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8/2017 Prestigeobjekt Napoleonturm

BILDEN

Sammelserie «Austragen» Teil 8: Spitzgaube

Die achtteilige Sammelserie von Experte Michael Hürbin ist eine Einladung zum Konstruieren und Nachbauen. Am Modell des Einladungswettbewerbs der letzten Europameisterschaft wird die korrekte Vorgehensweise erklärt. Auf der Website von Holzbau Schweiz gibt es die Zeichnungen zum Download.

Text und Zeichnungen Michael Hürbin | Foto Marco Blessano

Vielfach werden in der heutigen Zeit Spitzgauben als Elemente vorgefertigt, um die Montagezeit auf der Baustelle zu minimieren. Als Ergänzung zum Einladungswettbewerb der Europameisterschaft der Zimmerleute wird in diesem Beitrag nun eine Elementvariante der Spitzgaube vorgestellt. Die Spitzgaube wird in der Regel mittels Kehlbrett auf die Hauptdachfläche aufgelegt und mit dieser verbunden. In der Variante des Einladungswettbewerbs laufen die beiden Kehlbretter (19 und 20) der Spitzgaube auf das Andreaskreuz der beiden Schrägsparren (14 und 15) der Hauptdachfläche A.

Abklappen des Kehlbretts

Da beide Kehlbretter auf der Hauptdachfläche A aufliegen, stellen diese Hölzer Materialschichten dar. Beim Betrachten der Ansicht kann die Dicke der Materialschicht von 40 mm entnommen werden. Materialschichten werden beim Austragen immer über eine Klappachse auf eine horizontale Ebene geklappt.
Die Klappachse wird dabei als Erstes bestimmt. Sie stellt eine Höhenlinie dar und muss deshalb immer im «Blei» liegen. Im Falle des Modells bietet sich die Traufe der Hauptdachfläche A als Klappachse an. Der Drehpunkt a (Ansicht) liegt in der Verlängerung der Klappachse. Beim Abklappen bildet der Drehpunkt a das Zentrum. Alle Punkte werden beim Abklappen des Kehlbretts um dieses Zentrum a geklappt. Damit die Austragung des Kehlbretts übersichtlicher gestaltet werden kann, wird das Kehlbrett nach aussen abgeklappt.

Richtungslinie Kehlbrett

Beim Abklappen des Kehlbretts wird als Erstes mit der Kehllinie begonnen. Diese läuft vom Trauf- bis zum Firstpunkt (b und c). Beide Punkte werden vom Grundriss in der Ansicht auf die passende Höhenlinie gezogen. Somit entstehen die Punkte a und d, die anschliessend um den Drehpunkt a auf die Höhenlinie +80 mm im Gegenuhrzeigersinn abgeklappt werden. Da der Schnittpunkt a im Drehpunkt liegt, bleibt dieser Schnittpunkt durch das Klappen an derselben Stelle. Der Firstpunkt wandert durch das Klappen auf die Höhenlinie +80 mm. Daraus entsteht der Schnittpunkt e. Im Anschluss werden die beiden Punkte parallel zur Klappachse zurück in den Grundriss gezogen. Danach werden die Trauf- und Firstpunkte vom Grundriss auf die abgeklappten Trauf- und Firstpunkte projiziert. Wichtig dabei ist, dass die Punkte, die geklappt werden, immer rechtwinklig zur Klappachse laufen. Da der Traufpunkt b auf der Klappachse liegt, ändert sich dessen Lage durch das Abklappen nicht. Der Firstpunkt c wandert durch das Klappen rechtwinklig zur Klappachse auf die abgeklappte Firstlinie. Daraus entsteht der Schnittpunkt f. Durch das Verbinden der Schnittpunkte b und f entsteht die Richtungslinie des Kehlbretts.

Dimension Kehlbrett

Die Dimension des Kehlbretts wird mithilfe der Stempelflächen von Kehlbrett und Gaube im Grundriss er-
mittelt. Aufgrund der Fehleranfälligkeit ist es sinnvoll, dass die Stempelfläche zum Konstruieren des Kehlbretts auf der Höhe der Klappachse +80 mm ermittelt wird. Als Erstes wird im Sparrenprofil der Gaube und in der Materialschicht der Ansicht auf der Höhenlinie +80 mm die Stempelfläche der Profile ermittelt. Dies ergibt die Schnittpunkte (g und h) bei der Stempelfläche des Gaubensparrens und die Schnittpunkte (a und i) bei der Stempelfläche des Kehlbretts. Die Schnittpunkte a und i werden im Anschluss mittels Hilfs-
linien parallel zur Klappachse in den Grundriss hineingezogen. Mit Hilfslinien werden die Schnittpunkte g und h rechtwinklig zur Höhenlinie des Gaubenprofils in den Grundriss konstruiert, bis diese die beiden Hilfs-
linien der Stempelfläche des Kehlbretts im Grundriss schneiden. Das daraus entstandene Rechteck stellt die Stempelfläche des Kehlbretts im Grundriss dar (b, k, l und m).

Bei Kehlbrettern ist es wichtig, dass zwischen Stempelflächen im Grundriss und geklappten Stempel-
flächen unterschieden wird. Mit der Stempelfläche im Grundriss kann die Dimension des geklappten Kehlbretts noch nicht ermittelt werden. Dazu muss die Stempelfläche des Kehlbretts (Schnittpunkte a und i) im Gegenuhrzeigersinn um den Drehpunkt auf die Höhenlinie +80 mm geklappt werden. Durch das Klappen der Kehlbrettstempelfläche entstehen in der Ansicht auf der Höhenlinie +80 mm die Schnittpunkte a und j. Diese beiden Schnittpunkte werden mittels Hilfslinien parallel zur Klappachse in den Grundriss gezogen. Als Nächstes werden die Schnittpunkte (b, k, l und m) der Kehlbrettstempelflächen im Grundriss auf die geklappte Stempelfläche des Kehlbretts übertragen. Da die Schnittpunkte b und m auf der Klappachse liegen, bleiben diese durch das Klappen an derselben Stelle. Die Schnittpunkte k und l wandern rechtwinklig zur Klappachse auf die abgeklappte Stempelfläche. Dadurch entstehen die Schnittpunkte n und o. Alle Seitenkanten des abgeklappten Kehlbretts laufen parallel zur Richtungslinie (Verbindung b und f) und durch die Punkte m, n und o.

Abschnitte Kehlbrett

Der untere Abschnitt des Kehlbretts wird mithilfe der Ansicht ausgetragen. Durch das Schneiden von AK Gaubensparren mit der Materialschicht des Kehlbretts entstehen die Schnittpunkte a und p. Bevor der Schnittpunkt p um den Drehpunkt abgeklappt werden kann, muss dieser zuerst rechtwinklig zur Minuskante der Materialschicht auf die Pluskante projiziert werden. Dadurch entsteht auf der Plusseite der Schnittpunkt q. Im Anschluss werden die beiden Schnittpunkte a und q im Gegenuhrzeigersinn auf die Höhenlinie +80mm geklappt und parallel zur Klappachse in den Grundriss gezogen. So entstehen die unteren Plus- und Minusabschnitte des Kehlbretts.

Der Bleiabschnitt an UK First wird ebenfalls über die Ansicht geklappt. Dabei wird als Erstes der Schnittpunkt r rechtwinklig zur Minuskante auf die Pluskante der Materialschicht projiziert, woraus sich der Schnittpunkt s ergibt. Dann werden die Schnittpunkte s und t im Gegenuhrzeigersinn auf die Höhenlinie +80 mm geklappt und anschliessend parallel zur Klappachse in den Grundriss gezogen. Dadurch entstehend der Plus- und Minusabschnitt von UK First.

Da die First 15 im Grundriss rechtwinklig zur Klappachse steht, können die Senkelschnitte (Plus- und Minus-
kante) der First 15 folglich auch rechtwinklig zur Klappachse in das abgeklappte Kehlbrett gezogen werden. Daraus resultieren am Kehlbrett diese Plus- und Minusabschnitte seitlich an First 15. Der Zusammenschnitt beider Kehlbretter 19 und 20 verläuft exakt unter der Firstlinie und wird nach dem gleichen Prinzip der beiden vorherig beschriebenen Senkelschnitte konstruiert.

Der vollständige Plan des EM-Einladungswettbewerbs sowie die Aufgabenblätter sind als PDFs auf der Website von «Wir Holzbauer» zu finden. wirholzbauer.ch > Bilden > Sammel-
serie «Austragen»

DER AUTOR

Michael Hürbin unterrichtet die angehenden Zimmerleute an der Berufsschule Lenzburg, ist Experte für Polierprüfungen und Trainer des Schweizer Nationalteams der Zimmerleute. Kontakt: nationalteam(at)holzbau-schweiz.ch