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06/2017 Tradition neu gebaut

BAUEN

Vergangenheit ohne Verklärung

«Ein Bauernhaus oder ein Loft, etwas anderes wäre für uns nicht infrage gekommen.» Mit drei Doggen, drei Mini-Schweinen und vier Katzen und waren die Prioritäten bei der Suche nach einem neuen Zuhause für die Bauherren klar gesetzt. Gefunden haben sie am Ende ein Bauernhaus im abgelegenen Weiler Sunnenbüel bei Oberembrach (ZH). Und mit der Schäfer Holzbautechnik AG ein Unternehmen, das den Umbau einfühlsam umgesetzt hat.

TEXT DOROTHEE BAULAND, ROLAND HÜSSER & STEFAN SCHMID GMBH FÜR BAUKUNST | FOTOS STEFAN KÜNG

Das Bauernhaus von 1848 liegt nur wenige hundert Meter von der Stadtgrenze Winterthur entfernt und ist im Weiler Sunnenbüel, Oberembrach, dennoch sehr abgeschieden. Bei ihrer ersten Begehung fanden die Bauherren eine grosszügige Liegenschaft vor, die noch kurz zuvor landwirtschaftlich genutzt wurde. Das Wohnhaus wirkte nahezu unberührt, doch auf dem Anwesen wurde im Laufe der Jahrzehnte diverse Male um- und angebaut. Die Bauherren waren sich mit  den Architekten Roland Hüsser und Stefan Schmid aus Lenzburg sofort einig, dass ein Grossteil dieser Eingriffe rückgängig gemacht werden müsse. Ausserdem sollte der Umbau nach baubiologischen Kriterien umgesetzt werden. Vor allem wünschten sich die neuen Besitzer ein schönes, aber auch ein praktisches Haus: «Wir wollten kein Museum, sondern ein Haus, in dem wir leben können.»


Brandschutzwand integriert

Der Umbau erfolgte mit grosser Rücksicht auf das äussere Erscheinungsbild, beachtete aber zugleich die Bedürfnisse der Bauherren und ihrer Tiere. Bislang ungenutztes Wohnraumpotenzial boten vor allem die Tenne und ein Anbau auf der Westseite. Dieser Anbau war der einzige, der im Rahmen des Raumkonzeptes erhalten wurde, stellte sich aber im Verlauf des Umbaus als asbestbelastet heraus. Eine fachgerechte Sanierung war unumgänglich. Glücklicherweise gab es keine weiteren negativen Überraschungen während des Umbaus. Hinsichtlich Denkmalpflege gab es für das alte Bauernhaus lediglich die Auflage zum Ortsbildschutz: Das äussere Erscheinungbild und der bäuerliche Charakter der Liegenschaft sollten erhalten bleiben. Prägende Auswirkungen für Bauprozess hatten jedoch die Vorgaben der Brandschutzbehörde. Unter anderem musste eine zehn Meter hohe Brandschutzwand integriert werden. Diese Mauer stellte auch die Schäfer Holzbautechnik AG aus Dottikon (AG) vor Herausforderungen, denn dadurch war kein Zugang mehr für vorgefertigte Holzbauelemente möglich, nur die Treppe konnte bereits vorab montiert werden. So wurden sämtliche Holzbauarbeiten vor Ort ausgeführt. Zunächst standen für die Zimmerleute aus Dottikon jedoch die Rückbauarbeiten und die Tragwerkssanierung an.

Möglichst wenig verändert

Bei den Umbauarbeiten sollte so wenig wie möglich am bestehenden Gebäude verändert und nur so viel wie nötig saniert werden. Das vorhandene Holz war aber teils schon stark beschädigt, so dass zahlreiche verfaulte und verwurmte Holzteile abgebeilt werden mussten. Auch wurde ein Teil der bestehenden Einbauten entfernt, um aus der Kleinräumigkeit vergangener Tage ein grosszügiges und zeitgemässes Zuhause zu machen. Dabei kamen auch einige bauliche Schönheiten zutage. Insbesondere die Riegelwand zwischen Ökonomie- und Wohnteil wurde nach dem Umbau zum zentralen Blickfang und steht im Kontrast zur modernen Küche. Dafür mussten aber zunächst das Holzständerwerk und die verputzten Ausfachungen renoviert werden. Als besonders freudige Überraschung stellte sich während der Umbauphase heraus, dass die Decke über dem Obergeschoss in tadellosem Zustand war. Hier konnte durch Reinigen ein alter Bauteil mit wenig Aufwand in die Neuzeit überführt werden. Ohne jegliche Verklärung klingt auch in anderen baulichen Details die Vergangenheit an; sei es im erhaltenen Tonplattenboden im Eingang, in der Verwendung alter Türblätter als Schiebetüren oder in der Renovation alter Fenster als Lichtquelle für den introvertierten Arbeitsbereich. Die Aussenwände und Dachgesimse konnten mittels Malerarbeiten erneuert werden und die neuen, grossen Verglasungen im Ökonomieteil erzählen wie selbstverständlich von den alten Scheunentoren. Die Materialisierung der Oberflächen lehnt sich stark an die vorgefundenen und traditionellen Elemente und Techniken an: Bei den Bodenhölzern sind es Eiche und Lärche, Lehm und Kalk sind als ungestrichene Wandverputze bestimmend, bei den Farben kommen Anstriche auf Ölbasis zum Einsatz.


Tragwerk statisch ertüchtigt
Im Rahmen der Holzbauarbeiten wurde das Tragwerk des Gebäudes saniert und statisch ertüchtigt. Das dreiköpfige Team von Zimmermeister Hansjörg Steiner, der während der viermonatigen Bauzeit die Projektleitung innehatte, montierte neue Decken und baute Innenwände in Holzständerbauweise ein. Im Haus wurden Massivholzböden verlegt und im Aussenbereich Holzroste um den Whirlpool. Die Aussenwände erhielten eine Dämmung und die Fassadenschalung auf der Westseite wurde der bestehenden nachempfunden und mit einer schützenden Lasur versehen. Alleine für die Konstruktionen, für Dach, Dämmung und Fassade kamen 15 Kubikmeter Bauholz (C24), 100 Quadratmeter Dreischichtplatten und 250 Quadratmeter Rauspundschalung zum Einsatz. Die Massivholzböden sind mit rund 250 Quadratmetern geöltem Lärchen- und Eichenholz ausgeführt. Im bestehenden Wohnhaus wurden alle Fenster ersetzt, die Wände innen mit Dämmputz versehen sowie Keller-und Estrichdecke und die alte Riegelaussenwand dick nachgedämmt. Bewahrt werden konnte der alte Eingang. Durch das Verlegen der Treppe entstand ein grosszügiger Zugangsbereich mit Garderobe und Gästedusche. In der ehemaligen Küche wurde ein Gästezimmer eingebaut und durch Abbruch eines Teils der Zwischendecke im östlichen Teil des Gebäudes konnte ein überhoher Wohnraum mit einer weiteren Galerie realisiert werden. Im übrigen Teil des Obergeschosses wurden ein Bad, zwei Schlafzimmer und ein offener Arbeitsbereich eingebaut. Küche, Essbereich und eine Galerie befinden sich neu im ehemaligen Ökonomieteil des Bauernhauses. Bestimmend für den neuen Raum in der ehemaligen Tenne ist eine Kombination aus Küche und Esstisch. Der Schreiner fertigte das sieben Meter lange Möbel auf Mass an. Dem langen und verhältnismässig schmalen Raum kommt die zweiseitige Verglasung zugute, die auf der einen Seite das alte Scheunentor ersetzt. An der Ostseite der Küche blieb das Scheunentor bestehen. Es schützt die Loggia, die unter einem grossen Vordach entstanden ist. Hier haben die Bewohner  einen heimeligen Sitzplatz mit Blick auf den grosszügigen Umschwung. schaefer-holzbautechnik.ch, baukuenstler.ch

Umbau Bauernhaus

Umbauprojekt: Bauernhaus von 1848
Architekten: Roland Hüsser & Stefan Schmid GmbH für Baukunst, Lenzburg (AG)
Holzbau: Schäfer Holzbautechnik AG, Dottikon (AG)