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Bauen und leben mit Holz – Das Fachmagazin von Holzbau Schweiz

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Das Mitglieder- und Verbandsmagazin von Holzbau Schweiz

01/2014 Selbst ist der Mann

BAUEN

«Gutes Bauen ist wie das Zusammenspiel in einer Jazzband»

Walter Schär (49), ein geerdeter und begnadeter Holzbauer sowie Kultur- und Musikförderer aus Altbüron, übernahm bereits mit 27 Jahren den väterlichen Betrieb. Er führte das heute 100 Jahre alte Traditionsunternehmen in eine moder- ne, innovative und erfolgreiche Holzbaufirma über.

Nicht nur die Schweiz steht vor grossen energiepolitischen Herausforderungen. Die nach der Natur- und Atomkatastrophe von Anfang März 2011 in Fukushi­ma angestrebte Energiewende kommt bereits vor ihrer Umsetzung ge­hörig ins Stocken. Lange bevor die zuständige Bundesrätin Doris Leuthard verkündete, die Energie­effizienz von Gebäuden müsse verbessert werden, taten dies bau- und umweltbewusste Bauherren, Planer und Unternehmer schon längst. Nach der grossen Bau- und Immobilienkrise vor 25 Jahren wurde 1990 die zukünftige Energiepolitik in der Bundesverfassung mit einem Energieartikel verankert. Und es kam danach auch endlich Bewegung in den Holzbau. Eine erfreuliche, innovative Entwicklung, die bis heute anhält.

Entwicklungshelfer, Pionier und Handwerker
Zu den Vertretern des neuen Holzbaugeistes gehört auch Walter Schär. Voll­blutunternehmer, Holzbauer, Kunst- und Kulturförderer sowie Jazzliebhaber im fernen Luzerner Hinterland. Wir verabreden uns im Stammwerk von schaerholzbau in Altbüron. Der dynamische Endvierziger hatte 1992, als 27-Jähriger, von seinem Vater eine Zimmerei mit drei Angestellten übernommen – im Nachbardorf Grossdietwil. Bereits vor fast 700 Jahren wurde an der Rot eine Mühle betrieben. Ein Mühlrecht von Grossdietwil ist erstmals um 1330 urkundlich erwähnt. Bis vor 100 Jahren bewirtschaftete die Familie Schär die Mühle. Dann wandelte der Urgrossvater von Walter Schär den Betrieb in eine Sägerei um – wiederum unter Nutzung des Fliessgewässers. In den 1990-er Jahren beschäftigte sich der junge Zimmermeister mit den Impulsprogrammen des Bundes und er hatte viele neue Ideen. Er stellte den Sägereibetrieb ein und konzentrierte sich auf die Sparte «moderner Holzbau».
Doch vorerst kam noch etwas dazwischen: Stichwort Tadschikistan. Walter Schärs Augen beginnen zu leuchten: «Ich wollte in jungen Jahren schon immer ins Ausland – mich nicht nur weiterbilden, sondern auch sozial en­ga­gieren. Das arme Hochgebirgsland Tadschi­­-ki­stan war damals vom Bürgerkrieg zerrissen und die Caritas suchte Baufachleute, die beim Wiederaufbau von Häusern halfen», erzählt Walter Schär und fährt fort: «Dabei hatte ich gerade Vaters Geschäft übernommen und eine junge Familie. Der Entscheid für Tadschikistan war aber richtig und prägend – bis heute. Etwa die unglaubliche Gastfreundschaft in einem der ärmsten Länder der Welt, erinnert sich der Firmenchef in Demut. «Wir mussten dort oben mit wenig Holz und sehr einfachen, primitiven Mitteln auskommen. Das waren schon gewaltige Herausforderungen, die den menschlichen Erfin­­dergeist und das Improvisationsvermögen anregten – etwas, das unsere Firmenphilosophie bis heute prägt.»

Verpflichtung gegenüber dem Werkstoff Holz
Man merkt es im Gespräch mit Walter Schär sofort: Er ist mit seiner Heimat, der reizvollen Hügellandschaft im nord- östlichen Teil des Kantons Luzern, tief verbunden und verwurzelt. Aber noch viel mehr mit seinem bevorzugten Roh- und Werkstoff Holz. Und Walter Schär stellt auch Fragen: «Wie können wir mit der Nutzung der natürlichen Rohstoffe sinnvoll umgehen? Haben wir Visionen und nutzen wir die technischen Möglichkeiten, um krumme Bretter so zusammenzufügen, dass am Ende ein brauchbares und schönes Produkt entsteht?»
Etwa so wie der grosse Massivholztisch aus Weisstanne im schmucken Besprechungszimmer im bau 1 der vier Baukörper im Stammwerk von schaerholzbau.
Auch für Walter Schär ist unbestrit­ten, dass wenn ein Baum für den Hausbau gefällt wird, dies ein Eingriff in Natur und Landschaft ist. Aber er regt folgenden Denkprozess an: «Auch für den Bau unserer Betriebshallen nutzen wir Boden und Holz, das wir eigentlich der Natur weggenommen haben. Indem wir aber versuchen, eine hochwertige Architektur zu realisieren, gepaart mit Energieeffizienz, entsteht neue Kultur und so können wir etwas zurückgeben. Werken hängt mit Denken zusammen», und er weist darauf hin, dass schaerholzbau zu einem grossen Teil Holz aus der Region, also dem Entlebuch und dem Napfgebiet, bezieht. «Das Holz wächst vor unserer Haustür. Unser Netzwerk beginnt bereits im Wald. Denn wir kennen in der Regel die Förster, die den Wald hegen und pflegen. Und wir achten auch auf den Materialkreislauf: Wo wird der Baum gefällt und über welchen Weg gelangt er zu seinem Bestimmungs­ort?» Das ermöglicht eine verantwortungsvolle, nachhaltige Wertschöpfung und dies ist die Grundhaltung von Walter Schär und seiner Firma.

Netzwerk Werkgruppe
Die individuelle Fertigung von Räumen in Holz gehört also zu den Kernkompetenzen von schaerholzbau. Dazu nochmals Walter Schär: «Im Netzwerk mit ausgewiesenen Spezialisten erweitern wir unser Fachwissen fortwährend. Wir stehen im Dialog mit Architekten, Holz­bauingenieuren, Handwerkern, Fachpla­nern oder Finanzexperten.» Dieses über die Jahre sorgfältig aufgebaute Netzwerk, das vom Wald als Rohstoffträger bis zum fertigen Bauwerk reicht, garan­tiert Bauherren und Bestellern, dass sie die bestmögliche Lösung und Leistung auf kurzen Wegen bekommen. Das frühe Wagnis, sich mit den besonderen Eigen­schaften von Holz intensiv zu befassen und sich auf die individuelle Fertigung von Räumen und Bauwerken aus Holz zu spezialisieren, hat sich bewährt und gelohnt. Die Belegschaft stieg von ursprünglich drei auf heute gegen 80 Mitarbeitende an. «So können wir heute selbst komplexe öffentliche Bauten aus einer Hand anbieten und wir werden immer mehr auch reine Generalunternehmer – mit Preis- und Termingarantie», sagt Walter Schär.
Der Altbüroner Traditionsbetrieb mit mittlerweile drei Zweigwerken in Grossdietwil, Horw und Reiden versteht sich aber noch immer als Handwerks­unternehmen, das Lebensräume nach ökologisch verträglichen, wirtschaftli­chen, sozialen und architektonischen Grundsätzen baut. So ist Lob aus Archi­tektenkreisen auch Genugtuung und Befriedigung, wenn bestätigt wird, dass schaerholzbau ein Garant für Natürlichkeit, Pflege von altem Handwerk, Verwendung von einheimischen Materialien in Kombination mit moderner Architektur und zukunftsweisender Haus­technik sei. Dazu zeigt uns Walter Schär in bau 1, dem Empfangs-, Administrations- und Planungsgebäude, ein eindrückliches Beispiel: «Betrachten Sie mal den transparenten Raumteiler in seiner schlichten Form. Er ist aus Eiche, überblattet zusammengesetzt, ohne künstliche oder technische Verbindungs­mittel. Nur mit einer speziellen Hobelmaschine vor dem bündig sauberen Zusammenfügen bearbeitet. Sehen Sie das unterschiedliche Struktur- und Lichtspiel, je nach Ansichtswinkel?» Dieses einfache, nachhaltige Raumelement (Bild Seite 19) sei eine echte Herausforderung gewesen und führt uns dann zu einem weiteren Beispiel auf den Werkhof: «Wir haben für unsere modernen Holzbau-Elemente auch eine Diagonalschalung entwickelt und dabei ein uraltes Prinzip neu aktiviert. Das ist quasi der Verbund von Tradition mit Moderne», erläutert der auch kulturell sehr engagierte Firmenchef.

Auch dank schaerholzbau: Solargemeinde Altbüron
Altbüron mit seinen nicht einmal 1000 Einwohnern wurde 2013 mit dem Schwei­zer Solarpreis ausgezeichnet und so zur Mustergemeinde für Fotovoltaikanlagen. Den Grundstein dazu legte auch schaer­holzbau mit ihrer Anlage auf den Dächern der Werksgebäude und Hallen, die jährlich mehr als eine Viertelmillion Kilowattstunden Strom liefert. Inzwischen wird über ein Drittel des gesamten Strombedarfs der Gemeinde Alt­büron mittels Solarstrom gedeckt. Ein Schweizer Rekord. Dazu Walter Schär: «Wir haben in unserem Stammwerk Alt­büron und im Zweigwerk im Nachbardorf Grossdietwil viel investiert, um energiemässig autark und unabhängig zu werden. Wir erzeugen mehr Strom und Heizenergie, als wir selber benö­tigen. Sogar die Energie für unsere Mobilität wird dadurch kompensiert.» Da ist es keine Überraschung, dass die Werkgruppe von schaerholzbau auch einen eigenen Energiespezialisten in ihren Rei­hen hat. Abschliessend muss sie kommen, die Frage nach der Zukunft und nach dem Wachsen. Dazu ein entspannter Walter Schär: «Wir wollen auch in Zukunft wachsen, aber nur verkraftbar, so wie es uns die Bäume vormachen. Und die Lage an diesem kulturlandschaftlich besonderen Ort ist für uns eine Verpflich­tung.»

Schaerholzbau AG, Altbüron

Gründung: 1992 durch Walter Schär, Stammwerk ab 2001 in Altbüron.
Standorte: Hauptsitz in Altbüron, Zweigwerke in Grossdietwil, Horw und Reiden.
Mitarbeitende: Rund 80, davon 8 Lehrlinge.
Geschäftstätigkeit: Überregional und schweizweit.
Stammwerk Altbüron: Neubau Werkhalle 2002 = bau 2 mit 2400 Quadratmetern Produktionsfläche; dazu drei weitere Baukörper: bau 1 = Planung und Administration, bau 3 = Lagergebäude und bau 4 = Gebäude/Raum für Kultur. Neue Werkhalle für den Innenausbau im Zweigwerk Grossdietwil, erbaut 2008, mit 1000 Quadratmetern Produktionsfläche. Entwicklung des Konzeptes «hausmitursprung» und Einsatz für Bildung und Berufsförderung im Verband Holzbau Schweiz.
Energiekonzept: Moderne Holzschnitzelheizung; Wasserkraftnutzung
und Fotovoltaikanlage mit einer Jahresproduktion von über 250 000 kWh; Energieeffizienz und Deckungsgrad von gut 200 Prozent.
Auszeichnungen: Prix Lignum 2012 Region Zentrum, erster Rang für die neue Werkhalle in Grossdietwil; Swissbau Design Awards 2010, 2012 und 2014.


Bau 4: Kultur, Kunst und Jazz

Die Grundhaltung der Familie Schär «Unser Handwerk schafft auch Kunstwerk» hat Hildegard und Walter Schär dazu bewogen, auf dem Werkareal in Altbüron mit dem bau 4, gebaut 2005, einen Begegnungsort für Menschen mit Interesse an zeitgenössischer Kunst und Musik zu schaffen. Die Schärs möchten über die Region hinaus ent­sprechendes Interesse wecken und Leute für innovative Kunst und Kultur sensibilisieren. Das Hauptinteresse gilt dem Steckenpferd von Hildegard und Walter Schär, dem modernen Jazz, weiter dem Film und der bildenden Kunst. Was waren die Beweggründe für dieses kulturelle und nicht gerade billige Engagement? Dazu Walter Schär: «Wir nutzen Boden und Ressourcen aus unserer unmittelbaren Natur. Indem wir hier nicht bloss mit unseren Bauten Kultur machen, geben wir etwas in anderer Form zurück.» Walter Schär faszinieren bei der Musik die zeit-lich begrenzten Aspekte: «Ein Konzert erlebe ich in der Gegenwart, ich kann keinen Ton festhalten. Und vor allem beim Jazz bin ich vom Improvisieren der Musiker beeindruckt.» Das gibt den Schärs Mut, Mut zum Verwerfen und nicht alles als fertig anzusehen. Viele bekannte Namen aus der einheimischen und internationalen Jazzszene sind bei den Schärs im bau 4 schon aufgetreten. Im aktuellen Programm führten diesen Januar Vreni und Thomas Achermann das musikalische, witzige Theaterstück «Toggali – Ein urbaner Traum» auf. Und im aktuellen Programm sind bekannte Maler und Musiker enthalten.