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02/2022 Archaisch

BEWEGEN

Gesund bleiben mit Ergonomie

Zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr verlassen viele gut ausgebildete und erfahrene Zimmerleute die Holzbaubranche. Ein Hauptgrund dafür ist die Sorge um die Gesundheit. Das zeigen Rückfragen bei diesen Personen deutlich. Mit optimal eingerichteten Arbeitsplätzen, den richtigen Arbeitsmitteln und einem gut angeleiteten Umgang mit dem Bewegungsapparat kann die körperliche Gesundheit der Zimmerleute aber bis über das Pensionsalter hinaus erhalten bleiben.

Text Holzbau Vital | Bilder zVg

 

Um die Gesundheit der Zimmerleute zu erhalten und deren Abwanderung in andere Branchen zu reduzieren, ist es wichtig, dass die Zimmerinnen und Zimmermänner zum Thema Ergonomie informiert sind. Sie sollten die wichtigsten Grundlagen für einen gesunden Umgang mit ihrem Bewegungsapparat kennen.


Arbeitsplätze und Arbeitsmittel

Mit einer den Arbeiten angepassten Betriebseinrichtung und den notwendigen Arbeitsmitteln kann die Belastung des Bewegungsapparates stark reduziert werden. Zum Beispiel können mit der Anpassung der Arbeitshöhe am Elementbautisch oder an einer Werkbank der Rücken und auch die Gelenke geschont werden. Arbeitsplatzmatten und Anti-Ermüdungsmatten schonen den Bewegungsapparat bei Arbeiten mit langer Stehzeit, zum Beispiel an einer CNC-gesteuerten Holzzuschnittanlage oder an einem Elementbauportal.


Aber nicht nur Arbeitsplätze in Werkstätten und Produktionshallen sollen optimal eingerichtet sein, auch die nicht ortsfesten Arbeitsplätze auf Baustellen spielen eine grosse Rolle für die Gesundheit des Bewegungsapparates. Mit Treppen für Niveauunterschiede oder befahrbaren Zugangswegen für Palettrolli oder Handwagen werden optimale Arbeitsplatzzugänge erstellt. Gerüstpodeste für Materialdepots sollten sich möglichst nahe am Arbeitsplatz befinden, Krane und Materiallifte helfen ebenfalls. Jedoch kann der Lastentransport nicht immer mit Arbeitsmitteln unterstützt werden; manchmal ist das Tragen der Last von Hand unumgänglich. Dann soll auf möglichst kurze Transportwege geachtet werden – egal ob auf der Baustelle oder im Produktionsbetrieb. Es ist also sinnvoll, vor Beginn der Arbeiten die Umschlag- und Lagerplätze an optimaler Stelle zu planen.


Die technische Entwicklung von Arbeitsmitteln hat grosse Fortschritte gemacht: Nebst Kranen und Staplern bietet der Markt viele weitere Arbeitsmittel zur Schonung des Bewegungsapparates an. Zum Beispiel können Handhubwagen oder Hubtische, aber auch Plattenlifte für die Montage von Decken zu einer grossen Entlastung führen. Erste Betriebe testen auch schon Exoskelette, die den Bewegungsapparat stark unterstützen können.


Richtiges Heben und Tragen

Wenn für den Lastentransport kein Arbeitsmittel eingesetzt werden kann, ist es wichtig, dass auf folgende Punkte geachtet wird:

  • Schwere Lasten besser zu zweit tragen oder Lasten aufteilen.
  • Auf sicheren Stand achten, stabile Körperposition einnehmen.
  • Nach Möglichkeit Lasten beidhändig greifen.
  • Rücken gerade halten, in die Knie gehen, jedoch tiefe Hocke vermeiden.
  • Last nahe am Körper anheben und tragen; Last nicht einseitig tragen.
  • Unter Belastung keine Drehbewegungen ausführen, Körper mit der Last mitbewegen.
  • Keine ruckartigen Bewegungen ausführen.


Holzbau Vital hat auf einem Plakat die wichtigsten Regeln und Informationen zum Thema Ergonomie zusammengefasst. Neben dem Plakat gibt es auf der Website (www.holzbau-vital.ch/plakate) auch eine kurze Power-Point-Präsentation und einen Online-Wissenstest zum Thema. Nutzen Sie die Gelegenheit und informieren Sie Ihre Mitarbeitenden in einer Mitarbeiterinformation zum Thema Ergonomie, denn: «Gesunde Unternehmen brauchen gesunde Mitarbeitende!» Weitere Informationen gibt es auch auf der Website von Optibau. optibau.info, holzbau-vital.ch

Tim Bütikofer

Wie hat sich die Arbeit des Holzbauers in Bezug auf den Bewegungsapparat in den letzten 30 Jahren verändert, und wie geht die Beer Holzbau AG in ihrem Betrieb damit um?
Der Holzbau hat sich in den letzten 30 Jahren sehr stark verändert in Bezug auf die Vorfertigung und den Arbeitsplatz im Werk. Durch diese Veränderung fallen viele Stunden auf dem Bau weg, welche im Werk anstehen. Dort werden die Arbeitsplätze mit Saugaggregaten, Tischen, Hebekran und Wagen möglichst optimal eingerichtet. Dadurch kann der Bewegungsapparat der Mitarbeitenden geschont werden. Durch interne Mitarbeiterschulungen, bei denen ältere Holzbaufachkräfte von ihren ärztlichen Abklärungen berichten und von ihren Erfahrungen erzählen, wird lebensnah auf die präventive Sicherheit des Einzelnen aufmerksam gemacht.


Stefan Brügger

Welche Arbeitsmittel setzt die KA Holzbau AG ein, und wie sind die Rückmeldungen der Mitarbeitenden dazu?
Die KA Holzbau AG legt grossen Wert auf den technischen Fortschritt von Arbeitsmitteln, denn so werden unsere Mitarbeitenden, welche auch unsere wichtigste Ressource sind, in Bezug auf den Bewegungsapparat bestmöglich geschont, und die Arbeitssicherheit wird allgemein verbessert. Zu den wichtigsten Arbeitsmitteln im Betrieb zählen sicherlich Stapler und Hallenkranen, aber auch Handhubwagen oder stationäre Maschinen mit Förderanlage, wie zum Beispiel unsere Abbundanlage und die CNC-Maschinen. Für die Baustellen haben wir extra einen mobilen Kran und Materialaufzüge angeschafft. Die Rückmeldungen der Mitarbeitenden zu den Arbeitsmitteln sind durchwegs positiv, sie schonen den Bewegungsapparat; so sind die Mitarbeitenden am Abend auch weniger müde.


Alwin Rütsche

Die S. Müller Holzbau AG richtet auch auf der Baustelle die Arbeitsplätze möglichst optimal ein. Auf was achten Sie?
Es ist wichtig, sich zunächst für die Einrichtung des Arbeitsplatzes Zeit zu nehmen, um ergonomisch arbeiten zu können. Wir nutzen Seil- und Kettenzüge, Zuschnitt- und Materialtische, Sauganlagen für Gläser, Rollgerüste, Materiallifte, passende Akku-Maschinen und vieles mehr. Bereits in der AVOR machen wir uns Gedanken zu den Möglichkeiten der Arbeitserleichterung, zum Beispiel werden LKW-/Baukrane oder Hebebühnen organisiert. Zur optimalen Einrichtung zählt dann auch eine gute Ordnung, welche nebst der Ergonomie ebenfalls gegen Stolpergefahren wirkt.


Andreas Wermelinger

Die Erni Holzbau AG hat ihre Arbeitsplätze und ihre Betriebseinrichtung in der Elementproduktion ständig optimiert. Was waren die Beweggründe?
Die stetigen Optimierungen sollen unseren Mitarbeitenden die Arbeiten erleichtern. Die Handlingskrane (Eepos-System) und der Stapelkran der Gersag Krantechnik unterstützen unsere Mitarbeitenden seit Neuestem beim Materialumschlag in der Produktion. Die TW-Concept-Line, eine Fertigungslinie der TechnoWood, hilft zusätzlich. Damit wird nicht nur die Ergonomie für die Mitarbeitenden verbessert, auch die Effizienz kann gesteigert werden. Die Optimierungen bei der Erni Holzbau AG haben also mitarbeiterschonende und wirtschaftliche Aspekte.