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02/2020

MARKTPLATZ

Zimmerleute verunfallen häufig in ihrer Freizeit

Unfälle bei der Arbeit oder in der Freizeit sind nichts Erfreuliches. Sie bedeuten neben viel Leid auch eine eingeschränkte Lebensqualität für die Betroffenen. Zimmerleute liegen bei den Absenzen infolge Freizeitunfällen deutlich über dem Durchschnitt von 2,4 Tagen. In der Holzbaubranche sind es rund 4,15 Absenztage pro Vollbeschäftigten und Jahr. Rund die Hälfte dieser Freizeitunfälle passieren bei Sport und Spiel. Es besteht also Handlungsbedarf.

TEXT UND FOTO SUVA

Insgesamt zählt der Unfallversicherer Suva jährlich 465?000 Unfälle und Berufskrankheiten. Rund 3750 Mitarbeitende der Holzbaubranche verunfallten 2018 bei der Arbeit und fast nochmals so viele, nämlich rund 3490, in der Freizeit. Das zeigen die Unfallzahlen für den Holzbau aus den Klassen 17S, 18S und 41A B0. Die Suva arbeitet eng mit den Betrieben zusammen, um das Unfallrisiko auch in der Freizeit zu senken. Sie sensibilisiert die Versicherten mit gezielten Kampagnen für die Prävention von Unfällen in der Freizeit und unterstützt dabei mit Beratung und zahlreichen Angeboten.

Nicht Spass, sondern Leid verhindern
Sport und Spiel bedeutet in der Freizeit vor allem auch Spass. Tritt die Suva hier auf die Spassbremse? «Nein, ganz im Gegenteil», sagt Philippe Gassmann, Bereichsleiter Kampagnen der Freizeitsicherheit bei der Suva. «Die Suva steigert die Lebensqualität, indem sie Leid verhindert.» Immer noch gibt es jährlich über 45?000 Verletzte auf Schweizer Fussballplätzen, 1300 Schädelverletzungen bei Velounfällen und Tausende Freizeitunfälle aller Art. «Nicht jeder Unfall lässt sich verhindern – viele aber schon. Die Suva macht mit ihren Aktivitäten zum Beispiel direkt am ‹Point of Danger›, dem Gefahrenort, auf Unfallrisiken aufmerksam. Dort, wo man sich überlegt, ob man nach zwei, drei ‹Kafi Schnaps› noch die letzte Abfahrt mit den Skiern macht oder doch lieber die Seilbahn nimmt», erklärt Gassmann. Weiter gibt es ein Präventionsangebot, um die Betriebe, respektive die Belegschaft, zu sensibilisieren.

Bewegung im Bewusstsein der eigenen Grenzen
Früher hatten die Menschen weniger Freizeit. Dafür gab es mehr körperliche Arbeit. Heute hat sich das Verhältnis umgekehrt. In vielen Betrieben sind Arbeitsabläufe automatisiert und unterstützt durch körperschonende Hilfsmittel. «Viele Menschen sind sich unter diesen Umständen ihrer körperlichen Fitness nicht bewusst. Sie gehen an oder über ihre Leistungsgrenze», sagt Gassmann. «Auch wer gestresst und nicht konzentriert bei der Sache ist, ob bei der Arbeit oder in der Freizeit, erhöht sein Verletzungsrisiko», weiss der Kampagnenleiter. Hier setzen verschiedene Angebote der Suva an: zum Beispiel attraktive Präventionsmodule, die in den Betrieben selbst durchgeführt werden können, oder Selbstchecks, wie zum Beispiel der Schneesport-Check. Kommen diese zum Einsatz, lassen sich Gefahrensituationen reduzieren und das Verletzungsrisiko sinkt. Mit dem Fitnesstest zum Beispiel lassen sich zusätzlich persönliche Schwachstellen herausfinden und Massnahmen zur Verbesserung werden aufgezeigt. Das jüngste Präventionsangebot der Suva ist ein Sportparcours. Hier erleben Mitarbeitende auf spielerische Art und Weise, welche Risiken die gängigsten Sportarten mit sich bringen. Weiter wird im Parcours aufgezeigt, dass Nichtstun auch keine Lösung ist. Nachdenken und Umdenken werden angeregt.

Weniger Unfälle bedeuten tiefere Prämienlast

Manche Betriebe sind der Auffassung, dass Freizeitunfälle Privatsache der Mitarbeitenden sind: «Es ist immer noch eine verbreitete Meinung, dass man gegen Freizeitunfälle nichts machen kann», sagt Francine Schlatter, Beraterin Präventionsangebote bei der Suva. Sieht man sich die Kosten an, die durch die Ausfalltage entstehen, steigt die Motivation für die Präventionsarbeit. «Firmen, die der Arbeitssicherheit wie auch der Freizeitsicherheit erhöhte Aufmerksamkeit schenken, können nur gewinnen», ist Schlatter überzeugt. Wenn pro Jahr mehr als einer von zehn Mitarbeitenden in der Freizeit verunfallt und sich verletzt, sollte der Betrieb handeln. Weniger Unfälle bedeuten nicht nur weniger Leid und mehr Lebensqualität, für den Betrieb bedeutet es auch weniger Kosten. Dies kommt wiederum den Versicherten in Form von tieferen Prämien zugute.

Führungskräfte sind entscheidende Vorbi
Die Suva motiviert die Betriebe, damit sie der Freizeitsicherheit freiwillig ihre Aufmerksamkeit schenken. In gezielten Beratungen und mit Präventionsangeboten sensibilisiert sie ihre Kundinnen und Kunden. Dabei schaut sie genau hin, wo im Betrieb die Knackpunkte, sprich die Unfallursachen, liegen. Setzt ein Betrieb eine Präventionsmassnahme einfach nur um, reicht das nicht. Mitentscheidend ist, dass der Chef oder die Chefin eines Unternehmens den Nutzen von Präventionsmassnahmen erkennt, unterstützt und diese selbst vorlebt. «Dadurch lassen sich Unfallzahlen positiv beeinflussen», sagt Schlatter.

Kommunikation hilft Unfälle zu verarbeiten
Eine Massnahme nach einem Freizeitunfall könne es beispielsweise sein, dass der Verunfallte nach seiner Rückkehr den Arbeitskollegen davon berichtet. Vom Vorgesetzten unterstützt, überlegt die Belegschaft gemeinsam, wie künftig Ähnliches verhindert werden kann. «Diese Auseinandersetzung schärft das Bewusstsein, wie mit dem eigenen Verhalten das Unfallrisiko verringert werden kann», erklärt die Präventionsberaterin. Wer nach einem Unfall an den Arbeitsplatz zurückkehrt, sollte nicht einfach zur Tagesroutine übergehen. Ein Rückkehrgespräch, das nochmals aufarbeitet, was geschehen ist, schafft ein vertrauensvolles Klima und zeigt Wertschätzung für die verunfallte Person. Ist der Verunfallte noch nicht wieder zurück im Betrieb, lohnt es sich, wenn sich der Chef oder die Chefin sowie die Teamkollegen regelmässig beim Verunfallten melden, sich nach dem Genesungszustand erkundigen. Werden diese Kontakte ehrlich und systematisch durchgeführt, unterstützen sie die Präventionskultur im Betrieb. Dies schafft Offenheit und die Bereitschaft, aus Unfällen zu lernen.