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06/2022 Vorteil Hanglage

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Jedem sein Häuschen

670 Nistkästen bauten die Pfadikinder mit Holzbau Schweiz während ihren Ferien im Bundeslager. Die Vogelkästen werden an ausgewählten Orten in der Schweiz aufgehängt, damit Mauersegler und Gartenrotschwänze geeignete Plätze zum Nisten finden.

Text Sue Lüthi | Bilder Sue Lüthi, Holzbau Schweiz

 

Stolz präsentieren die Kinder ihren Lagerplatz: Fahnen wehen von Türmen und Masten und verweisen auf die Namen und Werte ihrer Pfadigruppe. Ganze Burgen und Siedlungen haben die Kinder aus Holz, Planen und Zelten errichtet. Die einen hausen ordentlich gegliedert, die Zelte straff gespannt in Reih und Glied, die Kochlöffel stramm über den geputzten Töpfen sortiert. Bei anderen flattern offene Zelte, die kreuz und quer Weglein generieren, dazwischen Badehosen, Photovoltaikpaneele und Gewürzdosen. Locker und mit viel Toleranz sind Ende Juli/Anfang August 30 000 Kinder zwei Wochen lang vereint und stehen hinter ihren acht Pfadigesetzen. Zwei zusätzliche Punkte hat jedes Pfadikind für sich formuliert. So findet Individualität innerhalb des Ganzen auch Platz.


Nistkästen für Anspruchsvolle

Individualität ist auch das Stichwort für zwei Vogelarten in der Schweiz. Der Mauersegler und der Gartenrotschwanz nisten ebenso in speziell gebauten Unterkünften. Ihre Häuschen haben genaue Platzierungen und Masse für die Einflugschlitze und Löcher. Total 670 solcher Nistkästen bauen die Pfadis im Bundeslager im Goms (VS). Die Gruppen haben sich im Vorfeld angemeldet und so treffen die Jugendlichen pünktlich in der Mini-Zimmerei der Berufsförderung Holzbau Schweiz im Holzturm ein. Simon Schoch, Projektleiter Bildung bei Holzbau Schweiz, hat mit dem Team Vorarbeit geleistet und die einzelnen Teile der Nistkästen zuschneiden lassen. Vor Ort sind mehrere Zimmerleute, die das Material und die Werkzeuge organisieren, die Bausätze vorbohren, verteilen und die Kinder beim Zimmern unterstützen. Holz und Werkzeuge sind von der Tanner Holzbau & Sägerei AG in Merishausen (SH) und HGC gesponsert.


Die Pfadischar wird in zwei Gruppen geteilt und Simon Schoch platziert 16 Pfadikinder an die Werkbänke. «Wir machen das gemeinsam Schritt für Schritt», sagt der Zimmermann und deutet auf die vier Musterhäuschen an der Wand. Los geht’s mit Kantenfasen. Dann kommt der Akkubohrer zum Einsatz, mit dem die Seitenwände und das Dach verschraubt werden. Zum Schluss folgt die Frontseite.


Der Gartenrotschwanz stellt hohe Bedürfnisse an seinen Brutplatz. Er brütet in Obstgärten und lichten Wäldern, braucht Platz in seiner Höhle und offene Bodenstellen zur Nahrungssuche. Er fliegt von unten in seine Wohnung und liebt kleine Fensterschlitze. «Mit dem heutigen Baustil und der Umgebungspflege werden natürliche Höhlen und Schlupflöcher an Häusern und in Gärten immer seltener», sagt Brieuc Dervaux, Biologe bei der Vogelwarte Sempach. Vielleicht ist auch der Insektenschwund ein Grund, warum der Gartenrotschwanz immer seltener hier nistet. Die Wissenschaftler der Vogelwarte werden die Nistkästen für den Gartenrotschwanz an geeigneten Orten aufhängen, am besten unter einem Ast, etwa 1,60 Meter über dem Boden.


Der Brutkasten des Mauerseglers muss hingegen hoch gehängt werden, denn dieser Vogel kommt mit hohem Tempo daher und fliegt fast ungebremst in sein Gebäude. Ein ovales Loch von nur drei Zentimetern Höhe und sechs Zentimetern Breite dient als Eingang. Gerade so, dass nur er und nicht grössere Vögel hineinschlüpfen können. Er legt keinen Wert auf glatte Wände und Decken, denn er krallt sich gerne fest. Doch sein Türrahmen darf etwas abgeschliffen sein, damit er sein Gefieder nicht abwetzt. Die Pfadileiter Slaia, Accara, Stitch und Wookie von der Pfadi Rychestei (BL) finden es toll, die Häuschen zu bauen. «Sie sind sehr schön, ich finde es cool, etwas selber zu bauen, das gebraucht wird», sagt Slaia. «Am liebsten würde ich es heimnehmen», meint Accara. Stitch würde das Häuschen gerne noch weiter bearbeiten: «Mit Farbe anstreichen wäre schön.» Er hat im Werkunterricht schon unterschiedliche Vogelhäuschen gebaut. Auch Pfadi Spyro hat Erfahrung. Er hat bereits ein Lehrjahr als Zimmermann nachzuweisen und für das BuLa extra Ferien genommen.


Knopf mit dem Knoten

Die Jugendlichen haben volles Verständnis für die Anforderungen an die Standplätze und laden die fertigen Nistkästen gerne auf das Palett. Andere Pfadikinder, die an der Werkstatt vorbeikommen, möchten auch gleich mitbauen. Sie werden zur Holzbaustelle gegenüber geschickt, wo die Zimmermänner Daniel Küng und Benjamin Nussbaum mit Holz, Werkzeugen und Ideen zur Seite stehen. Auf dem Holzturm erklären die Holzbauer André Fiedli und Markus von Ballmoos im Schnelldurchgang, worum es in ihrem Beruf geht. Wieder zurück auf dem BuLavard werden die Gehirnzellen gefordert: Wer hat zuerst den Zimmermannsknoten zusammengebaut? Und wie genau geht das mit der Da-Vinci-Brücke? Da ist Wettnageln schon viel einfacher?… und sehr beliebt.
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