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08/2020

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Der Schweizermeister 2020 kommt aus Adelboden

Der aktuell beste Zimmermann der Schweiz heisst Nathan Schmid. Der Adelbodner holte bei den SwissSkills Championships 2020 den ersten Platz. Eine Woche lang flogen in Sion die Späne, als sich die elf jungen Zimmerleute der bisher grössten Herausforderung in ihrem Berufsleben stellten. Die fünf Besten haben nun die Chance, ihr Können auf internationalem Parkett zu beweisen.

Text Sandra Depner | Fotos SwissSkills 

Die elf jungen Zimmerleute stehen beim Wettbewerb unter einem enormen Zeitdruck. «Aber so soll es auch sein, wir sind hier immerhin an einer Schweizermeisterschaft», sagt Peter Schwarz. Er ist einer von sechs Experten des Nationalteams Holzbau. Es sind die Berufsmeisterschaften der Zimmerleute, die SwissSkills Championships, die zwischen dem 12. und 16. Oktober in Sion (VS) ausgetragen werden. Während fünf Tagen wird die Leistung der Nachwuchstalente auf den Prüfstand gestellt. Im improvisierten Zelt herrscht eine aufgeregte Stimmung. Kreissägen lärmen, hier wird geschraubt, dort gesteckt und am Boden schon für das nächste Modul angerissen. Die Experten scharen sich bereits um eines der ersten fertigen Module. Das wird genau beäugt und vermessen, die Ergebnisse in einer Tabelle eingetragen. Die Experten prüfen bei jedem einzelnen Modell 32 Knoten und 42 Masse. Für die Genauigkeit gibt es Punkte. Wer den möglichen 100 Punkten am nächsten kommt, der gewinnt die SwissSkills Championships 2020. Nathan Schmid aus Adelboden (Künzi + Knutti AG) hat die Nase vorn. 

«Es war echt stressig, aber eine coole Erfahrung», resümiert Nathan Schmid nach der Siegerehrung. Auf dem zweiten und dritten Rang folgen zwei Appenzeller: Roland Brülisauer (Dörig & Brülisauer GmbH) und Reto Koller (Manser Markus Holzbau AG). Schmid ist bei der Künzi + Knutti AG bereits im vierten Lehrjahr tätig. Sein Vater, erzählt der junge Zimmermann, habe vor 30 Jahren ebenfalls am Berufswettbewerb teilgenommen. «Nathan war bei allen Bewertungspunkten vorne mit dabei. Sein Modell passt von A bis Z und er konnte sich in der Kategorie ‹PowerZimmermann› viele Punkte erarbeiten», sagt Chefexperte Schwarz und betont: «Aber alle Teilnehmenden haben einen hervorragenden Job geleistet!» So lässt sich die Woche in Sion zusammenfassen. 

 

1 Modell, 3 Module, 22 Stunden Zeit

Ein gutes Ergebnis schafft bei den Schweizermeisterschaften nur, wer sich die Zeit richtig einteilt, präzise arbeitet und die relevanten Haupt- und Nebenmasse zu kontrollieren weiss – das richtige Austragen und Reissen immer vorausgesetzt. «Es ist ein ständiges Abwägen von Schnelligkeit und Genauigkeit», sagt Jael Schlatter (19), die im zweiten Lehrjahr bei der Sigrist Rafz Holz + Bau AG arbeitet. Jael ist die einzige Zimmerin, die sich gemeinsam mit den zehn Zimmermännern der Herausforderung gestellt hat: Insgesamt 22 Stunden haben sie während der Wettkampfzeit an dem dreiteiligen Modell gearbeitet. Es besteht aus einer Riegelwand, einem komplexen Dachstuhl und einer integrierten Sitzbank. Zusätzliche Punkte mussten sich die Kandidaten bei zwei «Power-Zimmermann»-Einheiten holen: Dafür mussten sie jeweils innerhalb einer Stunde eine Holzverbindung bauen. Schnelligkeit gibt Punkte und sobald die erste Verbindung bei den Experten liegt, laufen für die anderen Teilnehmenden die letzten 15 Minuten. «Hier kristallisiert sich heraus, wer wie mit Zeitdruck und Passgenauigkeit umgeht», erklärt Schwarz. 

 

Jetzt kommen die Europa- und die Weltmeisterschaft

Ursprünglich sollten die SwissSkills 2020 in Bern vor rund 120 000 Besuchern stattfinden. Die Grossveranstaltung wurde wegen der Coronapandemie jedoch um zwei Jahre verschoben. Stattdessen organisierten die Schweizer Berufsverbände eigene, dezentrale Wettbewerbe als SwissSkills Championships – wie im Fall der Zimmerleute in Sion. Pandemiebedingt mussten die Meisterschaftskandidaten ausserdem in einem anderen Trainingsmodus als üblich den Wettkampf starten: digital mit Übungsaufgaben für zu Hause und – dank gelockerter Massnahmen im Juni – auch mit einigen gemeinsamen Präsenztagen. Belohnt wird der Einsatz der elf jungen Zimmerleute mit einem Zertifikat von SwissSkills, einem Festool-Gutschein sowie Medaillen für die drei Erstplatzierten. Für Nathan Schmid gibt es noch mehr Gründe, warum es sich lohnt, bei den Berufsmeisterschaften mitzumachen: «Diese Woche hat unglaublich viel Spass gemacht. Klar, es ist aufwendig, es braucht viel Motivation und Ehrgeiz. Aber das lohnt sich für das Erlebnis, dieses Wettkampffeeling und die vielen neuen Leute, die man dabei kennenlernt.» 

Die besten fünf Kandidaten der SwissSkills Championships haben sich für das Nationalteam qualifiziert, neben den drei Medaillengewinnern sind das Flurin Gasser (Jura Holzbau AG) und Patrick Emmenegger (Zimmerei Stalder AG). Jetzt folgt die Vorbereitung auf die internationalen Wettbewerbe: die nächste Europameisterschaft und die WorldSkills. 

swiss-skills.ch

Bewerbung für die SwissSkills Championships 2021

Ehrgeizige Zimmerleute, die sich mit ihren Berufskollegen messen möchten, können sich ab sofort für die SwissSkills Championships 2021 bewerben. Anfang nächsten Jahres starten die ersten Trainings. Nach der Vorausscheidung kämpfen die zwölf besten Teilnehmenden im September 2021 um den Titel des Schweizermeisters?/?der Schweizermeisterin. Weitere Informationen und das Anmeldeformular sind online verfügbar. holzbau-schweiz.ch/de/dienstleistungen/bildung/berufswettbewerbe/schweizermeisterschaft/