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3/2022 Büroneubau

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CAS Wiederaufbau für die Ukraine

Rund 1000 Ukrainerinnen und Ukrainer kamen im März jeden Tag in der Schweiz an. Mit einem CAS für die Geflüchteten möchte Thomas Rohner, Professor für Holzbau und BIM an der Berner Fachhochschule, schon jetzt etwas für den Wiederaufbau in der Ukraine tun.

Text Berner Fachhochschule

 

«Die grösste Herausforderung für die Ukraine wird ein schneller Wiederaufbau der zerstörten Häuser und der zerstörten Infrastruktur sein», sagt Thomas Rohner. Da die männliche Bevölkerung überwiegend im Land bleiben muss, richtet sich der geplante CAS-Lehrgang vor allem an bauaffine Ukrainerinnen. Die Zulassung zum geplanten CAS «Wiederaufbau für die Ukraine» ist über den üblichen, akademischen Weg oder «sur dossier» möglich. Unterrichtssprache soll Englisch und – falls möglich – auch Ukrainisch sein.

Alle Schweizer Hochschulen und Bildungsinstitutionen haben sich in einer Bildungsinitiative vereint, um eine Kooperation im digitalen Bauen zu erreichen. Diesen Schulterschluss will Thomas Rohner nutzen, um das CAS Wiederaufbau schlank und schnell auf die Beine zu stellen. «Die gebaute Welt sähe anders aus, wäre sie von Frauen konzipiert, geplant und gebaut worden», meint Thomas Rohner. «Die Chance, die sich in der Ukraine bietet, in und nach dieser Tragödie Krieg, ist enorm.» Aus den Medien sei zu erfahren, dass die erwachsenen und jugendlichen Flüchtlinge, mehrheitlich Frauen und Kinder, so schnell als möglich arbeiten und auch so schnell als möglich in ihre Heimat zurückkehren wollen. «Eine Integration in die Schweizer Arbeitsprozesse ist wahrscheinlich sozial und psychologisch wertvoll. Die Integration in Bildungslehrgänge bietet Perspektiven.»


Ziel der Weiterbildung sei es, die Sensibilität und die Konzepte des Wiederaufbaus beurteilen und mitgestalten zu können. Die Teilnahme am CAS (Certificate of Advanced Studies) ist für die Absolventinnen kostenlos und wird mit ECTS-Punkten nach dem europäischen System zur Bewertung von Studienleistungen anerkannt. Die Entwicklung des Lehrgangs soll von den Bildungsinstitutionen und aus verschiedenen Quellen (Bund, Stiftungen, InnoSuisse, Fundraising usw.) finanziert werden. Ein Netzwerk zu Ukrainerinnen, die in der Schweiz leben und Managerinnenposten besetzen, besteht bereits. Die Inhalte des CAS werden nach Dringlichkeit priorisiert, unter anderem sind im Bereich «Digital Skills im Bauwesen» Themen vorgesehen wie Nahrungsmittelversorgung (Supply Chains), Use-Case Wiederaufbau, Schadensanalyse (Bestandsaufnahme), Risikomanagement, Projektmanagement, Logistik zur Sicherstellung der humanitären Grundversorgung, Scanning (BIM2Field, Field2BIM), X-Ray Analysis, Siedlungs-, Regionen- und Stadtentwicklung, digitales Bauen nach der BIM-Methode, Erstellen von provisorischen Unterkünften, Netzwerk mit europäischen Firmen sowie Konzeption, Planung und Bau als digitaler Workflow. Beim «Engineering im Hochbau» geht es um Schadensanalysen (Sanierung oder Abbruch und Neubau), Beseitigung der Kriegstrümmer (Panzer, Fahrzeuge, Blindgänger), Recycling und Re-use, Urban Mining (Trümmer verwenden für neue Bauten), Circular Economy, Sustainability sowie um die Konzeption und den Bau von Unterkünften und Neubauten. Der Bereich «Engineering im Infrastrukturbau» umfasst Themen wie Wasserversorgung, Stromversorgung, Versorgung mit fossilen Brennstoffen, Wiederherstellung von Strassen, Wegen, Brücken, Übergängen und Hafenanlagen.


Professor Rohner wird zunächst eine Bedarfsanalyse über die Flüchtlingshilfe Schweiz, Solidarität Ukraine und HEKS veranlassen, bevor er weiter aktiv wird. Das vorgängig beschriebene Konzept liegt in Deutsch, Englisch und Russisch vor. Länder wie Dänemark und Polen zeigen sich bereits sehr interessiert, das Konzept zu übernehmen beziehungsweise eine Kollaboration mit der Berner Fachhochschule einzugehen.
ahb.bfh.ch