wohnräume zu genügen. Die 240 Millimeter starke Tragkonstruktion (Duo NSi) der Aussenwände ist mit Isofloc-Zellulosefasern gedämmt und nach innen mit luftdicht verklebten OSB-Platten (25 mm), KV-Latten (50 mm) sowie Mineralfaserplatten (40 mm, 0,032 W/mK) versehen, die mit Gipsfaserplatten (12,5 mm) beplankt sind. Nach aussen sind auf die Tragkonstruktion Gipsfaserplatten (15 mm) aufgebracht. Die horizontale, geschlossene Fassadenschalung (Nut und Kamm) ist aus sibirischer Lärche realisiert. Die Hinterlüftung beträgt 40 Millimeter. Für die nicht tragenden Innenwände kamen jeweils Leichtbauwände mit Metallständern aus C-Profilen zum Einsatz, die mit Flumroc-Steinwolle gedämmt und mit Gipsfaserplatten geschlossen sind. Zusätzlich sorgen eine Luftschicht und eine Mineralfaserdämmung für Isolation. Die äussere Beplankung der Innenwände erfolgte ebenfalls mit Gipsfaserplatten. Die tragenden Innenwände sind im inneren Aufbau mit OSB-Platten verstärkt.


Die Wohnungstrenndecken wurden mit Brettschichtholz-Trägern von 80 auf 160 Millimetern der Festigkeitsklasse GL24h realisiert und beidseitig mit Dreischichtplatten (27 mm) beplankt. Nach unten sind die KV-Latten mit Federbügeln abgehängt und mit Gipsfaserplatten verkleidet. Um eine gute Trittschalldämmung zu gewährleisten, liegen auf der Deckenkonstruktion Gartenplatten (40 mm), Dämmung (40 mm) und der Unterlagsboden (70 mm). Als sichtbarer Bodenbelag kam 8 Millimeter starkes Eichenparkett zum Einsatz. Für die Fenster fiel die Wahl auf ein Holz-Metall-Verbundsystem. Die Satteldächer sind mit Photovoltaikanlagen ausgestattet.

 

Mandat als Generalunternehmer
Die Stuber & Cie AG übernahm das GU-Mandat ab Oberkante Untergeschossdecke für den gesamten Bau. In Eigenleistungen erbrachte Stuberholz neben den Holzbauarbeiten auch die Schreinerarbeiten, die Fenstermontage und das Verlegen des Parkettbodens. Insgesamt kamen für das Tragwerk in Holzrahmenbauweise rund 200 Kubikmeter Brettschichtholz (Fichte?/?Tanne) zum Einsatz. Die Vorfertigung der Elemente in der Werkhalle in Schüpfen dauerte je Gebäude rund zwei Monate. Die Aufrichte war nach jeweils drei Wochen abgeschlossen. Für den Ausbau verbrachte das Stuberholz-Team unter der Leitung von Jonas Reichmuth weitere zwei Monate je Haus auf der Baustelle. «Das Projekt Muttimatte, unser bisher grösster GU-Auftrag, hat für uns die Weichen in die Zukunft gestellt», resümiert Holzbauunternehmer Nik Stuber.


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