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08/2020

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«Kompetenzen über die Lehre in die Branche bringen»

Der Holzbaubranche kommt bei der Umsetzung der Energiestrategie 2050 und der Klimapolitik eine wichtige Rolle zu. Im Interview erklärt Peter Elsasser, Bereichsleiter Bildung bei Holzbau Schweiz, wie der Verband diese grossen Herausforderungen angeht, wo noch Defizite bestehen und an welchen neuen Berufsbildern gearbeitet wird.

Text Nicolas Gattlen | Foto Ephraim Bieri, Ex-Press

Der Holzbau kann einen grossen Beitrag zur Umsetzung der nationalen Energie- und Klimastrategien leisten: In einem Holzgebäude steckt deutlich weniger graue Energie als in Massivbauten, zudem speichert Holz CO2 und isoliert hervorragend. Doch noch immer dominieren bei den Baustoffen Beton und Backstein. Was sind die Gründe, Herr Elsasser?

Peter Elsasser: Die meisten Bauprojekte werden über Architektinnen und Architekten gesteuert. Oft wird aus reiner Gewohnheit auf Beton und Mauerwerk gesetzt. Auch fehlt das Bewusstsein für das enorme Potenzial des Holzbaus. Dass heute auch Hochhäuser in Holz möglich und hochwertige Lösungen für die Herausforderungen im Brand- und Schallschutz vorhanden sind, ist noch nicht in allen Köpfen angelangt. Auch hält sich das Vorurteil, dass ein Holzbau teurer ist als ein konventioneller Massivbau.

 

Trifft das nicht mehr zu?

Nein, da gibt es kaum noch Unterschiede. Über den gesamten Lebenszyklus gerechnet ist der Holzbau sogar günstiger - und darüber hinaus viel ökologischer und klimafreundlicher. Die jungen Architektinnen und Architekten achten mehr auf diese Nachhaltigkeitsthemen. Und auch bei den Bauherren und Investoren ist ein Umdenken in Gang. Der Trend zum Holzbau wird sich deshalb in den nächsten Jahren massiv verstärken.

 

Ist die Branche denn gerüstet für einen Holzbauboom?

Die Holzbaubranche schafft jedes Jahr rund 300 neue Stellen. Und die Nachwuchsförderung funktioniert gut, der Zimmermannsberuf ist bei den Jugendlichen begehrt. Jedes Jahr bilden wir fast 800 junge Leute aus. Allerdings fehlt es an Kaderleuten. Die Entwicklungen im Holzbau gehen rasend schnell voran. Die Planungsaufgaben in der Vorfertigung werden stets komplexer und aufwändiger. Sie erfordern immer mehr gut ausgebildete Fachkräfte.

 

Die Umsetzung der Klima- und Energiepolitik wird auch die Anforderungen an die Gebäude verändern. Gefragt sind ressourcen- und energie-effiziente sowie stromproduzierende Bauten. Verfügt die Holzbaubranche über das entsprechende Know-how?

Wir haben diese neuen Kompetenzen frühzeitig in die Ausbildung integriert. Die beiden Bundesämter BAFU und BFE haben uns dabei sehr unterstützt. 2014 wurde die Zimmermannsausbildung komplett revidiert. Die Lernenden werden nun unter anderem befähigt, energieproduzierende Bauteile zu montieren. Dazu haben wir stufengerechte Lehrmittel sowie Weiterbildungen für üK-Leiter und Berufsfachschul-Lehrpersonen entwickelt und die Ausbildungsstätten mit der entsprechenden Infrastruktur ausgerüstet. Mit den neu geschaffenen Lehrgängen Solarteur/in / Projektleiter/in Solarmontage BP, Energieberater/in BP und Baubiologe/-in BP haben unsere Berufsleute die Möglichkeit, ihre Kompetenzen in den Bereichen Energie und Nachhaltigkeit zu vertiefen.

 

Werden auch die Kaderleute entsprechend geschult?

In den jüngst überarbeiteten Berufsbildern Holzbau-Vorarbeiter, Holzbau-Polier und Holzbau-Meister haben die Themen Energieeffizienz, Umweltschutz und Nachhaltigkeit an Gewicht gewonnen. Als Nächstes stehen nun die entsprechenden Anpassungen der Lehrmittel an.


In der Grundbildung wird nächstes Jahr bei Zimmermann/Zimmerin EFZ die Fünf-Jahres-Überprüfung stattfinden. Werden Anpassungen am Bildungsplan in Bezug auf Energie, Umwelt und Klima vorgenommen?

Die Themen Nachhaltigkeit und Klimaveränderung sowie der sparsame Umgang mit endlichen Ressourcen werden auch im Bauwesen immer wichtiger. Unser Ziel ist es, dass sie über die Lehre in die Branche gelangen. Ein weiterer Kanal wird die digitale Lernumgebung sein, die wir gerade entwickeln. Mit dem "Holzbau-LAB" wollen wir dafür sorgen, dass auch die älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit haben, mit lebenslangem Lernen am Ball zu bleiben.

 

Soll diese Plattform die herkömmlichen Weiterbildungskurse ersetzen?

Wir verstehen sie als Ergänzung zu diesen. Kurse sind ein ausgezeichnetes Mittel, um Inhalte zu vertiefen. Ihr Nachteil ist, dass sie nur zu bestimmten Zeiten stattfinden. Und diese passen nicht immer mit den projektspezifischen Bedürfnissen der Unternehmen überein. Wenn zum Beispiel eine Firma ein Nachhaltigkeits-Label beantragen will, möchte sie die nötigen Informationen sofort haben. Auf der digitalen Plattform wird sich künftig jeder Mitarbeitende der Holzbaubranche jederzeit über branchenspezifische Themen informieren können. Grundlegende Inhalte werden für alle Nutzerinnen und Nutzer kostenfrei sein. An der Erarbeitung der Inhalte sind auch die Bundesämter BAFU und BFE beteiligt. Damit wollen wir gewährleisten, dass die Themen Nachhaltigkeit, Energie und Klima kompetent abgedeckt sind.

 

Arbeitet der Verband auch an neuen Berufsbildern?

Ja, wir sind mit anderen Verbänden daran, einen Lehrgang zu gesundem und nachhaltigem Bauen und eine Berufsprüfung zum/zur Gebäudehüllenplaner/in zu realisieren. Gerade die Anforderungen an die Gebäudehüllen sind in den letzten Jahren gestiegen und erfordern ein fachübergreifendes Know-how. Der Gebäudehüllenplaner arbeitet an der Schnittstelle zwischen Architekt/Bauleitung und Fachplaner der involvierten Gewerke. Er kann einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Energie- und Klimastrategie leisten, indem er dafür sorgt, dass Gebäudehüllen energie- und ressourceneffizient geplant und umgesetzt werden.

Fit für die Ressourcenschonende Wirtschaft

Berufsleute der Holzbaubranche können sich in einer Aus- oder Weiterbildung zusätzliche Kompetenzen in den Bereichen Nachhaltigkeit, Klima und Energie aneignen:

Solarteur/in / Projektleiter/in Solarmontage (BP): Nach sieben Kursmodulen erlangen die Absolventen/-innen den EU-geschützten Titel "Solarteur". Sie agieren als Systemversteher in den Bereichen Photovoltaik, Solarthermie und Wärmepumpe. Mit Erweiterungsmodulen "Grundlagen Projektmanagement" und "Projektmanagement Solarmontage" erhalten sie die Zulassung zur eidgenössischen Berufsprüfung "Projektleiter/in Solarmontage". polybau.ch, solarteure.ch, suissetec.ch

Energieberater/in Gebäude (BP): Absolventen/-innen werden in rund sechs Wochen befähigt, umfassende energetische Analysen von Gebäuden zu machen und Bauherren in Bezug auf eine energieeffiziente Gebäudesanierung zu beraten. Mit der Berufsprüfung erreichen sie die Kompetenzen, Gebäude-Energieausweise auszustellen und Fördergesuche einzureichen. suissetec.ch, polybau.ch, ibw.ch

Basiskurs "Solarstrom/PV-Anlagen": Der dreitägige Kurs vermittelt die Grundlagen zu Photovoltaikanlagen und deren Realisation. Schwerpunkt bildet dabei die Montage von PV-Modulen auf Dächern und an Fassaden. Mit der bestandenen Abschlussprüfung sind die ersten Anforderungen für das Label "Solarprofis" erfüllt.swissolar.ch, solarevent.ch

Baubiologe/-in (BP): Die Ausbildung erfolgt berufsbegleitend (12 Monate). Vermittelt werden Kenntnisse über das ökologisch und gesundheitlich orientierte Bauen, Sanieren und Betreiben von Gebäuden. Voraussichtlich ab 2022 bietet das Bildungszen-trum Baubiologie die Ausbildung zum "Experten/-in Gesundes und Nachhaltiges Bauen" (HFP) an. baubio.ch

Weiterbildungskurse Minergie:minergie.ch