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05/2014

BAUEN

Holzbauer mit Aussenwirkung

Der Holzbau entwickelt sich stetig weiter. Dies wirkt sich auch positiv auf dessen Wahrnehmung in der Öffentlichkeit aus. Zimmer­leute finden verstärkt Beachtung. So auch ­Stefan Müller und sein Team der S. Müller Holzbau GmbH anlässlich des SEF Awards 2014.

«Wir gratulieren Ihnen zur Nominierung. Sie sind im Finale des SEF Awards 2014.» Als Stefan Müller in diesem Früh­jahr seine Post öffnete, war darunter auch ein Schreiben des Swiss Economic Forums (SEF). Er und sein Betrieb S. Müller Holzbau GmbH wurden aus insgesamt 250 eingereichten Bewerbungen für den bedeutendsten Jungunternehmerwett­bewerb der Schweiz unter die Top drei gewählt. «Als ich mich im Januar via Online­formular mal so schnell schnell anmeldete, wäre mir im Traum nie in den Sinn gekommen, dass daraus etwas werden würde und wir so weit kommen», so Stefan Müller. Das SEF hatte ihn im Januar angeschrieben gehabt, ob er nicht Interesse hätte, mitzumachen. Dieses Schreiben landete zunächst aber im Alt­papier. «Die Neugier war dann doch grösser gewesen und so kramte ich die Infobroschüre wieder hervor.» Gele­gen­heiten beim Schopf packen. Eine Disziplin, die Stefan Müller sehr gut beherrscht.

Vom Bauernhof auf die SEF-Bühne
Eigentlich wollte er ja Bauer werden, wie er an einem verregneten Sommertag im Sitzungszimmer seines 60-köpfigen Betriebes erzählt. «Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Von daher war für mich die Berufswahl schon früh klar gewesen.» Der Vater sah dies jedoch anders und wollte, dass der Sohn etwas «Anständiges» lerne, da der Hof klein und seine Zukunft ungewiss war. «Zimmermann war ebenfalls ein Traumberuf von mir und so absolvierte ich mit viel Freude und Erfolg meine Lehre», wie Stefan Müller berichtet. Sich voll und ganz für eine Sache einsetzen, vorwärtsgehen – diese Stärken zeigten sich bei ihm schon als Teenager. So schloss er als Bester im Kanton seine Ausbildung ab und absolvierte danach während seiner Tätigkeit als gelernter Zimmermann eine kaufmännische Weiterbildung. Danach folgte die Technikerschule in Aarau mit dem obligatorischen Praktikum. Hierfür war er als Projektleiter bei der Marty Häuser AG angestellt. Dort wartete dann auf den damals 24-jährigen Stefan Müller diejenige Chance, die es wohl nur einmal im Leben gibt.
Die Holzbauabteilung der Marty Häuser AG sollte geschlossen und ein Management-Buy-out vollzogen werden. Beeindruckt von dem jungen Zimmermann und seinem Engagement, machte Benedikt Metzger, der damalige Geschäftsführer, Stefan Müller ein Angebot. «Da schluckte ich zunächst einmal leer, fand die Idee jedoch verlockend und fing an, konkret darüber nachzudenken und einen Businessplan aufzustellen», so Stefan Müller. Sein Ziel sei es immer gewesen, einmal selbständig zu sein, etwas Eigenes zu haben. «Ich habe mit vielen Leuten darüber gesprochen, Ratschläge eingeholt. Immer hörte ich aber, dass dies ein viel zu grosses Risi­ko sei, dass ich dies alleine nicht stemmen könne, mich damit übernehme und mir das Leben kaputt mache. Somit lehnte ich das Angebot ab.» Als er seinen Entscheid seinem Chef mitteilte, zeige sich dieser jedoch unbeeindruckt und meinte lediglich: «Und was sagt dein Herz?» Ein Handschlag besiegelte das Geschäft.

Auf Herz und Nieren prüfen
Was für den SEF Award zunächst ohne grossen Aufwand an einem Abend vor dem PC begonnen hatte, entpuppte sich dann doch als umfangreicher als gedacht. «Nachdem wir die erste Hürde der Onlinebewerbung geschafft hatten, muss­ten wir einen weiteren Fragebogen ausfüllen und ein detailliertes Dossier einreichen», so Stefan Müller zum weiteren Vorgehen. «Es gab Momente, wo ich dachte, hätte ich mich doch bloss nicht angemeldet. Es war wirklich aufwändig, all die Kennzahlen und betriebswirtschaftlichen Dinge herauszu­suchen, die Unternehmensstrategie und unsere Entwicklung aufzuzeigen. Wir mussten echt die Hosen runterlassen.» Die Arbeit zahlte sich aber aus und die S. Müller Holzbau GmbH kam unter die fünf Besten in der Kategorie Produktion/ Gewerbe, einem von insgesamt drei Bereichen, in denen Jungunternehmen beim SEF Award ausgezeichnet werden. Nun kannte man auch die Mitstreiter. Entsprechend konnte man sich vorbereiten und positionieren. «Wir waren der einzige Handwerksbetrieb und der einzige Betrieb mit deutschem Namen. Diese Karte haben wir voll ausgespielt.»
Und wieder galt es, ein Dossier zusammenzustellen, denn der Besuch der 15-köpfigen Expertenjury im Betrieb stand an. Während einer Stunde musste Stefan Müller diese von den herausragenden Leistungen seines Betriebes überzeugen und bei Rückfragen kompetent Antwort geben. «Mir war wichtig, die Tradition des Holzbaus hervorzuheben, dass wir mit einheimischem Holz ein hochwertiges Schweizer Produkt herstellen. Diese Leidenschaft für den Werkplatz Schweiz hat uns sicher geholfen, ins Finale zu kommen», ist Stefan Müller überzeugt. Nach zwei intensiven Monaten war es dann so weit und die Finalisten präsentierten sich und ihren Betrieb ein letztes Mal, nun vor der Hauptjury in Bern.

Finanzierung auf wackligen Beinen
Bereits vor fünf Jahren musste sich Stefan Müller behaupten. Jedoch ging es um deutlich Existenzielleres. Die Finan­zierung seines Betriebs stand auf der Kippe. «Mit 24 Jahren hatte ich also ­bereits meinen eigenen Betrieb. Finanziell sah es jedoch nicht gut aus», beschreibt Stefan Müller die erste Zeit nach dem Management-Buy-out. «Nach kurzer Unternehmertätigkeit liess mich die Bank im Regen stehen. Ich hatte schon im Vorfeld gemerkt, dass es schwierig war, ein Darlehen zu erhalten, da ich keine Sicherheit bieten konnte.» Seine Hausbank, die ihn und seine Familie seit Jahren kannte, sagte mündlich zu. Im Hintergrund wurde sein Antrag von der Zentralstelle nochmals geprüft und dabei abgelehnt, da das Risiko einfach zu hoch erschien. «Dies war kurz vor einem Lohnlauf, entsprechend aufgebracht stand ich in der Bankfiliale», wie Stefan Müller erzählt. Kurzfristig kam er so zum Glück an etwas Geld. Wenig später fand er dann mit der Ostschweizerischen Bürgschafts- und Treuhandgenossenschaft langfris­tige Abhilfe und bekam mit dieser Sicherheit die nötigen finanziellen Mittel von einer anderen Bank. Die Geschäfte liefen gut. So gut, dass 2013 die S. Müller Holzbau GmbH den Holzbaubetrieb Werkstoff Holz in Schwarzenbach SG übernehmen konnte. Stefan Müller kannte den damaligen Inhaber. Dieser erkrank­te jedoch schwer und übertrug ihm den Betrieb mit sieben Mitarbeitenden.

Stolz auf Holz
Am 6. Juni 2014 war es endlich so weit. Der Tag der Verleihung des SEF Awards im Rahmen des zweitägigen Swiss Economic Forums in Interlaken war gekommen. «Ich war sehr nervös», gibt Stefan Müller zu. Alle Finalisten erhielten jeweils fünf Minuten Zeit, um auf der Bühne nochmals die Stärken des eigenen Betriebes hervorzuheben. «Ich endete mit dem Satz ‹Ich bin stolz auf Holz›. Das ist den Zuhörerinnen und Zuhörern im Saal sehr gut hängen geblieben», wie Stefan Müller erzählt. «Während des Forums kamen ständig Leute zu mir, die mich mit ‹ja schau, der Hölzige› ansprachen und mich bereits als Sieger sahen.» Leider reichte es nicht und die S. Müller Holzbau GmbH musste den Sieg in ihrer Kategorie dem Laufschuhhersteller On AG aus Zollikon überlassen.
«Für uns hat sich die Teilnahme am SEF Award auch so mehr als gelohnt. Die Nominierung fürs Finale bedeutet für alle Mitarbeitenden und mich eine Anerkennung der gemeinschaftlichen Leistung», fasst Stefan Müller zusammen. Und obwohl er vom eigentlichen Forum und den Vorträgen nicht viel mit­bekommen hatte, war die Teilnahme auch in einem weiteren Punkt lohnenswert: Networking. «Ich habe viele Leute kennengelernt und dabei einen gros­sen Stapel Visitenkarten verteilt. Die Stimmung war locker, man kam rasch ins Gespräch und war sofort per du.» Dass beim SEF Award nicht das Preisgeld von CHF 25'000 im Vordergrund steht, sondern es darum geht, den Finalisten eine höhere öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen, ist Teil des Konzeptes. Laut den Organisatoren soll der Preis motivieren und wichtige Kontakte ermöglichen, die das langfristige Bestehen der Betriebe sichern sollen.
«Klar konnten wir seit der Nominierung einen weiteren Zuwachs an Aufträgen feststellen. Die zahlreichen Radio-, TV- und Zeitungsinterviews haben sicherlich auch ihren Beitrag dazu geleistet. Dennoch können wir uns jetzt nicht einfach auf unseren Lorbeeren ausruhen», gibt Stefan Müller zu bedenken. «Uns gibt es erst seit fünf Jahren. Die Bewährungsprobe dauert noch immer an. Nur weil wir bis jetzt erfolgreich waren, bedeutet nicht, dass wir es auch in den kommenden Jahren sein werden.»

Vorwärts, vorwärts, vorwärts
Stillstand kommt für Stefan Müller und sein Team nicht in Frage. Innovation und Tradition schliessen sich dabei nicht aus. Im Gegenteil: «Wichtig ist, dass wir in der Holzbaubranche weiter Qualität liefern und nicht am Markt vorbei ­produzieren. Vieles hängt auch von der persönlichen, menschlichen Seite ab. Wir Zimmerleute sind bodenständig und geniessen grosses Vertrauen. Gerade auf der Baustelle nehmen wir die Rolle des Vermittlers zwischen den verschiedenen Parteien ein. Wir leben den Gemeinschaftsgedanken», so Stefan Müller. Auch gilt es sich nicht nur am Kunden auszurichten, sondern auch im Betrieb den Menschen und somit die Mitarbeitenden ins Zentrum zu stellen und gemeinsam am gleichen Strick zu ziehen. «In unserem jungen Team pflegen wir einen kollegialen Führungsstil, alle sind motiviert und mit Freude bei der Sache. Dies wirkt sich auch auf die Kunden aus. Diese schätzen den direkten Draht zu uns und die persönliche Beratung, die sie erhalten.»
Unternehmerpreise wie der SEF Award bieten laut Stefan Müller eine ideale Möglichkeit, um sich mit dem eigenen Betrieb auseinanderzusetzen, eine Standortbestimmung vorzunehmen und sich der Stärken bewusst zu werden. Auch können dadurch Veränderungen angestossen werden, für die man sich sonst im Geschäftsalltag nicht die Zeit nimmt. «Ich sage daher, seid stolz auf das, was ihr leistet, und tragt diesen Stolz auch nach aussen. Nicht nur für euren Betrieb, sondern für die gesamte Holzbaubranche.»

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Swiss Economic Forum – SEF Award

Das Swiss Economic Forum wurde 1999 zum ersten Mal durchgeführt und etablierte sich innert weniger Jahren zur national führenden Wirtschaftsveranstaltung und Plattform für Unternehmertum und Innovation mit grosser internationaler Ausstrahlung. Jedes Jahr treffen sich in Interlaken während zweier Tage 1350 Unternehmer, Wirtschaftsführer, Politiker und Persönlich­keiten aus Wirtschaft und Medien zum Meinungsaustausch und branchenübergreifenden Dialog. Das SEF setzt sich mit dem SEF Award aktiv für Jungunternehmen ein. Nebst dem Preisgeld von CHF 25'000 verschafft der Award den Gewinnern wie auch den Finalisten eine einzigartige Plattform, um sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und wertvolle Kontakte zu knüpfen. swisseconomic.ch/award


S. Müller Holzbau GmbH

Durch ein Management-Buy-out übernahm Stefan Müller 2009 die Holzbau­abteilung der Marty Häuser AG mit damals 15 Mitarbeitenden. Die Firma wuchs schnell und ist heute Arbeitgeberin für 65 Angestellte. Wäre ihre Arbeit ein Sport, so wäre dies das Seilziehen. Denn ihre Unternehmensphilosophie lautet, dass alle am gleichen Strick ziehen. Die Füsse fest auf dem Boden, steht die Mannschaft zusammen und arbeitet am gleichen Ziel. Gute Quali­tät zu fairen Preisen, dies das Ziel, um langfristig erfolgreich zu sein. Stefan Müller ist seit gut zwei Jahren zudem aktiv in der Verbandspolitik. Als Mitglied der Zentralleitung von Holzbau Schweiz verantwortet er das Ressort Bildung. smueller-holzbau.ch