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08/2022 Zeitgemäss

BEWEGEN

Gute Stimmung an der Holz

Besucher inspiriert, Aussteller zufrieden, Messeleitung glücklich: So lässt sich die Bilanz der diesjährigen Messe Holz in Basel knapp auf den Punkt bringen. Mit mehr als 32 000 gezählten Besucherinnen und Besuchern schliesst die älteste Fachmesse der Schweiz fast an die Vor-Corona-Zeiten an und positioniert sich einmal mehr als wichtigster Branchentreffpunkt der Hölzigen.

Text und Bilder MCH Group, Dorothee Bauland

 

Als wäre nie etwas gewesen: Die Messe Holz öffnete im Oktober 2022 und davor im Herbst 2019 ihre Tore – zufällig, aber passgenau vor und nach den gravierenden Corona-Einschränkungen in der Zwischenzeit. Die Unsicherheiten, ob und wie in diesem Herbst eine so grosse Fachmesse wie die Holz durchgeführt werden kann, waren im Vorfeld gross. Entsprechend gross war die Freude, dass die Messe sowohl für die 300 Aussteller (2019: 368) wie auch bei den 32 243 Besuchern (2019: 35 005) als rundum gelungener Branchenanlass wahrgenommen wurde. Auf rund 45?000 Quadratmetern präsentierten die Aussteller während fünf Tagen ihre Maschinen, Werkzeuge, Rohstoffe, Halbfabrikate, Materialien und Innovationen.

Qualitativer Austausch
«Die Holz ist und bleibt für die Holzbauer und Schreiner der wichtigste Schweizer Branchentreffpunkt – das hat auch die diesjährige Ausgabe wieder eindrucksvoll bestätigt», so Josef Föhn, Präsident des Organisationskomitees der Holz. «Hier kommen die Fachleute zusammen, um sich zu informieren, auszutauschen und zu netzwerken.» Auf Ausstellerseite wird die hohe Qualität der Besucherkontakte sehr geschätzt. «Von Kleinschreinereien über Holzbauer bis hin zu Industriefertigern, alle sind an der Messe Holz vor Ort. Trotz voller Auftragsbücher nehmen sich die Fachbesuchenden Zeit, sich über Produkte und Neuheiten zu informieren», sagt beispielsweise Hugo Gähwiler, Leitung Marketing und Produktmanagement und Mitglied der Geschäftsleitung bei der OPO Oeschger AG: «Nicht nur das Fachliche, sondern auch das Zwischenmenschliche macht die Messe zu dem, was sie ist.» Ein grosser Anziehungspunkt für die Fachbesucher ist traditionell die Halle 1.0 mit den Werkzeug- und Maschinenausstellern. Vor allem die Stände mit den Handwerkzeugen und Kleinmaschinen wurden von den Schreinern und Zimmerleuten geradezu belagert, aber auch bei den stationären Maschinen und den CNC-Bearbeitungszentren herrschte ein grosser Andrang. Maschinenhändler Gustav Muth, Inhaber und Geschäftsführer der Ineichen AG, betont: «In unseren Augen ist die Messe gerade in Zeiten der Digitalisierung als Marketinginstrument enorm wichtig – Kunden können etwas anfassen, spüren, live erleben, persönliche Gespräche können geführt werden. Für uns war die Holz 2022 ein voller Erfolg, wir gehen mit konkreten Abschlüssen nach Hause und können auf zahlreiche Beratungen an unserem Stand zurückblicken.»

Neu und innovativ

Mit dem Innovationspreis Holz 2022 wurden am ersten Messetag im Rahmen des Ausstellerabends bereits zum fünften Mal herausragende Projekte ausgezeichnet, die eine technologie-, verfahrens- oder produktorientierte Innovation zum Thema Holz bieten. Mit dem «Castor Sprint Bohr-/Universalfräser» durfte sich die Oertli Werkzeuge AG über den ersten Platz und somit die Auszeichnung in Gold freuen. Die Silbermedaille sicherte sich die Arthur Bründler AG. Sie überzeugte mit dem innovativen Sicherheitssystem «Hand Guard» für Altendorf-Formatkreissägen. Auf Rang drei platzierte sich die Fagus Suisse SA, deren hochfestes Stabschichtholz für den Hochleistungs-Holzbau die Jury für sich gewinnen konnte. Jurypräsident Erich Zeller: «Wir gratulieren den Siegern ganz herzlich, die mit ihren eingereichten Projekten die Innovationskraft der Holzbearbeitungsbranche stärken und zeigen, dass sich stetiges Weiterdenken lohnt, aber auch ein Muss ist.» Die Sieger setzten sich gegen 30 weitere eingereichte Produkte und Projekte durch und gingen aus fünf im Vorfeld von der Fachjury nominierten Eingaben hervor.

Weltmeisterlich gekämpft
Gleich drei Berufsweltmeisterschaften wurden in diesem Jahr an der Messe Holz ausgetragen. Das Wettkampfareal in Halle 1.1 mauserte sich zum Publikumsmagneten für Zimmerleute und Schreiner, die den mehr als 40 jungen Berufsleuten aus 27 Nationen beim Kampf um die Medaillen zuschauten. Die Schweiz war an allen drei Disziplinen (Zimmerleute, Möbelschreiner, Bauschreiner) vertreten, und bei der Siegerehrung am letzten Messetag durften sich die Besucher über einen Podestplatz freuen: Bauschreiner Romain Mingard sicherte sich die Bronzemedaille. Mit Rang vier verfehlte Möbelschreiner Brian Thomi
nur ganz knapp das Podest und wurde wie auch Zimmermann Elias Gogniat, auf Rang fünf, mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet (siehe auch Bericht auf Seite 24). «Wir haben hochstehende, emotionale Wettkämpfe vor vielen Zuschauerinnen und Zuschauern erlebt», fasste André Burri, Geschäftsführer von SwissSkills, bei der Siegerehrung die Wettkampfwoche in wenigen Worten zusammen. «Die Messe Holz in Basel bot den WorldSkills Competition 2022 einen idealen, würdigen Rahmen für die Austragung dieser Berufsweltmeisterschaften.» Sein Dank galt auch dem Verband Holzbau Schweiz und dem Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten (VSSM). «Nur dank ihrem grossen Engagement war es möglich, diesen tollen internationalen Event innert rund vier Monaten auf die Beine zu stellen und gemeinsam erfolgreich durchzuführen.»


Bogen geschlagen

Ein zünftiges Messe-Highlight bot das Rahmenprogramm zur WorldSkills-Siegerehrung. Mit einer Schar ambitionierter Lernender rückte Andreas Andermatt, Geschäftsführer der Sektion Bern von Holzbau Schweiz und Leiter des Bildungszentrums Holz, in Basel an. In weniger als 15 Minuten bauten die angehenden Zimmerleute eine knapp 20 Meter lange Bogenbrücke nach dem Prinzip des italienischen Universalgenies Leonardo da Vinci (1452–1519) auf und ernteten viel Beifall für Ihre Aktion. Dass die Brücke auch Belastungen standhält, bewiesen eine Autofahrt über den Brückenbogen und anschliessend ein zünftiger Zimmermannsklatsch, der spontan von einem steirischen Handörgeli-Spieler begleitet wurde.

Handwerklich versiert
Mit dem Modellwettbewerb der Zimmerleute am Stand von Holzbau Schweiz wurde das handwerkliche Können des Berufsnachwuchs in den Fokus gerückt. Den Publikumspreis für das beste der 25 von den Sektionen erkorenen Modelle ergatterte Jörg Betschart (siehe auch Beitrag auf Seite 43). Bei den Schreinern wurden ebenfalls Preise für die herausragendsten Werkstücke im Wettbewerb «Schreiner Nachwuchsstar» vergeben. Rund 80 Objekte zeugten von der Kreativität und dem handwerklichen Können der Jungschreiner und -schreinerinnen. Der diesjährige Schreiner-Nachwuchsstar heisst Simone Scozzi – er begeisterte das Publikum mit seinem Sideboard. Auf den Podestplätzen zwei und drei folgten Tobia Inniger und Aurelio Ehrbar. Ausserdem gewann Scozzi den OPO-Oeschger-Beschlagpreis; der Lamello-Talentpreis ging an Robin Achermann und der Festool-Gästepreis an Luca Poletti.


Von Profis für Profis

Bereits vor dem Eingang auf dem Messeplatz begrüsste BIM-Kuh Lotti – ein Projekt der Holz 2019 – die Besucherinnen und Besucher. Auf dem Messeplatz und in der Gastrozone des Bereichs «Zukunft Holz» sorgten Hocker und Tische der Studierenden der Höheren Fachschule für Technik und Gestaltung Zug für besondere Sitzgelegenheiten und die IG Kunsthandwerk führte mit ihren Live-Präsentationen vor, wie kreativ traditionelles Handwerk sein kann. Bereits zum fünften Mal zeigten die Aussteller im Areal «Zukunft Holz» ihre innovativen Technologien, Materialien und Designs für Schreiner und Holzbauer. Das integrierte Innovationsforum, für dessen Programm die Berner Fachhochschule für Architektur, Holz und Bau verantwortlich war, präsentierte täglich spannende Vorträge sowie Podiumsdiskussionen zu verschiedensten Themen aus der Praxis und Forschung. Neu war in diesem Jahr das Format «Von Profis für Profis», bei dem Aussteller und Partner die Vorteile und Features ihres innovativen Portfolios kurz und auf den Punkt gebracht vorstellten. Ebenfalls auf der Bühne des Innovationsforums fand der dritte Branchentreff «Netzwerk Holz» statt, bei dem es um das Thema «Die Materialbeschaffung – engere Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Anwender» ging. Gleich nebenan war am Stand von Holzbau Schweiz das zweistöckige, etwa sieben Meter hohe 1:1-Mockup des Holzhochhausprojekts «Jenga» ein Blickfang. Das Gewinnermodell eines Studierendenwettbewerbs der Master-Studiengänge Architektur und Wood Technology an der Berner Fachhochschule zeigte bewährte Lösungen für Tragkonstruktionen aus Laubholz sowie Hochleistungsverbindungen und Deckensysteme in Holz-Beton-Verbund. Unter dem Deckentragwerk luden Jenga-Spiele die Messebesucher zum vergnüglichen Verweilen ein.


Weiter netzwerken

Fünf Tage voll intensiver Gespräche, persönlicher Begegnungen, Highlights und mit einer Bühne für den talentierten Branchennachwuchs – das war die Messe Holz 2022. Die nächste Ausgabe findet im Oktober 2025 in Basel statt. Damit das Netzwerken in der Zwischenzeit nicht zu kurz kommt, gibt es ergänzend zur Messe ein neues Format. «Mit dem Netzwerk Holz bieten wir mehrmals im Jahr physische Branchentreffs, um aktuelle Themen fokussiert zu durchleuchten», so Tanja Fischer, Projektleiterin der Holz. «Dort können sich Kolleginnen und Kollegen aus dem Fach auszutauschen. Zudem haben Holzaussteller und weitere Anbieter mit der neuen digitalen Plattform Netzwerk Holz auch über die Fachmesse hinaus die Möglichkeit, ihre Produkte, Innovationen und Veranstaltungen während 365 Tagen im Jahr zu präsentieren und ihre Zielgruppen ohne Streuverluste zu erreichen.» holz.ch

Video Da-Vinci-Brücke