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04/2021

BAUEN

«Mit der Casanatura lagen wir genau richtig»

2005 gründeten Erwin Walker, Inhaber und Geschäftsführer der Bianchi Holz- und Treppenbau AG, und seine Frau Martha Walker die Tochterfirma Casanatura. Die damals visionäre Idee, ganze Häuser zu planen und zu bauen und damit für die Zimmerei Aufträge zu schaffen, stiess in ihrem Umfeld auf Kopfschütteln. Der Erfolg bestätigt, dass sich das Risiko gelohnt hat.

Interview Sue Lüthi | Bilder Claudia Reinert


Treppenbau stand bei der Bianchi Holz- und Treppenbau AG immer im Vordergrund. Wie lief die unternehmerische Entwicklung, Herr Walker?
Erwin Walker: Wir haben uns auf den Treppenbau spezialisiert, um uns von der Konkurrenz abzusetzen. Dies ist unser Kerngeschäft. Später begannen wir, in der Region den Holzbau aufzubauen. Uns war immer die Nähe zum Kunden wichtig, so konnten wir die Marke «Bianchi-Treppen» auf die ganze Ostschweiz ausbreiten. Doch im Holzbau sind der Architekt und der Bauleiter zwischen dem Kunden und uns, der Bauherr ist weiter weg, das entsprach nicht unserer Art. Aus diesem Bedürfnis gründeten wir vor 16 Jahren die Tochterfirma Casanatura GmbH.

Konkurrieren Sie mit der Casanatura nicht die Architekten?

EW: Kollegen warnten uns, das sei gefährlich, wir würden dann keine Aufträge mehr von den Architekten erhalten. Trotzdem waren und sind wir davon überzeugt, dass es der richtige Weg für die Zukunft ist. Dies zeigt sich an unserem Erfolg und an anderen Holzbauern, die nun auch ganze Planungen übernehmen. Wir gehen zurück zu den Wurzeln: Früher war der Zimmermann der Baumeister.

Martha Walker:
Auch die Entwicklung des Elementbaus hat mitgespielt. Da muss der Holzbauer planerisch schon so viel leisten, dass er die Bedürfnisse gleich beim Kunden direkt abholen könnte und dann das ausführen, was in seiner Kompetenz liegt. Und die Architekturleistung dazukaufen. Inzwischen ist die Casanatura unser Marketinginstrument, um Aufträge für die Zimmerei zu generieren. Wir sind in der komfortablen Situation, dass wir im Moment alles eigene Zimmereiaufträge haben. Mit der Abteilung Maler und Gipser, die von der Treppenbehandlung stammen, liegt jetzt eine noch grössere Wertschöpfung im eigenen Betrieb.

Wir haben Frühling 2021. Wie sieht bei Ihnen die nahe Zukunft aus?

EW: Das letzte Jahr gab unserer Digitalisierung einen Schub, in der Planung muss ein Holzbauer top sein. Wir haben in gut ausgebildetes Personal investiert, denn unser Betrieb soll kompakter werden, nicht grösser. Lieber arbeiten wir mit Partnern zusammen, wie zum Beispiel mit dem Abbundzentrum nebenan. Wir haben keine CNC-Maschine für den Holzbau, nur für den Treppenbau. So bleiben wir schlank und familiär und das schätzen die Mitarbeitenden. Am 1. Juli feiern wir unser 25-Jahre-Jubiläum. Mal schauen, was möglich ist, sicher feiern wir mit unseren Leuten.

Sind weitere Stallprojekte in Sicht?

EW: Wenn der zweite Stall fertig ist, möchten wir mit den Vertretern des Kantons zusammensitzen, um das Thema nochmals durchzugehen. Die Zusammenarbeit mit den Ämtern war etwas harzig, eine individuelle Herangehensweise und Prüfung war gefragt, die Ämter hatten mehr Aufwand. Wir sind natürlich interessiert, in der Nähe weitere Ställe nach Mass auszuführen, aber reine Stallbauer sind wir nicht. Zwei Mondholzprojekte stehen dafür an. Wir gehen mit der Bauherrschaft in den Wald, danach zum Säger und so weiter. Diese Arbeitsweise möchten wir weiterverfolgen, sie wird von den Kunden gefragt und geschätzt.

In Europa gibt es Nachschubprobleme mit Baumaterial. Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeit aus?

EW: Der Preis steigt. Bei Halbfabrikaten müssen wir aufpassen, dass wir die Lieferungen erhalten und es nicht plötzlich an Material fehlt. Auch andere Handwerker kennen das Problem. In unserer Branche sind es vor allem Platten, die derzeit schwierig zu erhalten sind. Der Einfluss der Amerikaner, die mit den Kanadiern Probleme haben und nun wie die Chinesen den Rohstoff Holz im europäischen Markt einkaufen, wirkt sich stark aus.

Müssen Sie preislich reagieren?

EW: Ja, wir müssen aufpassen. Ähnliches passiert derzeit bei den Wärmedämmungen, was die Maler und Gipser betrifft. Auch bei den Heizungs- und Sanitärin-stallationen stocken die Lieferungen – bei Geräten oder Teilen davon. Nun heisst es schnell sein und dafür sorgen, dass das nötige Material vorhanden ist. Denn Aufträge zu haben, ist ja gut, aber ohne Material geht’s nicht.

Kann der Holzbau in der Schweiz nicht auf die eigenen Holzressourcen zurückgreifen?

EW: Wir haben zu wenig Sägereien und für die Weiterverarbeitung zu Halbfabrikaten fehlt eine leistungsstarke Infrastruktur. Eine Lösung wäre, auf andere Produkte auszuweichen.

MW:
Ich sehe schon Möglichkeiten, im eige­­nen Markt zu arbeiten, aber nicht so kurzfristig. Erkannt hat der Verband Holz­bau Schweiz dieses Problem schon länger, aber wenn einzelne Player zu viel Eigeninteresse haben und nicht gesamthaft denken, dann ist das schwierig. So laufen die Projekte nur regional. Hier in Graubünden öffnen wieder Sägereien mit eigener Weiterverarbeitung. Langsam geschieht schon etwas. Der Druck ist vielleicht gar nicht so schlecht, er könnte das Handeln beschleunigen. Denn im Schweizer Wald hat es genug Holz für den heimischen Markt. Man muss es nur holen und verarbeiten.

EW: So gesehen sind die Mondholzprojekte genau der richtige Weg. Aber die Zimmereien müssen das Netzwerk zuerst aufbauen, das braucht Zeit. Das ist unsere Chance. Wir haben unsere Nische gefunden.

MW:
Dass wir damals unsere Visionen umgesetzt haben, zahlt sich jetzt aus. Mit der Casanatura sind wir flexibler, individueller und näher beim Kunden. Der Kunde und die Kundin wünschen dies. Sie fragten danach und wir haben gut zugehört.

Frau Walker, Sie sind Vizepräsidentin beim Verband Holzbau Schweiz. Was beschäftigt Sie gerade?

MW: Im Vordergrund steht die Wertschöpfungskette Holz, ferner die Nachhaltigkeit und die Förderung von Schweizer Holz. Die Beschaffung des Materials vom Wald bis zur Verarbeitung in der Schweiz steht dabei im Mittelpunkt – und zwar auf nationaler Ebene. Dass es regional funktioniert, sehen wir bereits in unserem Betrieb. 


Bianchi Holz- und Treppenbau AG

Neben dem Innenausbau, den Zimmereiarbeiten, dem Elementbau und den Bodenbelägen kommt bei der Bianchi Holz- und Treppenbau AG dem Treppenbau besondere Bedeutung zu. Mit der Gründung der Tochtergesellschaft Casanatura GmbH erweiterte der Betrieb sein Angebot und bietet auch Architektur- und Planungsarbeiten für Holzbauten an. Ein qualifiziertes Maler-Gipser-Team rundet den Service der Firma in Landquart (GR) ab. Inhaber und Geschäftsführer ist der 57-jährige Erwin Walker. Bereits sein Vater betrieb eine Zimmerei und baute Häuser. Erwin Walker ist Zimmermann, absolvierte an der Holzfachschule in Biel das Diplom zum Holzbaupolier und holte sich das kaufmännische Rüstzeug am Schweizerischen Institut für Unternehmerschulung SIU. 1996 übernahm er die Firma Bianchi von seinem Arbeitgeber. Bianchi war früher ein grosses Unternehmen mit Hoch- und Tiefbau, Immobilien und Transport, daher wurde der bekannte Name beibehalten. Walker war von 2009 bis 2020 Präsident der Sektion Graubünden von Holzbau Schweiz. Sein «Kind» aus dieser Zeit ist die Realisation des üK-Zentrums in Ilanz. Unterstützt wird Erwin Walker von seiner Frau Martha Walker. Nach ihrer Tätigkeit als Kinderkrankenschwester und Ausbildungen in der Mütter- und Väterberatung sattelte sie beruflich um und engagierte sich für das Marketing und den Verkauf im Unternehmen. Seit bald zehn Jahren ist sie als Mitglied der Zentralleitung und als Vizepräsidentin von Holzbau Schweiz für die Branche tätig. Die Bianchi Holz- und Treppenbau AG beschäftigt heute 33 Spezialisten und Spezialistinnen im Holzbau, vier davon sind Lernende.