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06/2021

BAUEN

Vom Einfädeln und von silbernen Jahrringen

Die Bütler Holzbau AG baute in einem Einfamilienhausquartier in Dübendorf einen Pavillon. Dieser ist zwar an ein Haus aus den 1980er Jahren angebaut, präsentiert sich aber mit eigenständiger Form und Fassade. Eine beispielhafte Verdichtung im Gemüsegarten der Bauherrenfamilie.

Text Sue Lüthi | Fotos Andreas Graber | Pläne Clou Architekten AG, Bütler Holzbau AG

 

Das ehemals ländliche Dübendorf ist seit dem Bau der S-Bahn und mit dem Wachstum der Metropolregion Zürich zu einer Stadt geworden. In den Quartieren erinnern jedoch noch viele Elemente an die landwirtschaftliche Vergangenheit. Brunnen, Brücken, Ställe und Schilder mit Namen wie Heugatter- oder Eichackerstrasse tauchen im Stadtgebiet auf.


Der neue Pavillon steht in einem locker bebauten Einfamilienhausquartier an der Glatt, zwischen Flugplatz und Eishalle. Er erweitert ein bestehendes Einfamilienhaus dort, wo früher der Gemüsegarten lag. «Es ist das schönste Plätzchen neben dem Haupthaus und unter dem alten Nussbaum», sagt Andreas Feurer. Der 40-jährige Architekt ist in dem Haus aufgewachsen, heute bewohnt es seine Schwester mit ihrer Familie. Das Haus aus den 1980er Jahren wurde den Eltern zu gross und so kam die Idee auf, für sie im Garten ein Stöckli zu bauen. Dieser Aufgabe nahm sich Andreas Feurer mit seinem Team der Clou Architekten an.


Sechs Meter hohe Massivholzwand
Auch Rinaldo Andres ist ein Dübendorfer. Der Zimmerpolier wurde früh ins Projekt eingeweiht. Er kannte die meisten involvierten Unternehmer, viele sind aus der Region. Das vereinfache die Schnittstellen, sagt er. Andres betont die herausragende Bauleitung der Architekten. «Die Bauleiterin war stets zur richtigen Zeit vor Ort, ohne ihr Wissen wurde wohl keine Schraube eingedreht. Wir schätzen das detailorientierte Handeln und den Austausch über technischen Lösungen», ergänzt er. Auf die Probe gestellt wurde die Zusammenarbeit der Holzbauer und Baumeister bereits bei den Kranarbeiten. Der Neubau kam unter den alten Nussbaum zu stehen, was zum Beispiel das Einfädeln der sechs Meter hohen Holzbohlenwand zu einer Konzentrationsaufgabe machte. Die Treppe und die Decke sind betoniert und eine Windböe oder eine Unachtsamkeit hätte das Unterfangen ins Schwanken gebracht und zu Verletzungen der Holzoberfläche geführt.


Das Stöckli steht auf der gleichen Ebene wie das Haupthaus und ist durch eine Garage mit diesem verbunden. Einen direkten Zugang ins bestehende Haus gibt es nicht, es soll ein eigenständiges Gebäude sein. «Darum auch diese Dachform. Wir haben uns an den Flach- und Pultdächern der alten Ökonomiegebäude orientiert», erklärt der Architekt. Auf dem länglichen Grundstück sind kleinere pavillonartige Bauten auszumachen. Früher hielt die Familie über 200 Hühner und pflegte einen Gemüse- und Obstgarten. «Ein Satteldach hätte dem Stöckli sofort den Charakter eines Hauses verliehen, das passte hier nicht», so Feurer. Der Pavillon ist dem Garten zugewandt und öffnet sich mit hohen Fenstern und einem weit ausladenden Vordach zur Wiese und den Obstbäumen. Die Nordausrichtung störte weder den Architekten noch die Bauherrschaft, jedoch aber das Bauamt. Wohnräume dürfen gemäss Planungs- und Baugesetz (PBG) nicht im Norden gesetzt sein. Mit dem offenen Grundriss und den geforderten Fensterflächen in westlicher und südlicher Himmelsrichtung gaben sich die Behörden dann aber zufrieden. Als Wohnraum kann die ganze Fläche bezeichnet werden. Das Zentrum bilden eine Kücheninsel und ein grosser Esstisch. Das Obergeschoss ist eine Holzkonstruktion aus massiven Bohlen und Bindern, die das Dach tragen. Unter dem asymmetrischen Knick im Dach verläuft quer die durchgehende Massivholzwand, die die Kräfte auf das Fundament abträgt. Die Aussenwände im Erdgeschoss sind betoniert, sie stossen an zwei Seiten ans Terrain.


Sichtbare Holzbohlen und Lehmputz

Ein Holzbau war von Anfang an gesetzt. Die Familie Feurer ist seit mehreren Generationen Teil der Holzkorporation Dübendorf. «Das eigene Holz zu verbauen, war jedoch zu aufwendig», sagt Feurer. Zimmermann Rinaldo Andres ergänzt: «Das gewünschte Material in der entsprechenden Qualität im eigenen Wald zu finden und zu verarbeiten, braucht viel Zeit und Herzblut. Bis das geschlagene Holz die gewünschte Feuchtigkeit erreicht hat, braucht es eine Trocknungszeit, die ein, zwei Jahre dauern kann. Oder man muss es technisch trocknen. Wir sind zufrieden, wenn wir Schweizer Holz einsetzen können.» Die zwölf Zentimeter starken Massivholzbohlen bestehen aus Tanne/Fichte und zeigen im Hauptraum Sichtqualität. Die Aussenwände sind aussen mit 16 Zentimetern Mineralwolle gedämmt, hinterlüftet und mit vorvergrauten, silbrig schimmernden Sperrholzplatten verkleidet. In den Rückzugsräumen wurden auf die Holzwände Lehmplatten zur Aufnahme eines Lehmputzes montiert. So ist das Holz mit einer natürlichen und ökologischen Oberflächenbehandlung mit offenen Poren versehen. Lehm als erdiges Urmaterial reguliert das Raumklima hervorragend und setzt dem Holz seine eigene natürliche Ästhetik entgegen. Zur vereinfachten Montage sind fertige Lehmplatten (22 mm) erhältlich, die auf Holz genagelt werden können. Der anschliessend im Stöckli aufgetragene dünne Lehmputz (4 mm) blieb ohne Farbbehandlung, ist rau in der Oberfläche und sandet etwas ab, erklärt Feurer.


Im unteren Geschoss sind auch die Betonwände mit dem Lehmputz beschichtet. Dort finden sich neben dem grosszügigen Eingangsbereich ein Bad und ein Arbeitszimmer. In den hangseitigen Räumen liegen der Keller, der Zugang zur Einzelgarage und die Haustechnik. Eine Erdsonde wärmt oder kühlt die Bodenheizung und im Dach eingelegte Photovoltaikelemente liefern Strom weit über den eigenen Eigenbedarf hinaus in die direkte Nachbarschaft.


Entlang der zentralen Holzbohlenwand führt eine betonierte Treppe hinauf in den Hauptraum. Der Hartbetonbelag und die dunklen Einbauten der Küchenmöbel stehen im Kontrast zum Grün hinter den grossen Fensterflächen und dem Sichtholz der Wände und Dachbinder. Ein aussergewöhnlicher Blickfang ist die Sperrholzfassade, die markant die Lärchenjahrringe zum Vorschein bringt. «Um die gewünschte Ästhetik zu erzielen, mussten wir mehrere Muster erstellen», erklärt der Architekt. Das silberne Schimmern wird durch einen Pigmentzusatz erzeugt. Nur bei einem Anteil von exakt 30 Prozent stimmte der Effekt. Die grossen Platten (1,25 × 3,05 m) wurden von den Zimmerleuten auf Mass zugeschnitten und millimetergenau auf der Fassade versetzt. Im Eingangsbereich sollen die Lärchenplatten nicht vergrauen, sie erhielten darum einen UV-Schutz und einen Wasserstopp. Auch diese Oberflächenbehandlung gilt als wartungsfrei, das Holz wird aber trotzdem etwas verwittern, erklärt Andres. Um der Ästhetik willen könnte man es nach sieben bis acht Jahren nochmals behandeln.


Offen kommunizieren

Der 38-jährige Zimmerpolier wird bald das Ruder der Bütler Holzbau AG übernehmen. Im Moment beschäftigt ihn aber mehr die Problematik der Materialbeschaffung und der Preissteigerungen. Der Betrieb arbeite vor allem für Privatkunden. Er kommuniziere das Problem offen mit der Kundschaft, sagt Rinaldo Andres. Einen Teil des Preisaufschlags könne das Unternehmen schon kompensieren, denn das Verhältnis zwischen Lohnarbeit und Materialkosten liegt bei ihren Aufträgen bei etwa 70 zu 30 Prozent. So falle auf den gesamten Auftrag ein erhöhter Materialpreis nicht so stark ins Gewicht. Allerdings gäben sie im Moment bescheiden Rabatt und Skonti. Bei grösseren Projekten hätten sie schon die Preise indexiert. Dass heisst, verrechnet wird der bei der Bestellung aktuelle Materialpreis. Damit können sich die Unternehmer schützen. clouarchitekten.ch