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06/2017 Tradition neu gebaut

BAUEN

Neues Bauernhaus unter altem Dach

Im Napfgebiet, im Herzen der Schweiz und an der Grenze zum Emmental und zum Entlebuch, hat das Bauen mit Holz noch Tradition. Und auch die Milchwirtschaft ist hier fest verankert. Markus Stirnimann, Geschäftsführer der Napf-Chäsi in Luthern (LU), und seine Frau Lucia fühlen sich beidem sehr verbunden. Mit der Dubach Holzbau AG haben sie jetzt ihren Traum vom Bauernhaus im Berner Stil realisiert.

TEXT DOROTHEE BAULAND | FOTOS DUBACH HOLZBAU AG, CLAUDIA REINERT

Der Bauernhof Mittler Gernet in Luthern (LU) liegt auf einer kleinen Anhöhe im Napfbergland, 900 Meter über Meer. Errichtet wurde das alte Bauernhaus im Jahr 1917 und bis vor zwei Jahren ist es noch von den letzten betagten Besitzern bewohnt worden. Lucia und Markus Stirnimann, die in Luthern die Napf-Chäsi betreiben, haben es bereits 2013 erworben. Zwei Jahre lang haben sie sich intensiv mit den alten Gebäuden auf ihrem neu erworbenen Hof befasst. «Diese Kennenlernzeit war sehr wichtig für uns. Wir haben in dieser Zeit immer mehr gespürt, wie das umgebaute Haus werden soll», erinnert sich Lucia Stirnimann, «aber auch gemerkt, dass die Gebäude genau richtig ausgerichtet sind.» Schnell war klar, dass der Bestandsbau die Wünsche der siebenköpfigen Familie an einen zeitgemässem Wohnkomfort nicht erfüllen kann. Das Gebäude war in einem eher schlechten Zustand. Fundament und Wände mussten definitiv ersetzt werden. Auch der Ausbaustandard, die Energiebilanz und der Grundriss entsprachen nicht mehr den heutigen Wohnvorstellungen, energetischen Anforderungen und gesetzlichen Bestimmungen. Lediglich der Dachstock war noch sehr gut erhalten und sollte deshalb weiter genutzt werden. Mit der Dubach Holzbau AG aus dem nahe gelegenen Hüswil (LU) und dem Architekturbüro LBG Sursee haben die Stirnimanns dann die kompetenten Baupartner gefunden, die ihren Traum vom traditionellen Berner Bauernhaus umsetzen konnten. «Wir kennen Stefan und Judith Dubach gut, da wir im selben Gewerbeverein sind. Und wir wussten, dass die Dubach Holzbau AG alles daransetzen wird, ein tolles Projekt zu realisieren», begründet Lucia Stirnimann ihre Wahl. «Es ist auch so, dass mehrere ihrer Mitarbeiter aus unserem Dorf stammen.» Die LBG-Architekten seien ihnen empfohlen worden, weil sie mit dem Bauen in der Landwirtschaftszone bereits Erfahrung hatten.


Bauernhaus im Berner Stil

Das neue Zuhause der Familie Stirnimann sollte auf jeden Fall ein originales Berner Bauernhaus werden. Im Grenzgebiet zum Emmental gibt es noch viele der alten Häuser im Berner Stil. Der Ersatzneubau unter dem alten Dach sollte durch einen typischen Bogengiebel, die sogenannte Ründi, geprägt sein. Ausserdem sollte der stattliche Holzbalkon die gleiche Verzierung erhalten wie der benachbarte Spycher. Wichtig war der Bauherrschaft zudem eine massive Holzfassade mit Wandbohlen. «Das neue Bauernhaus sollte so gebaut werden, wie das früher der Fall war, aber heutigen energetischen Ansprüchen genügen», erklärt Holzbauunternehmer Stefan Dubach. Die Vorgehensweise für die bauliche Umsetzung dieses traditionellen Bauernhauses war jedoch ganz anders als in damaligen Zeiten. Das traditionelle Wandsystem wurde in Elementbauweise ausgeführt. «Um für den komplexen Wandaufbau eine konstant hohe Qualität und schnellere Montagezeiten zu erzielen», so der Zimmermeister, «haben wir die Elemente in unseren Werkhallen vorproduziert.» Die Leitung der Holzbauarbeiten übernahm Hansjörg Scherrer, der als Projektleiter bei der Dubach Holzbau AG tätig ist. Er plante auch mit viel Fingerspitzengefühl die Details in der Fassade des Neubaus.


Nach einer intensiven Planungsphase wurde das Bauernhaus dann ausgehöhlt und das Dach unterstellt. «Dass durch die Erhaltung des Dachstocks die Raumeinteilung nicht einfacher wurde», so Lucia Stirnimann, «war uns natürlich klar.» Dennoch ist es Markus Häfliger und Erich Meier von den LBG-Architekten gelungen, alle Raumwünsche unterzubringen. Der viergeschossige Neubau verfügt nun über drei Wohnungen auf vier Etagen sowie Einliegerzimmer im Untergeschoss. Die Herausforderung für Projektleiter Hansjörg Scherrer und sein Team bestand darin, den Holzbau unter den örtlichen Gegebenheiten, den gesetzlichen Bestimmungen zum Brandschutz und den zeitgemässen Anforderungen an Wärme- und Feuchteschutz, Tritt- und Luftschall zu erstellen – und dann unter dem bestehenden Dach aufzurichten. Dafür mussten alle planerischen Vorleistungen konsequent umgesetzt werden, sowohl durch den Holzbauer wie auch durch alle weiteren Baubeteiligten.


Gebaut mit Schweizer Holz

Familie Stirnimann entschied sich bei ihrem Bauprojekt nicht nur für ein traditionelles Bauernhaus und regionale Unternehmen, sondern auch für heimisches Baumaterial. Das gesamte Holz für die sichtbaren Wandbohlen, die Deckenbohlen und das dazugehörige Konstruktionsholz stammt aus der nahen Umgebung. Für die Verwendung im sichtbaren Bereich wurde durch die Dubach Holzbau AG eine entsprechend hochwertige Holzqualität ausgewählt und nach Liste eingeschnitten. «Das bedingte eine längere Vorlaufzeit, die im Terminplan berücksichtigt werden musste», so Stefan Dubach. «Dafür konnte aber die gesamte Wertschöpfung entlang der regionalen Holzkette genutzt werden.» Das Holz wurde in der örtlichen Sägerei vorbereitet, sämtliche Holzbauarbeiten, inklusive der inneren und äusseren Verkleidungen, der Terrassen und der Projektplanung, führte die Dubach Holzbau AG aus.

Das Haus wurde mit möglichst vielen natürlichen Materialien und zugleich nach technisch aktuellem Stand gebaut. Die Geschossdecken des viergeschossigen Neubaus sind in einem Holz-Beton-Verbund-System mit massiven Bohlenbrettern ausgeführt, was sich auch im Innern der Architektur des Bauernhauses widerspiegelt. «Die Vorteile der hybriden Deckenkonstruktion zeigten sich in diesem Projekt deutlich», so Dubach. «Die grossformatigen Deckenelemente mussten unter dem bestehenden Dach eingebaut werden. Da war es hilfreich, dass die Installationen in den Decken vor Ort einbracht werden konnten und erst dann der Beton eingegossen wurde.» Das hohe Eigengewicht der Decken wirkt sich ausserdem positiv auf das Schwingungsverhalten aus: Die Tritt- und Luftschallwerte sind sehr gut und auch der Brandschutz profitiert davon. Die Bemessungen und die Nachweisführungen der hybriden Holz-Beton-Verbunddecken erfolgten durch Elmar Kunz und Florian Merkel von Pirmin Jung Ingenieure aus Rain (LU). Nach innen ist der Holzbau mit Schafwolle und gegen aussen mit Zellulosedämmung isoliert. Die neue Raumhöhe im Gebäude beträgt gut 2,30 Meter je Etage. Zur Erschliessung der Stockwerke war der Einbau eines Treppenhauses mit Lift erforderlich. An der Südfassade wurden in den Wohnzimmern der drei Wohnungen jeweils grosse Balkon-Schiebetüren eingebaut, die einen grosszügigen Ausblick auf die hügelige Napflandschaft ermöglichen und gleichzeitig viel Licht in die Räume lassen.


Glücklich im Holzhaus

Nach nur gut einem Jahr Bauzeit war es dann so weit und die Familie Stirnimann konnte im Oktober 2016 in ihr neues Berner Bauernhaus einziehen. Bis dahin war die Dorfkäserei das Familiendomizil. «Es war ein altes Backsteinhaus. Auch dort war es schön, zu wohnen – aber es steht in keinem Vergleich zu unserem neuen Zuhause», zeigen sich Lucia und Markus Stirnimann mit ihrer Entscheidung für ein Holzhaus glücklich: «Schon der Anblick von aussen ist wunderbar. Aber die Geborgenheit, die das Haus ausstrahlt – auch bei schlechtem Wetter –, und das Wohngefühl im Holzhaus sind einmalig schön.» Zwei der fünf Kinder bewohnen jetzt mit ihren Eltern die Parterrewohnung, zwei Kinder haben in den Einliegerzimmern im Untergeschoss ihr eigenes Refugium und die älteste Tochter bewohnt mit ihrem Partner die zweigeschossige Dachwohnung mit Galerie. Die Wohnung im ersten Obergeschoss ist vermietet, dort haben drei Personen ihr neues Zuhause gefunden. Insgesamt wohnen nun elf Personen unter dem grossen alten Dach des neuen Berner Bauernhauses. gernet.ch
  

Dubach Holzbau AG

Die Zimmerei und Sägerei wurde 1918 von Kaspar Dubach-Dubach gegründet und befindet sich seit 1921 am heutigen Standort in Hüswil (LU). Stefan Dubach, Zimmermeister und Techniker HF, führt das Unternehmen mit seiner Frau Judith Dubach-Alt seit 1999 in dritter Generation und als Dubach Holzbau AG. Seither erfolgten zahlreiche Neu- und Erweiterungsbauten auf dem Firmenareal. Stefan Dubach führte 2007 ein Managementsystem für die interne Qualitätssicherung ein und ist mit seinem Unternehmen seit 2014 von Holzbau Plus für eine partnerschaftliche Unternehmenskultur und eine vorbildliche Personalführung zertifiziert. Das Unternehmen beschäftigt rund 35 Mitarbeitende, davon sieben bis zehn Lernende zum Zimmermann. Darüber hinaus engagieren sich Stefan Dubach als Sektionspräsident der Sektion Luzern-Land von Holzbau Schweiz und Judith Dubach-Alt im Vorstand der Unternehmerfrauen von Holzbau Schweiz. dubachholzbau.ch


Bauernhaus im Berner Stil

Projekt: Bauernhaus in Holzsystembauweise, Luthern (LU)
Bauherrschaft: Markus und Lucia Stirnimann-Blum, Luthern
Bauzeit: Mai 2015 – August 2016
Architektur: LBG Architekten, Sursee (LU)
Holzbau: Dubach Holzbau AG, Hüswil (LU)
Ingenieur: Pirmin Jung Ingenieure, Rain (LU)