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04/2022 Ornamental

BEWEGEN

Wissen, das unter die Haut geht

Anfang Mai machte die Suva Halt bei der Hector Egger Holzbau AG in Langenthal, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Sonneneinwirkung zu informieren. Rund 30 Zimmerleute, die bei ihrer Arbeit regelmässig der Sonne ausgesetzt sind, besuchten das Präventionsmodul, das mit einem Postenlauf spielerisch zum Nachdenken anregte.

Text Sue Lüthi | Bilder SL, zVg

 

Die Haut erinnert sich an jeden Sonnenbrand. Ist die Rötung verheilt, sieht das Auge den Schaden nicht mehr, die Spezialkamera jedoch schon. Sie war an diesem Nachmittag vor dem Eingang der Hector Egger Holzbau AG aufgebaut. Gesichtsstellen, die der Sonne bereits stark ausgesetzt waren, zeigten sich als dunkle Flecken. Ziemlich lustig sah das Gesicht aus, nachdem es mit Sonnenschutz eingecremt war: Die geschützten Stellen waren schwarz. Und sogleich fiel auf, wo in der Eile die Creme nicht aufgetragen wurde: an den Ohren, zwischen den Augen oder auf den Nasenflügeln. «Sieht aus wie mit Tarnfarbe», lachten die Zimmermänner und jedem, der in die Kamera schaute, zeigte das Bild, wo noch Sonnenschutz hin muss.

Weniger lustig waren die Tatsachen, die Roland Krischek, Strahlenschutzexperte der Suva, zuvor kurz präsentiert hatte. Die Schweiz hat im internationalen Vergleich eine der höchsten Raten an Hautkrebserkrankungen. Zudem ist heller Hautkrebs und eine Form des schwarzen Hautkrebs als Berufskrankheit anerkannt. Die Krankheit entsteht durch Sonnenstrahlen. Der helle Hautkrebs tritt an Stellen auf, die ungeschützt der Sonne ausgesetzt sind: auf der Stirn, der Nase, den Lippen, den Ohren, dem Nacken und den Handrücken. Er äussert sich durch rötliche und raue Stellen auf der Haut, die nicht wieder weggehen und auch bluten können. Unbehandelt wächst der Krebs tief in die Haut ein und kann sogar den Knochen angreifen. In den meisten Fällen bildet der helle Hautkrebs keine Metastasen, aber er kann auch tödlich enden.


Postenlauf zum Sonnenschutz

Nach dem Vortrag verteilten sich die Teilnehmenden auf sechs Posten. Am Tisch mit verschiedenen Kopfbedeckungen war viel Bewegung: Alle hatten ihren Helm mitgenommen und montierten das neue Designmodell «Visier mit Nackenschutz». Die transparente Stirnblende mit UV-Schutz störe nicht, sagten die Männer beim Anprobieren. An die herunterhängenden Lappen seitlich und hinten am Kopf müsse man sich noch gewöhnen. Wird das Teil am Helm bleiben? «Das lass ich jetzt mal dran, auf die Optik kommt es mir nicht an.» «Ich probiere das aus, mal sehen, ob es seitlich nicht die Sicht einschränkt», waren die Kommentare am Tisch. Zur Auswahl stand auch ein Stoffhut mit breiter Krempe, der nützlich ist, wenn kein Helm getragen wird. Auf einem anderen Tisch lagen Fotos von Menschen der Welt, die sich unterschiedlich vor der Sonne schützen. In südlichen Ländern zum Beispiel bestimmt die Sonne die Kleidung seit jeher und niemand zeigt Haut. «Kleidung ist der beste Schutz», sagt Roland Krischek. Noch besser ist, wenn möglich im Schatten zu arbeiten. Doch auch im Schatten und bei Bewölkung dringt ein Teil der schädlichen UV-Strahlen durch (siehe Seite 36). Die Sonnencreme kommt ganz zuhinterst in der Liste der Schutzmassnahmen. Dazu lag auf einem weiteren Tisch ein Puzzle mit Menschen der verschiedenen Hauttypen und Zeitangaben, wie lange sie natürlich und wie lange mit Sonnencreme geschützt sind. Fazit: Einmal eincremen für den ganzen Tag genügt nicht, auch nicht mit Schutzfaktor 50!


Ein eindrückliches Foto ging so manchem unter die Haut: Es zeigt einen Mann mit ausgeprägt einseitiger Hautalterung. Der Lastwagenfahrer ist jahrelang die gleiche Strecke hin- und zurückgefahren und seine linke Gesichtshälfte war ständig der ebenso wandernden Sonne ausgesetzt. Windschutzscheiben filtern einen Teil der UV-Strahlung, aber Sonnenschutz böten sie nicht. Lehrreich ist auch die App «Sunface». Sie scannt das eigene Gesicht und simuliert die Hautalterung in 5, 10 oder 20 Jahren. Auch dieser Versuch ist sehr bildhaft und die Unterschiede mit oder ohne Sonnenschutz und wöchentlichem Solarium sind glaubwürdig dargestellt. Die Arbeit an der prallen Sonne ist sowieso eine heisse Sache, und Zimmerleute müssen ohnehin sicherheitstechnisch einen kühlen Kopf bewahren. Darum gesellen sich jetzt vielleicht zur coolen Sonnenbrille und zum mittlerweile sportlich designten Helm auch luftige Lappen um die Ohren. Nach dem Austausch an den Tischen traten die Teilnehmenden mit einem weissen Armbändel an die Sonne und das Band verfärbt sich sofort violett. Ein weiteres Mittel, dass die ultravioletten Strahlen ins Augenlicht und Bewusstsein führt, auf dass die Haut verschont bleibe.

Daniel Küng

Wie unterstützt Holzbau Vital die Mitgliedsbetriebe, damit das Thema beim einzelnen Mitarbeiter ankommt?
Die Betriebe erhalten einen Informationsbrief, wir gestalten Plakate, die zum Download bereit sind, und stellen zu den jeweiligen Sicherheitsthemen eine Power-Point-Präsentation zur Verfügung, die der Betrieb nutzen kann, um seine Mitarbeitenden zu informieren. Zudem sind auf unserer Website acht Online-Testfragen, die in wenigen Minuten die Kenntnisse zu Sonnen- und Hitzeschutz abrufen und informieren. Ein Betrieb kann auch direkt bei der Suva das Präventionsmodul bestellen, entweder als Do-it-yourself-Modul, das
kostenlos zur Verfügung gestellt wird, oder auch zusammen mit einer Fachperson der Suva. Die zweite Variante ist kostenpflichtig, doch Holzbau Vital beteiligt sich dabei an den Kosten. Bei beiden Varianten erhält der Betrieb für die angegebene Anzahl Mitarbeitende Schutzmaterial, wie zum Beispiel den speziell entwickelten Nackenschutz, Sonnencreme und Informationen.holzbau-schweiz.ch/de/dienstleistungen/
sicherheit-gesundheit/plakate/


Thomas Rosenberg

Was unternimmt die Hector Egger Holzbau AG, damit sich die Mitarbeitenden schützen?
Wir bieten Sicherheitsschulungen an und dort ist der Sonnenschutz ein Thema. Wir stellen Sonnencreme mit Schutzfaktor 50 und eine Sonnenbrille zur Verfügung. Das ist bei uns Standard. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten auch Arbeitskleidung. Bei uns sind dies für den Sommer lange Hosen und T-Shirts, die mit wenigen Ausnahmen getragen werden. Ebenso den Kopf- und Nackenschutz, den sie heute von der Suva erhalten haben. Schlussendlich ist jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter selbst verantwortlich für die eigene Gesundheit. Wir geben ihnen diese Mittel auf den Weg und weisen auf die Gefahren des Hautkrebses hin. hector-egger.ch


Roland Krischek

Was ist das Ziel der UV-Schutz-Kampagne?
Die Suva macht schon seit mehreren Jahren auf die Risiken von UV-Strahlung aufmerksam; seit 2022 ist das Thema UV-Schutz zusätzlich in der Bauarbeiterverordnung verankert. Ziel der Kampagne ist, die Fälle von berufsbedingtem Hautkrebs zu reduzieren. Dafür stellen wir den Betrieben umfassendes Informationsmaterial zur Verfügung, beispielsweise ein Präventionsmodul, um die Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden zu sensibilisieren. Das Thema UV-Schutz bildet einen Schwerpunkt in der Vorsorge vor Berufskrankheiten und ist ein zentraler Punkt in der Präventionsarbeit der Suva für die kommenden Jahre. Ab nächstem Jahr werden wir das Thema UV-Schutz auch bei unserer Kontrolltätigkeit ansprechen und konkrete Massnahmen einfordern. suva.ch/sonne