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02/2022 Archaisch

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Die Stärken der Modulbauweise

Ressourcenschonend, energieeffizient, flexibel und mehrfach nutzbar – der Holzmodulbau hält überzeugende Antworten auf die Anforderungen an moderne und zukunftsfähige Bauten bereit. In diesem Artikel stellen wir Ihnen beispielhafte Projekte vor.

Text Nicolas Gattlen | Bilder Uffer AG, Erne AG Holzbau, Daniel Ammann

 

Der rasche und permanente Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft lässt sich mit den herkömmlichen «starren» Bauten kaum mehr bewältigen. Gefragt sind flexiblere Lösungen: Bauten, die sich einfach an veränderte Bedürfnisse anpassen, neu konfigurieren sowie an andere Standorte verlegen und umnutzen lassen. Modulsysteme bieten diese Möglichkeiten, und ihre Anwendungsbereiche sind nahezu unbeschränkt: Ob Bettenhaus, Labortrakt, Schulgebäude, Asylheim, Büro, Verkaufslokal, Lager, Restaurant, Hotel, Mikro- oder Mehrfamilienhaus – der Holzmodulbau kann heute zahlreiche Nutzungen abdecken.


Mehrfachnutzung als Trumpf

Der Modulbau bietet auch wirtschaftliche Vorteile. Ganze Räume können im wettergeschützten Werk effizient zusammengebaut und veredelt werden. Dabei erfolgt jeder Arbeitsschritt exakt nach Zeitplan – was auf einer Baustelle nicht möglich ist. Für den Modulbau spricht zudem die saubere Trennung von Tragstruktur und Haustechnik. Die Bauteile lassen sich einfach demontieren und die zumeist unverschnittenen Stoffe wieder in den materiellen Kreislauf führen. Je nach Alter und Zustand können sogar ganze Module wiederverwendet werden. Besonders gross ist dieses Potenzial bei den temporären Bauten: Module können an neue Standorte wechseln, sie lassen sich um weitere Einheiten ergänzen oder neuen Nutzungen zuführen. Eine solche Mehrfachnutzung hilft, natürliche Ressourcen, Energie und CO2-Emissionen einzusparen, die bei einem Neubau anfallen. Für immer mehr Bauherrinnen und Bauherren ist das ein gewichtiges Argument, sich für den Modulbau zu entscheiden.


Energetisch optimiert

Auch zukunftsfähige Energiekonzepte sind leicht integrierbar. Holzmodule können beispielsweise mit dezentralen Lüftungsanlagen ausgestattet werden, inklusive Wärmerückgewinnung. Den MuKEn14-Standard erfüllen die aktuellen Holzmodulbauten problemlos. Einige Unternehmen gehen aber noch einen Schritt weiter. Die Erne AG Holzbau etwa will schon sehr bald alle ihre Module im Minergie-P-ECO-Standard anbieten – wenn auch ohne Minergie-Zertifikat (dieses gibt es nur für Gebäude). «Wir haben intensiv daran geforscht, wie sich die Wärmebrücken zwischen Boden- und Wandelementen vermeiden lassen, und glauben, eine gute Lösung gefunden zu haben», erklärt Thomas Wehrle, Leiter Technik bei Erne Holzbau. Auch die Firma Blumer-Lehmann entwickelt ihre Holzmodule stetig weiter: In Zusammenarbeit mit Bauart Architekten und Planer realisierte sie jüngst für die Stadt Winterthur das erste von mehreren modularen Schulhäusern im Minergie-P-ECO-Standard. Die «Modular W»-Schulprovisorien erweitern damit die «Modular»-Familie der Bauart Architekten um ein energetisch optimiertes Modell. Diese und die folgenden Beispiele zeigen, wie der Holzmodulbau das nachhaltige Bauen unterstützen kann. 

Schulhaus Westend, Frankfurt

Als die Kinderzahlen in Frankfurt a.M. massiv stiegen, mussten Schulen an Übergangsstandorten geschaffen werden. Viele davon wurden in klimaschonender Holzmodulbauweise errichtet. Mit dem jüngst eröffneten Schulprovisorium «Westend» verfügt die Stadt nun über die grösste Holzmodulschule der Welt. Der Bau besteht aus 350 Modulen, die im Werk der Erne AG Holzbau mitsamt den Fensterscheiben und Steckdosen vorgefertigt wurden. Um den sommerlichen Wärmeschutz ohne aufwendige Klimatisierung gewährleisten zu können, liess Erne in die Module Verbunddecken (Holz-Beton) einziehen. Mit ihrer Masse fungieren die Decken als Speicher: In der Nacht nehmen sie die Kälte auf, tagsüber geben sie sie wieder ab. Sehr hohe Ansprüche stellte die Stadt Frankfurt auch an die VOC-Emissionen in den Innenräumen. Mit dem eigens entwickelten Planungstool «Calcul-Air» (BIM) und dem Einsatz von emissionsarmen Grobschnitzelplatten aus Fichte und Birke konnte Erne auch diese Herausforderung meistern.


Mikro-Wohnungen, Herisau

In Herisau realisierten die Architekten der Waldburger + Partner AG und das Unternehmen Blumer-Lehmann AG ein Pilotprojekt für die Wohnform Mikrowohnen. Der dreigeschossige Holzmodulbau bietet neun Mietwohnungen mit je 47 Quadratmetern Gesamtfläche und kleinem Balkon sowie eine 150 Quadratmeter grosse Dachterrasse, die gemeinschaftlich genutzt werden kann. Die Produktion und komplette Ausstattung der 18 Module (je zwei pro Wohnung) erfolgte im Werk der Blumer-Lehmann AG in zehn Wochen; der Aufbau in Herisau dauerte drei Tage. Anschliessend wurde eine Aussentreppe montiert und die Gebäudefassade hochgezogen. Die Gestaltung der Fassade erfolgte mit Rücksicht auf das Ortsbild und in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege. Mit seinen gut gedämmten Aussenwänden, den dreifach verglasten Fenstern, einer ausserhalb des Gebäudes platzierten Wärmepumpe und einer hauseigenen Solaranlage erfüllt der Bau die hohen Anforderungen des Minergie-P-Standards.


Jufa-Hotel, Savognin

Im Juni 2021 eröffnete die österreichische Hotelkette Jufa in Savognin das grösste Modulhotel der Schweiz (72 Zimmer). Das Drei-Sterne-Hotel basiert auf dem Modulsystem Quadrin des örtlichen Unternehmens Uffer. Das erste Quadrin-Modul wurde als Athletenunterkunft für die Olympischen Winterspiele konzipiert und erlangte 2013 Serienreife; Uffer entwickelte darauf aufbauend das System Quadrin living mit den drei Standard-Modulgrössen von 40, 60 und 90 Quadratmetern. Quadrin living kann unterschiedliche Formen und Grössen annehmen und verschieden genutzt werden, zum Beispiel als Ferienwohnung, Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus, Büro, Verkaufsraum, Altersstöckli oder Hotel. Die Module werden aus einheimischer Fichte und mithilfe von Solarstrom gefertigt und auf Wunsch im Werk vollständig eingerichtet. Für das Jufa-Hotel lieferte die Uffer AG Module samt Bett, Badmöbeln und Haartrockner. Beheizt werden die Zimmer mit Radiatoren, die ihre Energie von einer zentralen Holzschnitzelheizung beziehen.